TWF Projekt: Dunkle Jahrhunderte. Das Municipuim Claudium Aguntum in der Spätantike (TWF 193848)

 

2015–2016

Projektleitung: Mag. Veronika Sossau

 

Die spätantiken Siedlungsreste  Aguntums wurden bislang noch keiner umfassenden systematischen Untersuchung unterzogen. So offenbaren sich derzeit deutliche Wissensdefizite im Hinblick auf die Frage, wie sich das Municipium in seiner Spätzeit während des 5. und 6. Jhs. n. Chr.  entwickelte, wann die Stadt tatsächlich größtenteils aufgegeben wurde, wie sich die Lebensrealität der Bewohner und ihrer Vernetzung zum Umland gestaltete und wie dies unter Betrachtung eines größeren regionalen Umfeldes historisch zu bewerten ist.

Diese Defizite sind zum Teil dem Umstand verschuldet, dass das keramische Material ab dem späten 4. Jh. n. Chr. kaum noch gut datierbare Importe enthält, was eine chronologische Einordnung baulicher Strukturen erschwert. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass das Wegbrechen der Importware in der materiellen Kultur nicht unbedingt mit einem Bruch in der Siedlungskontinuität zu erklären ist (so sind etwa Münzprägungen bis in die Mitte des 5. Jhs. vorhanden), sondern mit einer Forschungslücke zusammenhängt bzw. aus den einfachen Fundkontexten heraus zu erklären ist.

Das vorliegende, vom Tiroler Wissenschaftsfonds geförderte Projekt erzielt die systematische Aufnahme aller bislang bekannten spätantiken Kontexte. Diese lassen sich häufig durch einfache Modifikationen und Nachnutzungen von Elementen noch bestehender Bausubstanz und den Einbau von Y-förmigen Schlauchheizungen charakterisieren[1]. Dabei werden sowohl über Archivmaterial aus den Altgrabungen erschließbare Befunde wie auch Kontexte aus den laufenden Grabungen berücksichtigt. Aus der vergleichenden Auswertung der Befunde werden Rückschlüsse auf Nutzungszeit und Funktion dieser Strukturen und damit ein Einblick in die  Lebensrealität der Bewohner der Stadt im 5. bzw. 6. Jh. n. Chr. erwartet.

Einen wichtigen Bestandteil wird dabei eine kontextuelle Auswertung von Keramik und Kleinfunden bilden. Dabei gilt zu klären, ob sich spezifische Formen als charakteristisch für das 5. und 6. Jh. festlegen lassen oder ob etwa eine weitere Produktion des Formenrepertoire des 4. Jhs. eventuell in Betracht zu ziehen ist.

 

Partner:

Ass.-Prof. Dr. Michael Tschurtschenthaler (Grabungsleiter von Aguntum), Institut für Archäologien der Universität Innsbruck

Mag. Martin Auer (Universitätsassistent für den Forschungsbereich Aguntum), Institut für Archäologien der Universität Innsbruck

Mag. Otto Defranceschi (Münzkatalog), Institut für Archäologien der Universität Innsbruck

Archiv des Österreichischen Archäologischen Instituts, Wien



[1] Vgl. dazu bes. V. Sossau, Fundmaterial aus dem Stadtzentrum Aguntums: Eine spätantike Nachnutzung der Ruinen der Porticus, in: Christoph Baur – Institut für Archäologien (Hrsg.), Ausgraben – Dokumentieren – Präsentieren. Jahresbericht des Instituts für Archäologien 2013, 38–39.