Architektur als Bühne
Motive der Inszenierung von Architektur bei Clemens Holzmeister

 

Architektur als Bühne


Die Bauten Clemens Holzmeisters werden oft als pathetisch in Szene gesetzt beschrieben, seine Architekturauffassung als theatralisch empfunden. Verstand Holzmeister tatsächlich die Architektur als Bühne? Lieferte sie die Folie für Auftraggeber und öffentliche Inszenierungen? Diesen und anderen Fragen gehen Experten aus Universität und Museum in der dritten Holzmeister-Tagung nach. Besonders seine Theaterbauten und seine Entwürfe für Bühnenbilder stehen im Zentrum der analytischen Betrachtung.

Einfache volkstümliche Krippenspiele und das pompöskatholische theatrum sacrum prägten „den Romantiker“, wie sich Holzmeister selbst bezeichnete, und beeinflussten ihn nachhaltig. Selbst seine rational-sachlich konzipierten Großbauten lassen sich als monumentale Kulissen für Kirche und Staat interpretieren, die den Betrachter emotional packen sollten.

Der Theaterbau avancierte neben dem Bau von Kirchen und repräsentativen Verwaltungsbauten zu einer seiner wichtigsten Beschäftigungen überhaupt. Rund dreißig ausgeführte Bauten und Projekte sind in seinem Werkverzeichnis genannt, darunter die Felsenreitschule sowie das Kleine und Große Festspielhaus in Salzburg, die zwischen 1925 und 1960 für die legendären Intendanten Max Reinhardt sowie Herbert von Karajan entstanden.

Sein nur Wenigen bekanntes Projekt für ein Idealtheater, das er 1941 zusammen mit dem Regisseur Carl Ebert im türkischen Exil projektierte, wird in aktuellen Forschungen heraus gehoben und als bedeutende Leistung der Theaterbaugeschichte gewürdigt.



Begleitend zur Tagung wird der Tagungsband präsentiert:

Tagungsband Gibt es eine Holzmeister Schule

Gibt es eine Holzmeister-Schule?
Clemens Holzmeister 1886–1983 I und seine Schüler

Archiv für Baukunst/Christoph Hölz (Hg.)

ISBN 978-3-902936-87-5
304 Seiten, zahlr. Abb., teilw. in Farbe
2015, innsbruck university press • iup
Preis: 32,90 Euro

Eine internationale Fachtagung am Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck befasste sich 2014 mit Clemens Holzmeister (1886–1983), dem erfolgreichen Büroleiter und Professor, seinen Mitarbeitern und Schülern. Holzmeister lehrte 1919–1923 an der Staatsgewerbeschule in Innsbruck, 1924–1938 und 1954–1957 an der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie 1928–1933 an der Kunstakademie in Düsseldorf, und von 1940 bis 1949 hatte er eine Professur an der Technischen Hochschule in Istanbul. Mehr als 700 Studierende haben in seinen „Meisterschulen“ das Architekturstudium absolviert. Diese beeindruckende Zahl wirft die Frage auf, ob es eine „Holzmeister-Schule“ gibt.

Der nun vorliegende Tagungsband umfasst Beiträge von Burçu Dogramaci, Judith Eiblmayr, Christoph Hölz, Markus Kristan, Gisela Möller, Bernd Nicolai, Wilfried Posch, Klaus-Jan Philipp, Christian Preining, Antje Senarclens de Grancy und Wolf Tegethoff. Sie widmen sich Fragen nach dem Meisterschul-Prinzip und der Ausbildung an Technischen Universitäten, Akademien und Kunstgewerbeschulen und stellen Vergleiche mit anderen Meisterschulen an, wie etwa jene von Peter Behrens, Mies van der Rohe und Lois Welzenbacher.


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