Die Flora der Alpen

Die Alpen beherbergen etwa 4000 ursprünglich einheimische Arten und Unterarten. Wenn man die Kleinarten von üblicherweise als Sammelgruppen behandelter Arten mitberücksichtigt
(z. B.: Habichtskräuter-Hieracium, Frauenmantel-Alchemilla, Brombeeren Rubus fructicosus agg. u. a. m.), dann erhöht sich die Zahl noch einmal beträchtlich. Von knapp 200 Arten und Unterarten sind keine aktuellen Fundorte bekannt, sie gelten derzeit als ausgestorben bzw. als verschollen. Über 1000 weitere Arten wurden vom Menschen eingeschleppt und laufend kommen neue hinzu. Etwa die Hälfte davon kommt mittlerweile zumindest in Teilgebieten der Alpen mit größerer Regelmäßigkeit vor.

Mehr als 400 Arten sind im Alpengebiet endemisch, das heißt sie kommen nur hier vor. Besonders reich an Endemiten sind die Familien Glockenblumengewächse (Campanulaceae) und Steinbrechgewächse (Saxifragaceae). Unter den Gattungen führt Steinbrech (Saxifraga) die Liste mit 28 endemischen Arten in den Alpen an. Zu den wenigen Gattungen, die ausschließlich in den Alpen vorkommen zählt Schopfteufelskralle (Physoplexis) mit nur einer südalpinen Art (Physoplexis comosa) oder Berardie (Berardia subacaulis). Die Gattung Soldanelle oder Alpenglöckchen (Soldanella) ist in den Alpen entstanden („alpigene Sippe“) und ist heute auf die Alpen und die angrenzenden Gebirge beschränkt.

Flora der AlpenKlimatisch und geologisch lässt sich der Alpenbereich in nord-süd Richtung 3- gliedern, weiters gibt es eine Unterscheidung in West- und Ostalpen. Jedes dieser Teilgebiete der Alpen enthält Arten, die nur dort vorkommen, oder zumindest ihre Hauptverbreitung dort haben; im Folgenden eine Auswahl:

Nordalpen:
Gewöhnliche Alpenküchenschelle (Pulsatilla alpina ssp. alpina), Schneeberger Alpen-Küchenschelle (Pulsatilla alpina ssp. schneebergensis), Österreichisches Alpenglöckchen (Soldanella austriaca).
Zentralalpen:
Alpen-Mannsschild (Androsace alpina), Armblütige Rapunzel (Phyteuma globulariaefolium), Himmelsherold (Eritrichum nanum)
Südalpen:
Dolomiten Fingerkraut (Potentilla nitida), Schopfteufelskralle (Physoplexis comosa), Prächtige Primel, Wulfens Primel (Primula spectabilis, P. wulfeniana), Spinnweb-Steinbrech (Saxifraga arachnoidea), Karnische Glockenblume (Campanula carnica), Triglav-Enzian (Gentiana terglouensis)
Westalpen:
Berardie (Berardia subacaulis), Pracht-Steinbrech (Saxifraga cotyledon), Alpen-Balsam (Erinus alpinus), Alpen-Schuppenkopf (Cephalaria alpina), Mont Cenis-Stiefmütterchen (Viola cenisia)
Ostalpen:
Bursers Steinbrech (Saxifraga burseriana), Clusius` Primel (Primula clusii), Ungarischer Enzian (Gentiana pannonica), Ostalpen-Fingerkraut (Potentilla clusiana).