Verminderung der Abhängigkeit der Landwirtschaft von industriellen Vorleistungen

Neubesinnung auf die hofeigenen Produktionsressourcen
  1. Anpassungsfähig und beweglich zu sein ist ein entscheidender unternehmerischer Vorteil. Das bedingt eine größtmögliche wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Diese zu erhalten und dort, wo sie in der Vergangenheit verloren ging, wenigstens ein Stück weit zurückzugewinnen, muss ein großes Anliegen der Bauern und Bäuerinnen sein.

  2. Lebensmittel sind im Prinzip der notwendigste und sicherste Markt der Welt. Immer mehr Industriezweige haben daher, vor allem in den letzten 50 Jahren, versucht und versuchen es weiterhin, in irgend einer Form wirtschaftlichen Nutzen aus diesem Markt zu ziehen. Dies in der Form, in dem sie dem Landwirt Erzeugnisse verschiedenster Art für die Produktionssteigerung, die Krankheits- und Schädlingsbekämpfung, zur Arbeitserleichterung usw. anbieten. Damit ist es ihnen in immer größerem Maße gelungen, sich in die Wertschöpfungskette der Lebensmittelerzeugung einzuklicken und sich dadurch entsprechende Anteile an der Lebensmittelproduktion zu sichern.

  3. Ein Teil dieser zugekauften Produktionsmittel dient dem Ersatz der natürlich vorhandenen Ressourcen eines Hofes z.B. Verzicht auf die hofeigene Stickstofferzeugung durch zugekauften synthetischen Stickstoff  oder verstärkter Zwang zum Einsatz chemischer Krankheits- und Schädlingsbekämpfungsmittel durch Verzicht auf eine ökologisch orientierte und damit weniger krankheits- und schädlingsanfällige Wirtschaftsweise. Mit der Abhängigkeit von industriellen Produktionsmitteln haben die Bauern einen bedeutenden Teil ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit bei der Sicherung der Erträge in der Pflanzen- und Tierproduktion verloren. Je mehr außerdem in der Landwirtschaft Arbeit durch Kapital ersetzt wird, umso mehr verlieren die Bauern ihre Arbeit in der Landwirtschaft

  4. Es ist Zeit, damit zu beginnen, die industriell erzeugten Produktionsmittel mit dem damit verbundenen Verlust an Unabhängigkeit von dieser Seite zu betrachten. Dies mit dem Ziel, nach Wegen zu suchen, wenigstens ein Stück weit wieder mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen und sich einen etwas höheren Anteil an der Wertschöpfungskette  bei der Lebensmittelerzeugung zu sichern.

  5. Es muss ein entscheidendes Anliegen der Bauern und Bäuerinnen sein, einerseits nicht noch mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit zu verlieren (jüngstes Beispiel: gentechnisch verändertes Saatgut) und andererseits verlorengegangene wirtschaftliche Unabhängigkeit durch Neubesinnung auf die bestmögliche Nutzung der hofeigenen Ressourcen, wenigstens zum Teil wieder zurückzugewinnen. Je mehr dies gelingt, umso umweltgerechter wird, im Interesse der gesamten Gesellschaft, auch die Produktion.

  6. Ganz allgemein kann man feststellen, dass vor allem folgende Faktoren den Verlust wirtschaftlicher Unabhängigkeit in der Landwirtschaft verursachen
  • Die soeben genannte mehr oder weniger große bzw. absolute Abhängigkeit von industriellen  Produktionsmitteln,
  • Die absolute Abhängigkeit von marktbeherrschenden und preisbestimmenden   Marktpartnern auf dem Absatzsektor (Verarbeitungsbetriebe, Lebensmittelketten),
  • Die  Überschussproduktion, die den Preis drückt und den Verkaufszwang - um jeden Preis - erhöht,
  • Der Verlust betrieblicher Beweglichkeit durch langfristige Festlegung auf eine bestimmte Produktionssparte in Form der Betriebsspezialisierung, vor allem auch noch in Verbindung mit hohen Investitionen im Zusammenhang mit einer Betriebsvergrößerung,
  • Eine hohe Fremdkapitalbelastung, die auch bei verminderten Produkterlösen zum Weitermachen zwingt.