Forschungsprojekt „Römisches Fundmaterial der Altgrabungen Bregenz Böckleareal“

Projektleiterin: MMag. Julia Kopf

Projektmitarbeiterin: Dr. Verena Hasenbach


Finanziert vom Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF), dem Land Vorarlberg und dem Vorarlberg Museum


twf_projekt_kopf_abb.1

Abb. 1: Plan der von S. Jenny am Ende des 19. Jh. freigelegten Steingebäude auf dem Böckleareal

Seit Dezember 2011 läuft das an der Universität Innsbruck angesiedelte dreijährige FWF-Forschungsprojekt „Vom Militärlager zur Zivilsiedlung – Die Genese der westlichen Peripherie von Brigantium“ (Projektleiter: Assoz.-Prof. Mag. Dr. Gerald Grabherr), welches die wissenschaftliche Bearbeitung einer archäologischen Untersuchung der Jahre 2009/2010 im Bereich der römerzeitlichen Siedlung Brigantium (Bregenz) zum Inhalt hat. Das betreffende Grabungsareal – fortan Böckleareal genannt – war archäologisch jedoch nicht unberührt, sondern hatte bereits Ende des 19. Jh. sowie Mitte des 20. Jh. archäologische Interventionen erfahren. Ziel des Forschungsprojekts „Römisches Fundmaterial der Altgrabungen Bregenz Böckleareal“ ist die Aufarbeitung des Fundmaterials dieser Altgrabungen. Damit kann die Aussagekraft der Kleinfunde der neuen Ausgrabung vervollständigt und ein komplettes Bild der Siedlungsreste aus diesem Bereich des römerzeitlichen Brigantium gewonnen werden. Das Forschungsprojekt „Römisches Fundmaterial der Altgrabungen Bregenz Böckleareal“ ist demnach als Ergänzung des oben genannten FWF-Projekts zu verstehen.

Auf dem Gelände des späteren Unfallkrankenhauses Böckle wurden bereits in den Jahren 1880/1881 und 1894 von S. Jenny die Mauerzüge von drei nördlich der römischen Hauptstraße gelegenen Steingebäuden freigelegt (Abb. 1). Als bedeutende Funde dieser Ausgrabungen des späten 19. Jh. sind neben zahlreichen Bronzegegenständen (u.a. Zirkel, Beschläge, Schmuck- und Trachtbestandteile, Toilettegegenstände, Gefäßfragmente) ein Fragment einer Sonnenuhr aus Sandstein, Marmorfragmente der Architekturausstattung und eine kleine Terrakotta-Statuette einer Venus anzuführen (Abb. 2). Beim Bau des Böckle-Krankenhauses 1948–1951 erfolgten baubegleitende archäologische Untersuchungen unter der Leitung von E. Vonbank, bei denen die Bergung von Fundstücken im Vordergrund stand. Unter den zahlreichen Funden befinden sich laut E. Vonbank u.a. Sigillata-Fragmente des 1.–3. Jh. n. Chr., Münzen des 1.–2. Jh. und eine Plastik eines Panthers „mit Wappenschild und Medusenhaupt“.

Bei den neuen Ausgrabungen fiel auf, dass Fundmaterial des fortgeschrittenen 2. Jh. n. Chr. nur mehr schwach vertreten ist. Eigentlich müsste die mittlere Kaiserzeit im Fundmaterial jedoch gut fassbar sein, stellt diese doch der gängigen Forschungstradition nach die vermeintliche Blütezeit des römerzeitlichen Brigantium dar. Die im Rahmen des FWF-Forschungsprojekts auszuwertenden Grabungsbefunde und –funde  werden die Frage nach dem Ende der Besiedlung auf den untersuchten Parzellen nur teilweise klären können. Entscheidend hierfür wird der Vergleich des neu geborgenen Fundmaterials mit dem Materialspektrum der früheren Grabungen auf dem Böckleareal (Grabungen Jenny und Vonbank) sein. Nur dadurch wird zu klären sein, ob das fehlende spätmittelkaiserzeitliche Fundmaterial aus rezenten Störungen der Geländeoberfläche resultiert oder als Zeugnis eines Besiedlungsabbruchs auf dieser römischen Parzelle in der mittleren Kaiserzeit gewertet werden kann. Letzterer Aspekt ist besonders im Hinblick auf die Forschungen der Projektleiterin zu Brigantium im 3. Jh. interessant, welche einen deutlichen Rückgang im Gesamtfundmaterial aus Brigantium ab der 2. Hälfte des 2. Jh. aufzeigten.

twf-projekt_kopf_abb.2  Abb. 2: Fragment einer Sandstein-Sonnenuhr und Venus-Statuette, gefunden bei den Grabungen von S. Jenny


Literatur:

J. Kopf, Zur Siedlungsentwicklung Brigantiums in der späten mittleren Kaiserzeit. Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins 2011, 76−113.

J. Kopf, Im Westen viel Neues… Aktuelle Grabungen und Forschungen zum römerzeitlichen Bregenz. In: Akten des 14. Österreichischen Archäologentages, Graz 19.–21. April 2012 (in Druck) 185–198.

S. Jenny, Bauliche Überreste von Brigantium. Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins 1882, 12–20.

S. Jenny, Bauliche Überreste von Brigantium. Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins 1896, 16–25.

E. Vonbank, Quellen zur Ur- und Frühgeschichte Vorarlbergs (1. Fortsetzung), Montfort 7, 1, 1955, 114–160.

E. Vonbank, Zur Forschungsgeschichte Brigantiums 1946-1986 (Gedanken eines Archäologen und Museumsmannes). Jahresbericht des Bundesgymnasiums Bregenz-Gallusstraße 1988/89, 3–18.