Alltagspraxis und Strukturwandel der Subjekte - Riskierte Körper

Alltagspraxis und Strukturwandel der Subjekte

Mit laufenden gesellschaftlichen Transformationsprozessen gehen Wandlungen der Selbst- und Fremdkonzeption auch im Alltag der Menschen einher. Theoretisch betrachtet, wie verhalten sich gesellschaftliche Strukturen mit gelebtem Alltag zueinander? Empirisch betrachtet, welche Praktiken wenden gesellschaftliche Subjekte im Alltag an, um sich gegenüber widersprüchlichen Anforderungen der Lebensführung abzusichern? Folgende Themen werden behandelt: integrative und dissoziative Kräfte des Konsumverhaltens; Kindheit und Erziehung unter den Ansprüchen der Liebe, Fürsorge und Arbeit; Alltag von Erziehung im Spannungsfeld elterlicher Verantwortung und staatlichem Bildungsmonopol; Interaktionsprozessen in jugendkulturellen versus familienorientierten Lebensmodellen; Normalität und Psychopathologie als psychische Strategien subjektiver Absicherung; Risikoverhalten als Existenzmodus in extrem unsicheren Lebenslagen; Kunstinstallationen im öffentlichen Raum als Interventionsstrategien; Bildwelten der Absicherung in der Geschichte; Praktiken subjektiver Selbstermächtigung im fremdkontrollierten Alltagssituationen.

Riskierte Körper

Das Interesse am Körper im Schnittpunkt heterogener Theoriediskurse nimmt seit Jahren zu. In diesen Diskursen werden Körper als plastisches Material für Prozeduren der Zurichtung, Normierung und Disziplinierung analysiert und in ihren verschiedenen Formen des Ausdrucks, der Darstellung, der Imagination und Repräsentation thematisiert. Die Körper sind robust, verletzlich, gelehrig, nützlich und sie leisten Widerstand. Indem sie sich alltäglichen Zugriffen zu entziehen suchen, markieren sie Grenzen der Verfügbarkeit und fordern heraus, grundlegend und anders zu denken.

Die Forschungsfelder sind vielschichtig und reichen von der Evolution bis zur Performativität und Reinszenierung des Körperlichen durch Bewegung, Emotion und Sinnlichkeit. In welcher Weise Vorstellungen, Strategien und Praktiken der Macht die menschlichen Körper in ihren lebensgeschichtlichen Bezügen formen und wodurch es bis heute gelingt, mit diesen Formungen und Transfigurationen auch widerständig, kreativ umzugehen, gehört zu den Fragen, die auf die Erziehungswissenschaft bezogen lauten: Was erzählen Körper in extremen Lebenslagen, die nur durch Zufall überlebt haben? Welche Formen von Selbsterziehung bilden sich an der Grenze des Menschenmöglichen heraus? Wie entsteht „Risikowissen“? Wodurch prägt eine Gesellschaft menschliche Körper und wie nehmen diese Einfluss auf die Verfasstheit, Aufrechterhaltung und Veränderung einer Gesellschaft und ihr Verständnis von Erziehung, Bildung und Spiel?

Wenn bedeutsame theoretische Probleme anhand scheinbar belangloser empirischer Objekte zu erschließen sind, soll methodologisch gesehen das Besondere im Erleben der beim Berg- und Extremsport riskierten Körper zur Darstellung gebracht und über das Paradigma der Historischen Anthropologie vertiefend bearbeitet werden, um allgemeine Aussagen zum Schicksal geschichtlicher und gegenwärtiger gesellschaftlicher Körper von Individuen wagen zu können.