Forschungen auf dem Burgbichl in Irschen

Forschungen auf dem Burgbichl in Irschen

Seit Sommer 2016 werden in einem Kooperationsprojekt zwischen der Universität Innsbruck (Institut für Archäologien/Fachbereich Archäologie der Römischen Provinzen) und der Österreichischen Wissenschaften (Institut für Kulturgeschichte der Antike) auf dem Burgbichl in der Gemeinde Irschen in Kärnten archäologische Untersuchungen durchgeführt.

Die Gemeinde Irschen liegt im oberen Drautal, die meisten Ortsteile befinden sich im Norden des Tales an den Abhängen der Kreuzeckgruppe. Der Burgbichl erhebt sich jedoch an der Südseite der Drau circa 170 m über dem Talboden (Abb. 1). Ein Zugang ist nur von Norden kommend möglich, die anderen Seiten sind sehr steil und schwer bezwingbar. Auf der Kuppe erstreckt sich ein trapezförmiges Areal von einem knappen Hektar, das als Siedlungsplatz zur Verfügung steht. Schon durch die Forschungen 2016 wurde es klar, dass es sich um eine Siedlung der Spätantike handelt.

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Abb. 1: Burgbichl in Irschen

Das Tor und die Umfassungsmauer

Im Norden verläuft von Westen nach Osten eine Umfassungsmauer, die nahezu auf der gesamten Länge im Gelände nachzuvollziehen ist. Diese Mauer weist eine Breite von ca. 1,5 m und wurde aus unterschiedlich großen Bruchsteinen, die teilweise behauen sind, errichtet (Abb. 2). Sie ist bis zu einer Höhe von 1,5 m erhalten und sie sitzt auf einem Schotterpaket.  

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Abb. 2: Umfassungsmauer

Östlich dieses aufgedeckten Abschnitts der Umfassungsmauer wird auf Grund des Weges, der an dieser Stelle das Siedlungsplateau erreicht, das Tor vermutet. Hier wurde ein von Nordwest nach Südost verlaufender Mauerzug aufgedeckt, der 1,70 m breit ist und aus unterschiedlich großen Bruchsteinen aus Tuff, Kalk und Schiefer gemauert wurde (Abb. 3). An der Nordostseite ist die Mauer in vier Lagen erhalten, wobei sie sich hier stark in Richtung Nordosten geneigt und überhängend zeigt.

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Abb. 3: Abschnitt des Tors über einer älteren Mauer

Unter dieser Mauer kamen auch ältere Befunde ans Tageslicht: nordöstlich davon ließ sich ein 10 cm dicker Estrichboden auf einer Fläche von circa 6 m2 nachweisen, der unter die Umfassungsmauer läuft. Im Süden endet der Boden vor einem Paket aus Lehm, das wiederum von einer Steinsetzung begrenzt wird. Zu dieser Phase gehört auch eine von Nordosten nach Südwesten ziehende Mauer, die im Südwesten mit einer Steinplatte endet.

 

Gebäude 1

In einer Fläche im Nordosten des Siedlungsareals – nicht weit entfernt vom Tor – wurden Abschnitte eines großen Gebäudes aufgedeckt (Abb. 4). Die von Westen nach Osten führende Mauer ließ sich auf der gesamten Länge der Fläche auf 9 m verfolgen. Sie ist bis zu einer Höhe von 80 cm erhalten und war zweischalig und gemörtelt. Teilweise in großen Flächen haftet noch der Verputz an den Bruchsteinen (Abb. 5). Vor allem an der Südseite ist eine 1,10 x 0,3 m große Fläche dieser Wandverkleidung dokumentiert. Im Osten der Mauer ist ein Durchgang von 90 cm Länge nachgewiesen. Die Schwelle wird beim momentanen Stand der Untersuchungen durch eine 30 cm hohe Steinlage gebildet, auf der ein Estrichboden liegt. In der Mitte der Schwelle befindet sich eine halbkreisförmige Vertiefung von 6 cm Durchmesser und 3 cm Tiefe, die von der Versperrung der einstigen Türe herrühren wird.

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Abb. 4: Gebäude 1

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Abb. 5: Verputzreste in Gebäude 1

 Im Westen setzen an die Mauer zwei nordsüd-führende Mauern an, von denen je nur ein kurzer Abschnitt freigelegt werden konnte, aber die ebenso anhaftenden Putz – teilweise in der gesamten Erhaltungshöhe – aufweisen.

Eine zweite Schwelle wurde im Westen der Fläche nachgewiesen: im Estrichpaket sind Abdrücke von einem vermutlich hölzernen Türsturz an der Südseite der Mauer erhalten. In diesem Boden, zeichnet sich ein kleiner Graben ab, der parallel zur langen Mauer verläuft und im rechten Winkel an der Schwelle ansetzt. Man möchte an dieser Stelle an eine Holzwand denken und in weiterer Folge an einen Korridor.

Bei den außerordentlich gut erhaltenen Mauern in dieser Fläche dürfte es sich um Teile eines vermutlich repräsentativen Gebäudes halten, wurden hier doch auch Teile einer Marmorsäule gefunden. Eine größere Ausdehnung der Anlage in alle Richtungen ist sehr wahrscheinlich, auch hangseitig nach Süden, sodass hier weitere Ausgrabungen geplant sind.

 

Zisterne

Weil es keine Quelle auf dem Burgbichl gibt, ist mit einer oder mehreren Zisternen zu rechnen, damit den Bewohnern ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Im Südwesten des Plateaus erstreckte sich eine auffällige Senke, deren Ursprung und möglicher Zusammenhang mit der Wasserversorgung es zu klären galten. (Abb. 6). Die Forschungen 2017 brachten zwei Mauern, die eine Ecke bilden, zu Tage. Die von Norden nach Süden führende ist zweischalig gebildet und zwischen 70 und 75 cm und die ostwest-verlaufende Mauer 60 cm stark. An beiden Mauerzügen haftet Ziegelsplittmörtel an, der schon in den Schichten darüber in zahlreichen Fragmenten geborgen wurde. Durch den wasserfesten Mörtel zeichnet sich der Befund als Zisterne aus. Oberhalb, in der SO-Ecke der Fläche ist eine Herdstelle aus Schiefer und Kalksteinplatten dokumentiert, die in eine Ascheschicht eingebettet ist.

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Abb. 6: Zisterne

Die Kirche

Das größte Untersuchungsareal befindet sich auf der höchsten Stelle des Burgbichls, wo sich ein Plateau von ca. 13 m mal 11 m erstreckt. Hier stand im 5./6. Jahrhundert eine Kirche, die von Westen nach Osten orientiert ist und die in der ersten Bauphase einen kreuzförmigen Grundriss mit einer Apsis im Osten aufweist. In einer zweiten Phase wurden Seitenräume im Norden und wohl auch im Süden angebaut.

Der Eingang befindet sich im Westen und gibt sich als Schwelle aus zwei Marmorblöcken zu erkennen (Abb. 7). Westlich davon wurden die Reste eines menschlichen Individuums geborgen, das von Süden nach Norden orientiert ist und somit in der Ausrichtung der Kirchenmauer bestattet wurde. In Analogie zu anderen frühchristlichen Kirchen im Alpenraum wurde der Tote in wenigen Metern Entfernung zur Kirche begraben. Es handelt sich um eine Bestattung in gestreckter Rückenlage, die durch den darüber liegenden Versturz stark gestört aufgefunden wurde.

ir-abb_07Abb. 7: Kirche: Marmorschwelle

Im Osten befindet sich der zentrale Bereich für die Kulthandlungen, das Presbyterium, das eine innere Weite von 5,5 m misst. Im Innenraum erstreckt sich knapp 0,60 m weit entfernt von der Außenmauer die freistehende Priesterbank (Abb. 8), die vor allem im Osten durch einen Windwurf zerstört ist. Sie ist in zwei Schalen gesetzt und gemörtelt und 0,55 m breit sowie maximal in zwei Steinlagen erhalten.

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Abb. 8: Kirche: Priesterbank und Reliquiengrube

Im Zentrum der kreisrunden Bank befindet sich die Reliquiengrube, die 130 x 80 m misst. Sie weist eine rechteckige Form mit rundem Abschluss im Osten auf und wurde durch mehrere Steine gemauert und vermörtelt.

Südlich der Apsis wurde ein gemauertes Grab aufgedeckt, das mit einer großen Schieferplatte abgedeckt war (Abb. 9). Es gehört zur Bauphase der Apsis, da die Apsismauer darüber gebaut wurde und kann somit als Stiftergrab angesprochen werden. Im Grab wurden 8 Individuen geborgen, die im Moment anthropologisch ausgewertet werden.

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Abb. 9: Kirche: Grab an der Apsismauer

Beim momentanen Stand der Untersuchungen lässt sich nun die Länge der Kirche mit knapp 14 m und die Breite mit circa 11 m festhalten. Besonders auffallend ist die Ausstattung der Kirche, für die an mehreren Stellen Marmor verwendet wurde: Die Eingangsschwelle besteht aus zwei Blöcken, in einem Seitenraum bildet ein Marmorblock, der in der ursprünglichen Verwendung als Statuenbasis gedient hatte, eine Stufe und im Presbyterium wurden zwei Fragmente von Marmorsäulen geborgen.

Die spätantike Siedlung auf dem Burgbichl in Irschen ist aus mehrerlei Hinsicht beachtenswert. Zum einen ist der Erhaltungszustand der Mauern mit Höhen bis zu 1,5 m sehr erfreulich. Die Erhaltung von Böden in den Gebäuden und der Wandverkleidung in nennenswert großen Flächen ist ebenso eindrucksvoll und finden kaum Vergleiche in Noricum. Die Ausstattung mit Marmor in der Kirche spricht für einen oder mehreren begüterten Bewohner der Siedlung. Viel Potenzial liegt auch im Umstand, dass keine späteren Bebauungen antike Befunde gestört hätten. So sind flächendeckend antike Befunde in der Siedlung, die circa 1 ha umfasst, zu erwarten. Die Wohnhäuser werden sich auf den Terrassen im Osten befunden haben wie es schon durch das Gebäude 1, das durch seine Größe jedenfalls auch auffällt, bekannt ist. Schlackenfunde und ein Werkplatz geben Hinweise auf handwerkliche Tätigkeiten in der Siedlung. Der Vergleich mit anderen norischen Höhensiedlungen und die Einordnung in den historischen Rahmen der Spätantike sind schließlich weitere Themen, die im Rahmen eines Forschungsprojektes, das in Kooperation mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike an der ÖAW unter dem Titel „Kontinuität und Wandel. Ländliche Siedlungsstrukturen an der oberen Drau von der Eisenzeit bis in die Spätantike“ durchgeführt wird, untersucht werden.

  

Kontakt:

gerald.grabherr@uibk.ac.at

barbara.kainrath@uibk.ac.at