Geschichte

Alpenpflanzenanlage

Die Erfassung der Alpenflora war seit jeher ein Schwerpunkt des Institutes für Botanik der Universität Innsbruck. Der Alpengarten am Patscherkofel mit seinen Versuchsflächen, das Alpinum und das neue Alpinenhaus im Botanischen Garten tragen dazu bei, diesen Schwerpunkt auch einer breiten Öffentlichkeit näher zubringen.
Die Kultur von Gebirgspflanzen hat in Tirol eine lange Tradition. Schon 1864 veröffentlichte Professor Anton Kerner ein Buch mit dem Titel 'Die Cultur der Alpenpflanzen', in dem er für etwa 550 von ihm selbst angezogenen Arten Bodenbedürfnisse und andere Kulturanleitungen angibt. Die damalige Alpenpflanzenanlage im alten Botanischen Garten in der Innsbrucker Sillgasse gilt als eine der ersten der Welt und war in ganz Europa bekannt. Den ersten botanischen Alpengarten über der Waldgrenze hat Anton Kerner 1875 auf dem Blaser angelegt, aber nach seinem Tode wurde er aufgelassen.

Alpengarten und Gärtnerhaus um 1930

Auf einer 1926 unternommenen Bergfahrt ins Montblancgebiet hatte der damalige Leiter der Rektoratskanzlei Georg Heinsheimer Gelegenheit, den zum Botanischen Institut der Universität Genf gehörenden alpinen Garten „Linnaea“ samt Laboratorium bei Bourg St. Pierre (am Großen Bernhard) zu sehen. Heinsheimer dachte, was dort gelungen war, sollte in Innsbruck nicht unmöglich sein und setzte sich dafür ein, hier etwas ähnliches ins Leben zu rufen - brachte doch der Bau der Gondel Schwebebahn auf den Patscherkofel hierfür die besten Voraussetzungen.

Walther Büttner mit seinem Hund

Das Land Tirol und die Stadtgemeinde Innsbruck haben im Jahre 1930 zwei in ihrem Besitz befindliche Grundparzellen auf dem Patscherkofel mit dem Gesamtausmaß von 8700m² dem Rektorat der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck zur Anlage eines Alpengartens und in weiterer Folge zum Bau einer biologischen Station überlassen. Seit diesem Zeitpunkt werden diese Grundstücke vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck als Alpengarten genutzt. 1935 wurde die Anlage und ein Gärtnerhaus vom damaligen Vorstand des Institutes für Botanik Adolf Sperlich eröffnet. Der damalige Gärtner Viktor Holzmann musste leider bald als Soldat in den Krieg ziehen, die Anlagen blieben sich selbst überlassen.

Gärtnerhaus im Winter

Erst 1946 fand Holzmann in Walther Büttner einen Nachfolger, der sich als begeisterter Alpenpflanzenliebhaber auf dem Patscherkofel so recht in seinem Element und mit dem Garten verwachsen fühlte. Er hat jahrelang von seinen häufig unternommenen Bergausflügen aus nah und fern zahlreiche Pflanzen für den Garten mitgebracht, andere aus Samen gezogen oder durch Tausch hinzugewonnen. Büttner wohnte jahrelang auch im Winter auf dem Patscherkofel wo er sogar Kartoffeln anbaute. Stolz war er auf seine Erdbeerkulturen die ihm ein zusätzliches Einkommen ermöglichten – sie reiften von August bis September also eine Zeit in der es damals keine Erdbeeren im Tal mehr gab. Sie waren in der umliegenden Gastronomie heiß begehrt.

Laborgebäude heute

Im April 1973 ging Walther Büttner in Pension und aus Geldmangel konnte lange kein Nachfolger angestellt werden. Seit 1992 haben die Gärtner des Botanischen Gartens Teile des Areals rekultiviert. Durch die Errichtung eines aufwendigen Rundwanderweges war es 1994 möglich, den seit mehr als 20 Jahren geschlossenen Garten der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Am 15. September 1994 wurde der Alpengarten und das neue Laborgebäude feierlich eröffnet.