Projekte und Forschung

Projektnummer:
337221
Laufzeit:
2021

Das Auxiliarkastell in Stein/St. Pantaleon-Erla 

Im Weiler Stein der Gemeinde St. Pantaleon-Erla im Mündungsgebiet der Enns in die Donau wird aufgrund von Zufallsfunden seit vielen Jahren ein römischer Garnisonsort vermutet. Eine Lokalisierung und Interpretation gelang erstmals 2017 durch eine gezielte Luftbilderkundung mittels Drohnenbefliegung. In den Luftbildern waren sowohl Teile des Auxiliarkastells in Form der steinernen Wehrmauer mit Eck- und Zwischentürmen als auch größere Bereiche des sogenannten Lagerdorfs (Kastellvicus) mit Straßen und Wohnbebauung erkennbar. 

Abb. 1: Luftbild mit Umzeichnung der archäologischen Befunde
Abb. 1: Luftbild mit Umzeichnung der archäologischen Befunde

Um die Bebauungsstruktur genauer erfassen zu können, werden im Rahmen des Projektes geophysikalische Prospektionen durchgeführt. Bisher wurde das Areal des Militärlagers und dessen Umfeld mittels Magnetik und Bodenradar (GPR) untersucht. Bei diesen Messungen sind die Lagermauer und der davor liegende doppelte Spitzgraben dokumentiert worden. Die Prospektion des westlich an das Kohortenkastell anschließenden Lagerdorfs ist Ziel der weiteren Forschungen. 

Abb. 2: Luftbild mit den Ergebnissen der Magnetik und des Bodenradars
Abb. 2: Luftbild mit den Ergebnissen der Magnetik und des Bodenradars

Im Zuge des Projektes werden die Prospektionsfunde aus vier Privatsammlungen wissenschaftlich dokumentiert und analysiert. Diese Sammlungen umfassen insgesamt über 2000 Kleinfunde. Darunter befinden sich Fragmente von sieben Militärdiplomen – Entlassungsurkunden römischer Hilfstruppensoldaten – welche somit die mit Abstand größte Anzahl von einer Fundstelle in der Provinz Noricum darstellt. 

Abb. 3: Militärdiplom
Abb. 3: Militärdiplom

Ebenfalls als größter entsprechender Fundkomplex von einem Kohortenstandort in der Provinz Noricum sind die über 500 Bronzeobjekte der militärischen Ausrüstung anzusprechen. Bemerkenswert sind weiters fast 200 römische Gewandspangen (Abb. 4) und annähernd 500 Münzen, die für die chronologische Einordnung des Fundplatzes von zentraler Bedeutung sind. Besonders die Münzkurve zeigt einen abrupten Abbruch im Jahr 180 n. Chr. an, der mit dem Abzug der militärischen Truppe und der Auflassung des Lagers und der zugehörigen Zivilsiedlung in Zusammenhang steht. Dies fällt mit dem Ende des 2. Markomannenkriegs und der Stationierung der 2. italischen Legion auf dem gegenüberliegenden Ennsufer in Lauriacum/Enns zusammen. Dieser gesicherte sogenannte terminus ante quem für das gesamte Fundensemble verleiht den Kleinfunden eine überregionale Relevanz. 

Abb. 4: Auswahl an römischen Fibeln
Abb. 4: Auswahl an römischen Fibeln

Die herausragende Bedeutung der Fundstelle für die Erforschung der Entwicklung der römischen militärischen Präsenz an der ripa Norica liegt in der einmaligen Kombination von zwei Aspekten. Erstens ist der Fundplatz eine der wenigen römischen Garnisonen, die heute nicht von aktuellen Ortschaften überbaut ist und zweitens ist es der einzige, der schon in der Antike im 2. Jh. n. Chr. aufgelassen wurde und nicht bis ans Ende der römischen Epoche weiterbesiedelt wurde. Dieser Umstand prädestiniert ihn wie keinen anderen für die Erforschung der Frühzeit der römischen Grenzsicherung, weil auch alle späteren Umbauphasen des 3. bis 5. Jhs., die an den anderen Garnisonen störend zu verzeichnen sind, hier fehlen.

Die Analyse dieses Fundplatzes erfolgt im Rahmen des Projektes „Circum Lauriacum“, das in Kooperation mit dem Verein ArchaeoPublica, dem Bundesdenkmalamt, der Oberösterreichischen Landes-Kultur GmbH, dem Geschichtlichen Museum der Stadt St. Valentin, der Abteilung Kunst und Kultur der NÖ Landesregierung, dem Forschungsunternehmen RA Research Archaeology, der Universität Salzburg sowie mehreren Heimatforschern durchgeführt wird.

 

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