Weitestmögliche Erhaltung der noch bestehenden bäuerlichen Betriebe

Vermeidung eines weiteren Bauernsterbens
  1. Eine weitere Abwanderung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft kann sich für  die gute Erfüllung sowohl der ökonomischen wie der ökologischen Aufgaben der Landwirtschaft nur negativ auswirken. Diese Tatsache ist auch der nichtbäuerlichen Bevölkerung bewusst zu machen.

  2. Die weitere Schließung von Bauernhöfen auf der einen und das Betriebswachstum auf der anderen Seite erfordert einen weiteren Ersatz von Arbeit durch Kapital, das heißt neue Investitionen mit der Gefahr einer risikoreichen Fremdkapitalbelastung und noch größere Abhängigkeit von Zukaufbetriebsmittel. Die Folge: Verlust von wirtschaftlicher Unabhängigkeit.

  3. Die bestmögliche Sicherung der Ernährungsautarkie ist durch eine möglichst große Unabhängigkeit von Fremdstoffen bei der Produktion und durch eine ausreichende Zahl von Bauern mit guten Fachkenntnissen und wertvoller Berufserfahrung gewährleistet. Diese Bedingungen verschlechtern sich mit einer weiteren Verdrängung von Bauern aus der Landwirtschaft.

  4. Durch den Einsatz der heutigen Landtechnik werden für die reine Produktion nicht mehr soviel Arbeitsstunden und Arbeitskräfte benötigt. Damit die Konsequenz aus dieser Tatsache nicht das Betriebswachstum oder die Abwanderung aus der Landwirtschaft sein müssen, ist gerade in Verbindung mit einer entsprechenden Ausbildung, ein verstärktes Bemühen um Einkommenskombinationen notwendig. Wünschenswert sind vor allem solche, die sich mit einer landwirtschaftlichen Tätigkeit möglichst gut verbinden lassen. Diesem Bemühen kommt zur Vermeidung eines weiteren Bauernsterbens eine zentrale Bedeutung zu.

  5. Führende Weltexperten im Bereich der erneuerbaren Energie wie z.B. der deutsche Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Scheer halten eine weitere Reduzierung des landwirtschaftlichen Bevölkerungsanteiles für „absolut fatal“. In wenigen Jahrzehnten werden zur Versorgung mit erneuerbarer Energie nach seiner Überzeugung vermehrt Fachkräfte zur Wahrnehmung dieser Aufgabe benötigt. Es wäre unverantwortlich, wenn diese Fachkräfte dann fehlen würden, bzw. wieder große Einschulungsprogramme notwendig währen.

  6. Eine weitere Verdrängung von Bauern, die weitere Schließung von Bauernhöfen würde zu einer zunehmenden Verarmung des Landschaftsbildes führen (Verwaldung in Ungunstlagen, Vereinheitlichung der Flächennutzung usw.) und damit zu einem Verlust des Erholungs- und Erlebniswertes ländlicher Räume.

  7. Eine bessere Naturpflege, die Verschönerung von Landschaften und damit die Steigerung des Erlebnis- und Erholungswertes ländlicher Räume sind außerdem noch keineswegs ausreichend wahrgenommene Aufgaben. Mit einer weiteren Verdrängung von Arbeitskräften gehen die Fachkräfte verloren, die aus unserem Lande ein Landschaftsparadies machen könnten.

  8. Aus der Landwirtschaft verdrängte Arbeitskräfte erhöhen die Zahl der Arbeitslosen. Weil Bauern in der Regel als besonders arbeitswillig gelten, finden sie in der Regel leichter einen Arbeitsplatz, verdrängen dafür aber andere vom Arbeitsmarkt.

  9. Mit der Empfehlung und der Forderung nach Betriebswachstum kann es leicht zu einer  Überforderung der bäuerlichen Familien kommen. Es kann sich dabei um eine physische oft verbunden auch mit einer psychischen oder gleichzeitig um beide handeln. Beides wirkt sich nachteilig und zerstörerisch auf die bäuerlichen Familien aus.

  10. Bei ständig voller arbeitsmäßiger Inanspruchnahme durch den Betrieb als Folge von Betriebsvergrößerungen fehlt Bauern und Bäuerinnen zusehends die Zeit für Aufgaben im Dienste der Allgemeinheit. Das bäuerliche Gemeinschaftsleben verkümmert, die Bauern verlieren an politischer Bedeutung.

  11. Aufhören müssen, weil andere wachsen wollen, der Kampf um Marktanteile, das Hinaufdrücken der Pachtpreise usw. wirkt zerstörerisch auf die bäuerliche Solidarität.

  12. Es liegt sowohl im Interesse der Landwirtschaft wie der übrigen Gesellschaft, dass die bäuerliche Bevölkerung als Bewahrer ländlicher Lebenskultur ein wichtiges gesellschaftliches Element bleibt.