Venustransit am 6.6.2012


Die Venus ist ein innerer Planet, der eine kleinere Umlaufbahn um die Sonne hat, als die Erde. Daher kann sie zwischen Sonne und Erde treten. Dieses Ereignis nennen wir Venustransit. Das könnte somit jedes Jahr vorkommen, da das Venusjahr nur 224.7 Erdtage lang ist.

Diese Ereignisse sind jedoch sehr selten, da die Bahnebenen von Erde und Venus zueinader geneigt sind. Nur wenn die Planeten Anfang Juni und Anfang Dezember zufällig beide an der Schnittlinie der Ebenen stehen, kommt es zur Bedeckung. Die Ereignisse treten immer zwei mal innerhalb weniger Jahre auf. Am 6. Juni 2012 findet diese zweite Erscheinung eines solchen Paares statt. Viele von uns erinnern sich noch an das letze Mal, am 8. Juni 2004.
Davor muß man jedoch bis zum 6. Dezember 1882 zurückblicken. Das nächste Mal wird diese Himmelserscheinung am 11. Dezember 2117 zu beobachten sein.

Abstände im Sonnensystem am 6.6.2012
Beim Transit sehen wir die unbeleuchtete Rückseite der Venus. Diese ist zu diesem Zeitpunkt, anders als wenn wir sie als der auffällig helle Abend- oder Morgenstern sehen, daher dunkel.
Die Angaben der Abstände sind für den Tag des Ereignisses am 6. Juni berechnet.

 

skizze_groesse

Da die Venus etwa gleich groß wie die Erde, aber viel kleiner als die Sonne ist und weit entfernt steht (anders als der Mond Bei der Sonnenfinsternis), kann sie nur einen kleinen Teil abdecken. Dies sind nur 0.093 % der Fläche und somit auch nur ein verschwindend kleiner kaum messbarer Anteil des Lichtes der Sonne.
Die "Auswirkungen" auf unsere Zivilgesellschaft sind daher, im Gegensatz zu Sonnen-finsternissen durch den Mond, verschwindend gering.

Weitere Fakten zum 6. Juni:
scheinbarer Durchmesser der Sonne: 1 891 Bogensekunden (=etwa 0.52°)
scheinbarer Durchmesser der Venus: 57.8 Bogensekunden (=etwa 0.016°)

Das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges ist etwa 40 bis 60 Bogensekunden (ein 1 mm großer Gegenstand aus einer Entfernung von etwa 4 bis 6 Metern Entfernung). Die Venus ist in ihrer Größe also an der Grenze der Auflösung des menschlichen Auges.

Der Beginn des Transits vom 6.6.2012 – also der Zeitpunkt, an dem sich die Venus vor die Sonne schiebt – ist für Tirol um 4 Minuten nach Mitternacht (Mitteleuropäische Sommerzeit). Der Unterschied von West nach Ost innerhalb Tirols ist nur etwa eine Sekunde. Zu dieser Zeit können wir das Ereignis also nicht beobachten. Am besten lässt sich das diesjährige Ereignis im Bereich der Mitternachtssonne weiter im Nordosten beobachten (z.B. Nordrussland oder Spitzbergen).

Auch beim "Höhepunkt" um ½ 4 ist die Sonne noch nicht über dem Horizont. Vorausgesetzt man ist an einem Ort mit komplett freier Sicht gegen Ostnordost, kann man etwa die letzte Stunde in unserer Region beobachten.
Dabei sind bitte die Schutzvorkehrungen für die Augen, wie sie auf www.venustransit.de schön beschrieben sind, unbedingt zu beachten!


venustransit_ablauf_innsbruck

Berechnung durch
http://transitofvenus.nl/wp/where-when/local-transit-times/

Die Grafik zeigt die Lage für den Raum Innsbruck. Der Unterschied des Sonnenstandes über dem Horizont innerhalb Tirols ist mit etwa 0.94° höher stehend (besser) im Osten Nordtirols und in Osttirol und 0.70° tiefer stehend (schlechter) im Westen Nordtirols  relativ gering.

transit_300dpi

(Transparentes Overlay im SVG Format für eigene Fotomontagen ist hier verfügbar)
venustransit_sternwarte_technikerstrasse

Wie man an dieser Fotomontage am Dach des Viktor Franz Hess Hauses (Sternwarte Technikerstraße) sehen kann, ist wirklich ein völlig freier Horizont nötig. Von der Sternwarte aus ist daher keine Beobachtung möglich. Selbiges trifft noch stärker für die Sternwarte Hötting (Botanischer Garten) durch ihre Einbettung in die umliegenden Villen, zu.

Zur Schätzung von Winkeln:

  • Die Breite eines Daumen bei gestreckter Hand ist etwa 2°
  • Knöchelspitze Zeigefinger bis Knöchelspitze Mittelfinger bei gestreckter Faust sind etwa 3°
  • Köchelspitze Zeigefinger bis Knöchelspitze kleiner Finger bei der Faust sind etwa 5°

Nützliche Links (nicht nur zum Venustransit):

(c) 2012

Institut für Astro und Teilchenphysik
Universität Innsbruck

Stefan Kimeswenger