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Ur- und Frühgeschichte in Forschung und Lehre an der Universität Innsbruck

Steinzeitkulturen (5 Mill. – 5.000 v. Chr.)

Bedingt durch den topographischen Standort der Universität Innsbruck nimmt die alpine Archäologie einen wichtigen Stellenwert ein. Die ältesten Kulturerscheinungen des Landes manifestieren sich im Gebirge. Die sensationelle Entdeckung des Mannes im Eis in den Ötztaler Alpen hat ein klares Forschungsziel vorgegeben. Die Untersuchungen dieser frühen Jäger- und Sammlerkulturen und der ersten bäuerlichen Gemeinschaften bilden einen Kernpunkt der Feldarbeiten des Instituts.

In der Lehre werden die Steinzeitkulturen globaler erfasst. Evolutionsgeschichte, Technokomplexe, keramische Formenkreise, kultische-religiöse Aspekte, Wirtschaftsgebarung, Kunst und Sozialwesen der urgeschichtlichen Gesellschaft bilden die Themen der Lehrveranstaltungen.

Bronzezeit (ca. 2200-800 v. Chr.)

Der Abbau der reichen Kupfervorkommen des alpinen Raumes führte zu einer starken Aufsiedlung der großen Talschaften in Tirol. Der weitreichende profitable Handel mit dem wertvollen Rohstoff bis nach Südskandinavien erschloss zudem Kontakte zu zahlreichen europäischen Kulturen. Schwerpunkte in der Feldforschung bilden daher die Spuren des Bergbaues und der Verhüttung von Erzen. Zudem werden Siedlungsstrukturen wie auch sakrale Orte dieser Periode untersucht.

In der Lehre wird eine Übersicht zu bronzezeitlichen Kulturen in Mitteleuropa, auf der Apenninhalbinsel wie auch am nördlichen Balkan sowie zur Archäometallurgie angeboten.

Eisenzeit (800-15 v. Chr.)

Bereits während der älteren Eisenzeit gerieten zahlreiche Ethnien (Gruppen) Europas zu Randkulturen der antiken Welt. Die Kontakte und die Wechselwirkungen zwischen Kulturen dieser Zeit bilden ohnehin eines der spannendsten Kapitel der Vorgeschichtsforschung, was z.B. auch an alpinen Heiligtümern aufgezeigt werden kann.

In Innsbruck besteht - geradezu einzigartig in der deutschsprachigen Universitätslandschaft - schon eine lange Tradition in der Erforschung italischer und mitteleuropäischer Kulturen, die Schwerpunkte in der Etruskologie, der mitteleuropäischen Eisenzeit sowie der regionalen rätischen Gruppe finden und in der Feldforschung wie auch in der Lehre gleichermaßen berücksichtigt werden.

Montanarchäologie

Das alpine Gebirge ist reich an mineralischen Rohstoffvorkommen. Seit Ende der letzten Eiszeit sucht, gewinnt und nutzt der Mensch diese Bodenschätze. Zu den Höhepunkten der alpinen Bergbau(vor)geschichte zählen die prähistorische Kupfer- und Salzgewinnung sowie der spätmittelalterlich/frühneuzeitliche Silberbergbau. Die Montanarchäologie erforscht epochenübergreifend die technik-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklungen im Umfeld des Berg- und Hüttenwesens. Hierzu gehören die Rekonstruktion von technischen Produktionsabläufen und Infrastruktur in Bergbaurevieren, von Lebens- und Arbeitsbedingungen früher Bergleute-Gesellschaften sowie von Vertriebssystemen für die Produkte.  Auch die Auswirkungen des Bergbaus auf die frühere und heutige Umwelt finden Berücksichtigung. Eine systematische Einbindung montanarchäologischer Grundlagen in das Lehrangebot befindet sich derzeit im Aufbau.

 FZ HiMAT

 
Materialkunde und Archäometrie

Die Kenntnis über Rohmaterialien und Werkstoffe bildet eine wesentliche Grundlage für die Beschreibung und Interpretation der Sachkultur in der Archäologie. Dieses Wissen wird im Bachelorstudiengang im Rahmen des Moduls „Materialkunde und Restaurierung“ vermittelt. Unter dem Begriff „Archäometrie“ wird in Forschung und Lehre die enge Kooperation mit natur- und ingenieurswissenschaftlichen Disziplinen zusammengefasst, die für die moderne Archäologie unverzichtbar geworden ist. Die Ergebnisse archäometrischer Untersuchungen erweitern die Aussagemöglichkeiten archäologischer Befunde und tragen so maßgeblich zum besseren Verständnis der Kulturgeschichte bei. Eine systematische Einbindung archäometrischer Grundlagen in das Lehrangebot befindet sich derzeit im Aufbau.

Experimentelle Archäologie

Zur Klärung vieler praktischer Fragen, die sich bei der Auswertung archäologischer Feldbefunde stellen, liefern Experimente ein geeignetes Werkzeug. Mit Hilfe der experimentellen Archäologie und unter Einbeziehung ethnographischer und ethnoarchäologischer Vergleiche lassen sich Modelle zu Handlungsabläufen, z.B. im Bereich von Produktion und Handwerk, entwickeln und im Praxistest auf ihre Anwendbarkeit überprüfen. Derzeit werden Lehrveranstaltungen mit experimentellen Inhalten z.B. im Rahmen des Pflichtmoduls „Materialkunde und Restaurierung“ sowie sporadisch im Rahmen von Praktika angeboten. Für interessierte Studierende gibt es ein wechselndes Angebot an praktischen Aktivitäten, die im Rahmen von Arbeitsgruppen und außerhalb des Lehrplans durchgeführt werden.

  EXREA


Gert Goldenberg, Walter LeitnerGerhard Tomedi