Die Brauerei

Das Sudhaus des Adambräu nimmt im Werk Welzenbachers eine besondere Stellung ein: Es ist einer der wenigen und zugleich der früheste seiner Industriebauten. Zugleich ist die Brauerei neben der ehemaligen staatlichen Tabakfabrik, die Peter Behrens und Alexander Popp fast gleichzeitig zwischen 1929 und 1935 in Linz errichtet haben, der zweite herausragende, international bedeutsame Industriebau der frühen Moderne in Österreich.

Für die brautechnische Konzeption und Ausstattung des Adambräu-Sudhauses war der Brauerei-Ingenieur Theodor Ganzenmüller (1864-1937) aus Freising (Bayern) verantwortlich. Wie aus einem erhaltenen Plan der Sudhaus-Ausstattung hervorgeht, war zunächst an eine konventionelle Ziegelarchitektur gedacht. Welzenbacher verwarf diese Planung und setzte ihr eine homogene, weiß verputzte Fassade entgegen. Dass das Sudhaus mit neun Geschoßen wie ein kleiner Wolkenkratzer - damals "Turmhaus" genannt - wirkt, war in erster Linie funktional bedingt. Die vertikale Organisation des Bauverfahrens von oben (Frischwasserspeicher im 7. Obergeschoß) nach unten (Sudkessel im 1. Obergeschoß) war damals durchaus üblich, neu hingegen war die ästhetische Gestaltung der Hülle für die aufwändige Brautechnik. Auch die mit Ziegelmauern ausgefachte Stahlbetonrahmen-Konstruktion entsprach einer zeitgemäßen Bauweise. Welzenbachers Bau besticht durch die feinen Proportionen und die herausragende Qualität der Ausarbeitung aller Details. Der internationalen Avantgarde jedoch sind die Fassadengestaltung und die verschiedenen Formelemente verpflichtet. Vorallem die sogenannten Dampfermotive verleihen dem Bau eine gerade zu modische Attitüde: Brüstungen wie Relings, Flachdächer wie DecksKamine wie Schornsteine von Ozeanriesen, zuoberst ein Fahnenmast mit wehender Flagge.

Ebenso kühn fiel die Gestaltung des Kühlschiffs aus, das mit seinen nur fünf Geschoßen wie ein kleiner Bruder westlich versetzt hinter dem Sudhaus errichtet wurde. Hierher wurde die sudheiße Würze aus den Sudkessel unterirdisch in die 11 x 9 Meter große Blechwanne unter dem charakteristischen Dach gepumpt. Zwischen Lamellen konnte Frischluft hindurchströmen und so die Würze abkühlen. Die auffällige Dachhaube mit zentraler Lüftungslaterne und ihrem gekrümmten Abzugs-Bügel formte so das unverwechselbare Erscheinungsbild dieses Gebäudes. Zur Erbauungszeit mussten Sudhaus und Kühlschiff wie das futuristische Versprechen einer neuen Zeit wirken.

Alle anderen Gebäude der Brauerei standen architektonisch und gestalterisch im Gegensatz zu den beiden Neubauten Welzenbachers. Mit ihrem Standort in Wilten, einem gründerzeitlichen Stadtquartier mit gemischter Bebauung für Handel, Gewerbe und Wohnen in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und den Gleisanlagen der Brenner-Eisenbahn, besaß die Brauerei eine ideale infrastrukturelle Anbindung. Nach Kriegszerstörungen, Wiederaufbau und dem letztendlichen Abbruch eines Großteils der BRauereigebäude hat sich die städtebauliche Umgebung zwischen Südbahnstraße und Adamgasse gravierend gewandelt. Weitere Veränderungen, Abbrüche und Neubauten sind bereits angekündigt.

Quelle: Archiv im Adambräu - Die Architektursammlung im Welzenbacher-Bau, S.7-8)

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