Lernergebnis:
Das Seminar zielt auf die wissenschaftliche sowie kontext- und bauanalytische Auseinandersetzung mit themenspezifischen Bautypen und Einzelbauten. Normative und faktisch auswertbare Aspekte beeinflussen unser Architekturverständnis und die Bewertungsmodi ebenso wie ästhetische und rezeptive Kriterien. Gerade im Bauwesen treffen „harte Fakten“ auf subjektive Einschätzung von Architektur aufeinander. Damit ist „Baukultur“ nie frei von Diskurs. Fragestellungen zu entwickeln und zu bewerten lernen ist Ziel des Seminars. 
Das Archiv für Bau.Kunst.Geschichte der Universität Innsbruck umfasst zahlreiche Nachlässe. Im Rahmen des Seminars ist vorgesehen, Einblicke in die Aufarbeitung von Nachlässn zu einzelne Themen zu gewinnen.

Inhalt:
Die 70er-Jahre sind von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt – und die Architektur liefert ihr Spiegelbild in besonderem Maß. Die Ernte der Wirtschaftswunderzeit der Nachkriegsjahre war eingefahren während zugleich gesellschaftliche Rollenbilder und ökonomische Strukturen in Frage gestellt wurden. Die Hippiebewegung, die Kulturszene, die Anti-Kriegsdemonstrationen und Klima-Aktivisten prägten die Zeit ebenso wie die Ölkrise und die zunehmende Globalisierung und Liberalisierung des Marktes. Der Glaube an die Gestaltungskraft der Gegenwart war dennoch stärker als die Verheißung „Fortschritt“ nur unheilvoll klang. Die Architektenschaft stand vor der Herausforderung, den Zeitgeist zu übersetzen und Kontinuitäten zu brechen – das Formenvokabular dafür war expressiv und setzte dafür fast fetischgleich Beton und konstruktive Mittel demonstrativ sichtbar ein. Zugleich waren die Altstädte mit dem Erneuerungswillen überfordert und der immer wiederkehrende Slogan „zurück zur Stadt“ bedeutete weniger Erhalt von Baubestand als Sanierung im Sinne von Schaffung neuer Bauflächen und Abriss.
Die Bauten der 70er-Jahre prägen Innsbruck bis heute und sind herausragende Ergebnisse einer neuen Bauform und mahnende Zeugen einer unreflektierten Stadtentwicklung zugleich. Eine Erfassung der Bauten und ihre Analyse im überregionalen Zeit- und Baukontext sind Ziel des Seminars. Im Fokus stehen Bauten von Architekten wie Josef Lackner, Gustav Peichl, Franz Kotek, Günther Norer, Horst Parson, Ekkehard Hörmann, Heinz Mathoi Streli u.a..

Methoden:
Literatur- und Quellenrecherche: An Einzelbeispielen werden verschiedene Bauten der 1970er-Jahre untersucht. Dazu zählt die wissenschaftliche Erarbeitung des Baukontextes ebenso wie die architektonische Analyse. In Teilen stützt sich die Untersuchung u.a. auf originale Planmaterialeien etc. im Archiv für Bau.Kunst.Geschichte.
Unmittelbarer Austausch und direkte Begegnung: Exkursionen zu den Bauten sowie Gespräche mit ArchitektInnen dienen der Erweiterung der Perspektiven.
Diskussion und Stellungnahme: Diskurs und kritische Auseinandersetzung

Prüfungsmodus:
Anforderungen: Regelmäßige Teilnahme (80% der Lehrveranstaltung), verbindliche Übernahme eines Referats, Verfassen einer schriftlichen wissenschaftlichen Arbeit, Beteiligung an der Diskussion und pünktliches Erscheinen sowie kontinuierliche und aktive Mitarbeit. Vorbesprechungen von Referat und Hausarbeit sind obligatorisch. 
Die Teilnahme an einem geplanten Workshops mit wissenschaftlichen Fachbeiträgen und Gästen im Juni 2022 ist verpflichtend.

Für mehr Info und zur Anmeldung bitte hier klicken.

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