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FB Aguntum, Institut für Archäologien

Stadttor Aguntum

Ausgehend von der archäologischen Tätigkeit im Municipium Claudium Aguntum versteht sich der Forschungsbereich Aguntum als Bindeglied zwischen Klassischer (Römischer) Archäologie und der Provinzialrömischen Archäologie. Sowohl geographisch als auch bedingt durch die materielle Hinterlassenschaft nimmt das Municipium Claudium Aguntum eine Position zwischen Italien und den Nordwestprovinzen ein. Die Schwerpunkte in der Forschung liegen auf der archäologischen Feldforschung und den Material Culture Studies, wobei die menschliche Hinterlassenschaft  unter Miteinbeziehung naturwissenschaftlicher und kulturanthropologischer Methoden analysiert wird.

Die Beteiligung des FB Aguntum an der Lehre des Instituts für Archäologien orientiert sich an dessen Forschungsthemen. Es werden vorwiegend praxisorientierte Lehreprojekte in Zusammenhang mit Befund- und Fundanalyse durchgeführt, wobei auch auf aktuelle Methoden- und Theoriediskussionen Bezug genommen wird.

Forschung

Archäologische Feldforschung

Die jährlichen Grabungskampagnen in Aguntum werden vom Institut für Archäologien seit 1991 in enger Zusammenarbeit mit dem Curatorium Pro Agunto durchgeführt. Daneben spielt auch die eisenzeitliche und spätantike Siedlung von Lavant eine wichtige Rolle, wo projektgebundene Arbeiten durchgeführt werden und wurden.

Projekte   

Ausgrabungen in Aguntum
Anfänge

„..hoffentlich ist es nun vorüber mit dem wüsten durchwühlen des Bodens und dem wiederzuwerfen des einmal bloßgelegten, vorüber mit dem verschleppen der Funde in alle Welt! Planmäßige Forschung muß an die Stelle von Raubbau durch plumpe Hände, muß an die Stelle gelegentlicher Aufdeckung von Gräbern und Gebäuderesten treten. Wenn auch nicht, wie der Bauer glaubt, Gold gemünzt oder ungemünzt dort verborgen liegt, so ruhn im Boden doch andre Schätze, und wertvollere als das blinkende Metall.“ Mit dieser von Adolf Mayer aus Berlin und Augustin Unterforcher aus Amlach bei Lienz 1908 im Buch „Die Römerstadt Agunt bei Lienz in Tirol. Eine Vorarbeit zu ihrer Ausgrabung“ (Berlin, 1908, 1) angeregten wissenschaftlichen Freilegung dieser Schätze wurde in Aguntum in den Jahren 1912/13 begonnen.

Stadtplan
Übersichtsplan zu den römischen Bauten in Aguntum

Die ältesten neuzeitlichen Erwähnungen der Ruinen Aguntums, in denen man damals fälschlicherweise die Reste von Loncium sah, reichen bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Nachrichten von ersten Funden von Gräbern gehören ebenfalls noch ins 16. Jh. In den folgenden Jahrhunderten wird des Öfteren von Schürfungen und Schatzsuchaktionen durch Bauern, interessierte Laien und Gelehrte im Bereich Aguntums berichtet. Aber erst die Grabungen des Franziskanerpaters und Lehrers Innozenz Ploner und insbesondere des Archäologen Rudolf Egger 1912/13 haben die wissenschaftlichen Kriterien moderner Ausgrabungen zumindest soweit erfüllt, dass in ihnen der Beginn der modernen feldarchäologischen Erforschung Aguntums gesehen wird.
bis 1990

Innozenz Ploner versuchte 1912/13 durch punktuelle Untersuchungen einen Überblick über die Ausdehnung Aguntums zu erhalten. Dabei legte er unter Anderem Teile der Stadtmauer samt Stadttor und vermutlich der großen öffentlichen Thermenanlage frei (P. I. Ploner, Agunt, die alte Kelten- und Römerstadt bei Lienz in Tirol, und Prof. Ploners Ausgrabungen daselbst [1912]). Ebenfalls 1912, wohl angeregt durch die Erfolge des Laienforschers Ploner, begann das Österreichische Archäologische Institut Wien (ÖAI Wien) unter Rudolf Egger seine Ausgrabungsaktivitäten in Osttirol (R. Egger, Ausgrabungen in Noricum 1912/13. ÖJh 17, 1914, Beibl. 5-16; R. Egger, Frühchristliche Kirchenbauten im südlichen Norikum [1916]). In der Nähe im 19. Jh. entdeckter Gräber ergrub er teilweise die einzige bisher in Aguntum bekannte frühchristliche Kirche (heute zugeschüttet). Der erste Weltkrieg und die darauf folgende Wirtschaftskrise unterbrachen diese Arbeiten. Im Zuge der Neutrassierung der Bundesstraße B 100 setzte Erich Swoboda auf Initiative des Lienzer Museumsvereins (F. Müller, Der „Museumsverein für Lienz und Umgebung“ und die Gründung des ersten „Museums Agunt“, in: F. Müller, Graben, Entdecken, Sammeln. Laienforscher in der Geschichte der Archäologie Österreichs [Münster/Hamburg/Berlin/Wien/London/Zürich 2016],  217 - 257) die Ausgrabungen des ÖAI Wien in Aguntum in den Jahren 1931 bis 1935 fort (E. Swoboda, Aguntum. Ausgrabungen bei Lienz in Osttirol. 1931-33, ÖJh 29, 1935, suppl., 5-102. Die Grabungen der Jahre 1934 und 1935 sind bis auf einen Überblicksplan unpubliziert geblieben). Er erforschte die Stadtmauer samt Stadttor im Osten auf einer Länge von etwa 170 m, mehrere Wohnhäuser und einen frühchristlichen Grabbau etwa 110 m östlich des Stadttores. In der sich später als falsch herausgestellten Meinung, die Stadt habe östlich der ergrabenen Stadtmauer gelegen, ließ er einige der freigelegten Häuser, das Stadttor und Teile der Stadtmauer renovieren und das Gelände als erstes Freilichtmuseum Aguntum gestalten. Nahe der Straßenbrücke über den Debantbach wurden neben einem hierher verlegten frühchristlichen Grabbau auch erste Vitrinen mit Funden aus Aguntum eingerichtet (1994 abgetragen).

In der Folge verzögerte der 2. Weltkrieg die Fortsetzung der archäologischen Tätigkeiten in Aguntum. 1947 wurden Restaurierungsarbeiten durchgeführt, 1950 wurden auch die Ausgrabungen vom ÖAI Wien wieder aufgenommen. Unter der Leitung von Franz Miltner wurden bis 1955 die Stadtmauer und Bauten beiderseits davon ergraben. Auch erste Teile des damals noch nicht als Atriumhaus erkannten Gebäudes wurden freigelegt (F. Miltner, Aguntum. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen 1950 -1952, ÖJh 40, 1953, suppl. 93-156; F. Miltner, Aguntum. Vorläufiger Bericht über die Grabungen in den Jahren 1953 und 1954, ÖJh 42, 1955, suppl. 71-96). 1953/54 wurde nördlich der Bundesstraße B 100 ein erstes Museum samt angeschlossener Restaurierungswerkstatt errichtet (sog. „Altes Grabungshaus“, heute abgerissen).

Von 1956 bis 1990 leitete Wilhelm Alzinger im Auftrag des ÖAI Wien die Grabungen. Unter seiner Führung wurden das Atriumhaus nördlich und südlich des Straßendamms der B 100, Teile des so genannten Decumanus Maximus, die Wohnbebauung nördlich davon (z.B. Teile von „Haus I“) und das „Handwerkerviertel“ teilweise untersucht. Auch die große öffentliche Thermenanlage wurde freigelegt. Der Archäologiepark wurde vergrößert und über dem Impluvium des Atriums ein rekonstruierender Schutzbau im Maßstab 1:1 errichtet, der ein Erleben der dritten Dimension des antiken Gebäudes ermöglichte. Der Schutzbau beherbergte zudem lange Zeit das „Museum Aguntinum“.

Schutzbau1
Schutzbau im Bereich des Atriumhauses

Ausführliche Berichte existieren vorwiegend zu den Grabungen der 50-er Jahre des 20. Jhs. (W. Alzinger, Aguntum. Vorläufiger Bericht über die Grabungen in den Jahren 1955 bis 1957, ÖJh 44, 1959, suppl. 75-140). Zu den deutlich kürzeren Grabungsberichten der Folgejahre siehe das Literaturverzeichnis in W. Alzinger, Aguntum und Lavant. Führer durch die römerzeitlichen Ruinen Osttirols5 (1994), 126-128.

seit 1991

1991 wurde durch einen Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Land Tirol das Institut für Klassische und Provinzialrömische Archäologie der Universität Innsbruck (heute: Institut für Archäologien) unter der Leitung von Elisabeth Walde mit der Fortführung der Forschungen in Aguntum betraut. Gleichzeitig wurde die lokale Grabungsleitung an Michael Tschurtschenthaler übertragen, der seit der Emeritierung Waldes 2008 als Wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabungen in Aguntum fungiert. Gemeinsam mit dem 1994 in einen Verein umgestalteten Curatorium pro Agunto (Obmann Dr. Leo Gomig) wurde in den letzten beiden Jahrzehnten versucht, die in der Spätzeit Alzingers durch seine schwere Erkrankung weitgehend zum Erliegen gekommene Grabungstätigkeit in Aguntum neu zu beleben und beträchtlich auszuweiten. Die Schwerpunktsetzung der Ausgrabungstätigkeit der Universität Innsbruck wurde von mehreren, teilweise auch externen Faktoren bestimmt. In den Anfangsjahren 1991 bis 1993 wurde versucht, von Alzinger angegrabene Bauwerke („Haus I“, „Prunkbau“) weiter freizulegen (M. Tschurtschenthaler, Feldarchäologische Forschungen in Aguntum seit 1991. Osttiroler Heimatblätter 62, 5 [1994]; W. Klimesch, Haus I. Funde aus einem Aguntiner Wohngebäude [ungedr. Dipl. Innsbruck 1995]). 

Diese Bestrebungen fanden durch den Neubau der Bundesstraße B 100 mitten durch Aguntum und die dadurch erforderlichen Notgrabungen 1994/95 ihr (vorläufiges) Ende. Von den Bauarbeiten waren Teile der Stadtmauer, zwei Häuser östlich davon und insbesondere der zentrale Bereich des Atriumhauses betroffen. Die Entdeckung eines Zierbeckens aus Marmor 1994 bewirkte die Errichtung einer Brücke über den bis damals für Archäologen unzugänglichen Teil des Atriumhauses und dessen fast vollständige Freilegung zwischen 1996 und 2005. Ende des letzten Jahrtausends gelang es dem Verein „Curatorium pro Agunto“, den inmitten des Archäologieparks gelegenen so genannten „Tschappelergrund“ käuflich zu erwerben, auf dem seit langem das Stadtzentrum von Aguntum vermutet wurde. Seit 2006 konzentrieren sich die Ausgrabungen auf diesen Bereich. In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das Macellum, ein rundes Marktgebäude, freigelegt und seit 2010 wird das Forum, die zentrale Platzanlage Aguntums, feldarchäologisch untersucht.

Atriumhaus_Becken
Marmorbecken im Peristylbereich des Atriumhauses

Die archäologischen Ausgrabungen und Forschungen seit 1991 hatten sowohl Wohnbauten als auch öffentliche Bauwerke zum Inhalt. Einfache Häuser („Haus I“, Häuser unmittelbar östlich der Stadtmauer) wurden ebenso untersucht wie das Atriumhaus, der „Palast“ des wohl reichsten Bürgers Aguntums mit einer bebauten Fläche von über 6000 m². Besonderes Augenmerk wurde auf die öffentlichen Bauten im Zentrum der antiken Stadt gelegt (Stadtmauer, Decumanus Maximus, Decumanus I Sinister, „Prunkbau“, Macellum, Forum).

Aktuelle feldarchäologische Forschungen in Aguntum
Panorama_aktuelle_Arbeiten

Der derzeitige Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Freilegung des Forums von Aguntum, wobei auch die Grabungen im sogenannten „Prunkbau“ (Verwaltungsgebäude) wieder aufgenommen wurde. Der als Forum bezeichnete, um einen nahezu quadratischen Platz organisierte Bau ist nach derzeitigem Stand als Händlerforum anzusprechen. Das Gebäude diente zur Abhaltung von Märkten, dürfte aber auch einen Teil der Stadtverwaltung beherbergt haben. Der im Westen an das Forum anschließende „Prunkbau“ – so genannt aufgrund der reichen Marmorausstattung – wurde bereits unter der Leitung von W. Alzinger zum Teil freigelegt. Die ursprünglich geplante Fortsetzung der Arbeiten an dieser Stelle durch das Institut für Archäologien wurde durch die Neuplanung der B100 und die damit verbundenen Grabungen im Atriumhaus unterbrochen. Erst mit der Rückkehr der Grabungstätigkeit in das Stadtzentrum konnte der Prunkbau wieder in die Forschungsaktivitäten aufgenommen werden. Nach derzeitigem Stand handelt es sich hierbei um Gebäude der Stadtverwaltung. Inwieweit diese bereits gleichzeitig mit dem (Händler-)Forum errichtet worden sind, oder erst einige Zeit später entstanden sind, wird sich in den kommenden Grabungen klären lassen. Diese betreffen neben dem zentralen Forumsplatz vor allem die Nordwest-Ecke des Forums, das in irgendeiner Weise mit dem Prunkbau in Verbindung stehen wird und so eine Klärung der relativchronologischen Bauabfolge ermöglicht.

Ausgrabungen an der Bischofskirche von Lavant

Im Jahr 2017 wurden die Arbeiten an der Bischofskirche von Lavant im Zuge eines vom BDA initiierten Restaurierungsprojektes wieder aufgenommen. Die Kirche wurde von F. Miltner in den 1950er Jahren erstmals freigelegt. Verschiedene Nachuntersuchungen fanden – jeweils in Verbindung mit Konservierungsmaßnahmen – in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren statt. Der noch erhaltene Befund wird mittels moderner Grabungs- und Dokumentationstechnik in enger Kooperation mit der Bauforschung analysiert. Ziel ist es Forschungsfragen hinsichtlich der Bauabfolge zu klären und die erhaltenen Baustrukturen nach einer Generalsanierung wieder der öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen.

Lavant_Ansichtskarter

Formationsprozesse  

Eine wichtige Rolle spielen in Bezug auf den archäologischen Befund natürliche und anthropogene Formationsprozesse, die mittels feinstratigraphischer Grabungsmethoden untersucht werden.

Projekte 

Archäozoologische Untersuchungen zu Verlustfunden aus dem Atriumhaus von Aguntum

Im Zuge der Auswertung der Befunde im Atriumhaus von Aguntum (FWF P20846-G02) konnte beobachtet werden, dass im Gartenbereich des Gebäudes sehr stark fragmentierte, aber im sonstigen Fundmaterial aus dem Gebäude nicht vorkommende Fundgattungen geborgen werden konnten. Diese als Verlustfunde interpretierten Gegenstände erlauben demnach einen diachronen Einblick in die materielle Kultur der Bewohner des Atriumhauses, während die Funderhaltung im Haus selbst sehr stark von Umbaumaßnahmen und Auffüllschichten abhängig sind. So finden sich etwa im Atriumhaus kaum Materialien aus dem 3. Jh. n. Chr., was damit zu erklären sein dürfte, dass in dieser Zeit keine wesentlichen baulichen Veränderungen vorgenommen wurden und sich somit kein Abfall ansammeln konnte. Aufgrund dieser Prämisse wurde auch das Tierknochenmaterial aus dem Nutzgarten durch Dr. Sabine Deschler-Erb (IPNA Basel) auf Besonderheiten in seiner Zusammensetzung untersucht. Generell zeigte sich eine weitgehende Übereinstimmung mit dem in anderen Abfallschichten geborgenen tierischen Überresten. Auffallend war das Vorhandensein von Steinböcken, Bären und Feldhasen, die im sonstigen Fundmaterial aus dem Atriumhaus eher selten sind. Es zeigte sich jedoch auch, dass kaum größere Knochenverbände im Garten entsorgt wurden, dieser also weitgehend rein gehalten wurde. Wie auch das sonstige Fundmaterial aus dem Gartenbereich waren die Tierknochen stark fragmentiert. Ein besonders interessantes Detail ist die Feststellung eines fötalen Rindes, was auf Rinderzucht im Gartenbereich hinweist.

Grabungen im Stadtzentrum 

Die Formationsprozesse des Befundes am Forum und im Bereich des Macellums wurden besonders detailliert analysiert.
Zum Teil sind die Ergebnisse auf die gesamte Stadt anwendbar. So zeigte sich beim Abtragen der nachantiken Überschwemmungsschichten, die eine maximale Stärke von drei Metern über den antiken Ruinen erreichen, dass diese Überschüttung Aguntums durch verschiedene Hochwasserereignisse herbeigeführt wurde. Anders als früher vermutet, sind nicht gravitative Massenbewegungen („Muren“) alleinverantwortlich für die Überschüttung der Stadt. Im Schichtaufbau beim Stadtzentrum hat sich gezeigt, dass zum Einen unterschiedliche Bachläufe vorhanden sind, die zum Teil sämtliche antiken Schichten durchschneiden und zum Anderen aufeinanderfolgende massive Sand- und Schotterschichten von mehreren Überschwemmungsereignissen zeugen. Die natürliche Formation des Geländes zeigt also eine nachantike „Auenlandschaft“ an, die durch unterschiedlich tief einschneidende, ständig wechselnde Bachläufe und periodische Überschwemmungen gekennzeichnet ist. Letztere sind teilweise auch so heftig, dass regelrechte Murenabgänge zu schweren Zerstörungen am antiken Befund geführt haben. Dies betrifft beim derzeitigen Stand der Forschung vor allem den weiter östlich gelegenen Teil der Stadt im Bereich der Stadtmauer nördlich des Decumanus Maximus und die Vorstadt.

Zerstörungsschichten_Macellum
Durch Bachläufe verursachte Einschnitte im Bereich des Macellums

Neben diesen natürlichen Formationsprozessen wurden insbesondere die anthropogenen Deponierungsprozesse am Forum analysiert. Schon bei der Errichtung des Gebäudes war eine umfangreiche Geländevorbereitung nötig, die zu einer Terrassierung des Baugrundes führte. Die Nutzung des Gebäudes in seiner Hauptphase ist über die Fundmaterialien in den Räumen selbst nur schwer zu greifen, da diese zum Zeitpunkt des Brandes im Gebäude (Mitte 3. Jh. n. Chr.) zum größten Teil leer standen. Allerdings ermöglicht der Forumsplatz über die hier verstreut liegenden und in den schottrig-humosen Untergrund eingetretenen Verlustfunde gewisse Rückschlüsse auf die Nutzung des zentralen Platzes. Dieser kann – auch weil der Platz die größte Fläche des Gebäudes einnimmt – als nutzungsgeschichtliches Zentrum des Baus angesprochen werden. Über eine detaillierte Dokumentation der genauen Fundlage aller Klein- und Kleinstfunde ist eine Rekonstruktion der Nutzung des bislang erforschten östlichen Viertels des Platzes möglich. Im ersten und zweiten Jahrhundert sammelten sich neben Keramik- vor allem Bergkristallfragmente am Platz an. Diese deuten auf die Wichtigkeit des Bergkristallhandels in dieser Phase hin. Während des dritten und vor allem im vierten Jahrhundert zeigt sich hingegen eine Häufung von Bronze- und Kupfer-und in manchen Bereichen von verschlackten Glasfragmenten. Diese stehen in Zusammenhang mit Buntmetall- und Glasverarbeitung, die in den in der Spätantike an der Stelle des Forums eingerichteten Werkstätten ausgeübt wurde. Neben allgemeinen Hinweisen auf die Nutzungsgeschichte lassen sich anhand der Detaildokumentation am Forumsplatz auch die Begehungsrouten antiker Zeit ablesen. Diese deuten sich durch die Häufung von Schuhnägeln in gewissen Bereichen an. 

Grabung_Forumsplatz
Grabungsarbeiten am Forumsplatz

Verbunden mit der Aufgabe eines Großteils der Räumlichkeiten im Forumsbereich ist auch eine Planierung der Versturzlagen über den ehemaligen Raumstrukturen. Auf den künstlich abgeflachten Hügeln dürften wohl auch einfache (hölzerne?) Behausungen angelegt worden sein, allerdings haben sich davon keine Spuren erhalten. Innerhalb der massiven Steinlagen dieser Planierungen zeichneten sich keine Pfostenkonstruktionen oder Ähnliches ab, was aber nicht bedeuten muss, dass solche nie vorhanden waren.

Römische und spätantike Architektur

Ausgehend von der römischen Stadt Aguntum wird die Architektur im römischen Reich thematisiert. Dabei stehen Wohnbauten und öffentliche Gebäude gleichermaßen im Fokus.

Projekte 

Stadtmauer

Die ersten Untersuchungen an der Stadtmauer wurden unter E. Swoboda und F. Miltner durchgeführt (E. Swoboda, Aguntum. Ausgrabungen bei Lienz in Osttirol. 1931-33. ÖJh 29, 1935, 5-102; F. Miltner, Aguntum. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen 1950-1952, ÖJh.40, 1953, suppl. 93-156). Die Mauer wurde an der Ostseite der Stadt auf einer Gesamtlänge von ca. 350 Meter freigelegt, wobei mehrere Tore bzw. Durchlässe festgestellt wurden. Weder am nördlichen noch am südlichen Ende der Stadtmauer konnte ein Mauereck festgestellt werden, weshalb bis heute unklar ist, ob die gesamte Stadt von einer Mauer umgeben war. Ebenso umstritten blieb in der älteren Forschung die Datierung der Stadtmauer (V. Gassner, Zur Funktion und Datierung der Stadtmauer von Aguntum, Römisches Österreich 13/14, 1985-86, 77-100). Im Zuge der Innsbrucker Grabungen ergab sich an einigen Stellen die Möglichkeit dieser Frage nachzugehen.

So konnten östlich der Stadtmauer Teile zweier Gebäude freigelegt werden, wovon das Südliche in großen Teilen bereits von E. Swoboda erforscht wurde. Von Beginn an auffällig war die parallele Ausrichtung der Gebäude an der Stadtmauer, was insofern bemerkenswert ist, da die Bebauung westlich der Stadtmauer (Atriumhaus) eine abweichende Orientierung aufweist. Wegen der Ausrichtung der Gebäude an der Stadtmauer können diese erst nach derselben entstanden sein. Aufgrund des hier vorhandenen Fundmaterials liegt der Baubeginn der Gebäude östlich der Stadtmauer am Beginn des 2. Jh. n. Chr., womit auch die Stadtmauer zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden gewesen sein muss (M. Auer, Municipium Claudium Aguntum - Zur Datierungsfrage der Stadtmauer, ÖJh.77, 2008, 7-38). Im Zuge der Grabungen im Atriumhaus konnten Nachuntersuchungen direkt an der Stadtmauer durchgeführt werden. Hervorzuheben ist hier vor allem eine an die Stadtmauer angeschüttete Abfallschicht, die sehr viel Fundmaterial des ausgehenden 1. Jh. n. Chr. enthielt.

STadttor_Gebaeude

So konnten östlich der Stadtmauer Teile zweier Gebäude freigelegt werden, wovon das Südliche in großen Teilen bereits von E. Swoboda erforscht wurde. Von Beginn an auffällig war die parallele Ausrichtung der Gebäude an der Stadtmauer, was insofern bemerkenswert ist, da die Bebauung westlich der Stadtmauer (Atriumhaus) eine abweichende Orientierung aufweist. Wegen der Ausrichtung der Gebäude an der Stadtmauer können diese erst nach derselben entstanden sein. Aufgrund des hier vorhandenen Fundmaterials liegt der Baubeginn der Gebäude östlich der Stadtmauer am Beginn des 2. Jh. n. Chr., womit auch die Stadtmauer zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden gewesen sein muss (M. Auer, Municipium Claudium Aguntum - Zur Datierungsfrage der Stadtmauer, ÖJh.77, 2008, 7-38). Im Zuge der Grabungen im Atriumhaus konnten Nachuntersuchungen direkt an der Stadtmauer durchgeführt werden. Hervorzuheben ist hier vor allem eine an die Stadtmauer angeschüttete Abfallschicht, die sehr viel Fundmaterial des ausgehenden 1. Jh. n. Chr. enthielt.
Somit konnte in den Innsbrucker Grabungen die in der älteren Forschung geäußerte Vermutung, es handle sich bei der Aguntiner Stadtmauer um einen spätantiken Verteidigungsbau, eindeutig widerlegt werden. In der ersten Phase des Baus, die in eine Zeitspanne ab der Stadtrechtsverleihung unter Kaiser Claudius bis an die Wende des ersten zum 2. Jh. n. Chr. zu datieren ist, befand sich an der Stelle des heute sichtbaren mit zwei Türmen versehenen Stadttores lediglich ein einfacher, 3,5 Meter breiter Durchlass. Erst in einer zweiten Bauphase wurde das 9,5 Meter breite Tor errichtet. Einen Hinweis zur Datierung dieses Umbaus liefern wiederum die östlich der Stadtmauer liegenden Gebäude. Das späteste Fundmaterial aus diesen gehört ans Ende des 2. Jh. n. Chr., womit eine darüber hinausgehende Nutzung der Gebäude unwahrscheinlich ist. Es scheint in Hinblick auf den Platzbedarf der neu errichteten Toranlage einleuchtend, dass die beiden direkt östlich vor der Stadtmauer gelegenen Gebäude im Zuge des Umbaus aufgegeben wurden. Damit lässt sich für die Neugestaltung der Toranlage eine Datierung spätestens zu Beginn des 3. Jh. n. Chr. vorschlagen.
Mit dieser Baugeschichte verbunden ist die Frage nach dem bislang unerforschten Haupttor der Stadt. Da der südliche Stadtmauerabschnitt auf der gesamten Länge ostseitig durchlaufend untersucht wurde, kommt für die Lage des ursprünglichen Haupttores nur eine Position nördlich der heute sichtbaren Tortürme in Frage. Hier bietet sich vor allem der Kreuzungspunkt der Stadtmauer mit dem Decumanus I sinister an – allerdings blieben geophysikalische Untersuchungen an dieser Stelle bislang ohne eindeutiges Ergebnis (M. Auer / F. Bleibinhaus / M. Tschurtschenthaler / M. Unterwurzacher, Municipium Claudium Aguntum. Geophysikalische Prospektion auf geologisch schwierigem Terrain, ÖJh. 82, 2013 [2014], 7-21).

Atriumhaus 

Die Erforschung des Atriumhauses begann bereits unter F. Miltner (F. Miltner, Aguntum. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen 1950 -1952, ÖJh 40, 1953, suppl. 93-156; F. Miltner, Aguntum. Vorläufiger Bericht über die Grabungen in den Jahren 1953 und 1954, ÖJh 42, 1955, suppl. 71-96) und wurde von W. Alzinger (W. Alzinger, Aguntum. Vorläufiger Bericht über die Grabungen in den Jahren 1955 bis 1957, ÖJh.44, 1959 suppl. 75-140) fortgesetzt. Ab 1994 wurden die Ausgrabungen durch das Institut für Archäologien der Universität Innsbruck kontinuierlich weitergeführt (L. Gomig [Hrsg.], Aguntum. Museum und archäologischer Park [Dölsach 2007]). Im Wesentlichen lassen sich drei Baukomplexe feststellen. Im Westen und Süden befindet sich der Nutzgarten, im Zentrum das eigentliche Atriumhaus und im Osten desselben ein repräsentativer Bautrakt, der in der älteren Forschung als Privattherme angesprochen wurde. Das namensgebende Atrium bildet den zentralen Raum des Gebäudes und ist charakterisiert durch ein Wasserbecken (Impluvium), das Regenwasser über eine Öffnung im Dach (Compluvium) auffängt. Das Wasser wird nach Süden abgeleitet und gelangt so in ein mit Marmor ausgekleidetes Becken im Gartenperistyl.

Atriumhaus_Grabungsgeschichte

Erbaut wurde das Atriumhaus nach Ausweis des Fundmaterials bereits um die Mitte des 1. Jh. n. Chr. Danach folgten verschiedene Umbauten und Anpassungen, die nötig waren um diesen für ein mediterranes Klima entworfenen Bautyp an die südalpinen Witterungsverhältnisse anzupassen (M. Tschurtschenthaler, Municipium Claudium Aguntum: römischer Wohnluxus in den Alpen, in: L. Dal Ri, St. di Stefano [Hrsg.], Littamum – Una mansio nel Noricum / Eine Mansio in Noricum, BAR Intern. Series 1462 [Oxford 2005], 106-126). So mussten Heizanlagen eingebaut und Räume verkleinert werden, um eine Nutzbarkeit des Gebäudes auch in den Wintermonaten zu gewährleisten. Die Befeuerung der Heizanlagen erfolgte vom südlich und westlich gelegenen Nutzgarten aus. Östlich des eigentlichen Atriumhauses ist ein weiteres Gebäude angebaut, das in seiner heute sichtbaren Struktur im 2. Jh. n. Chr. über älteren Gebäuderesten errichtet wurde (Tschurtschenthaler, Stribach, FÖ 44 [2005], 567-571; M. Tschurtschenthaler, Stribach, FÖ 45 [2006], 709-712). Hauptmerkmal dieses, schließlich bis in die Spätantike in Verwendung stehenden, sogenannten Osttraktes sind große, beheizte Räume.

Macellum 

Das Macellum diente vorwiegend als Markt für Fleisch, Fisch, Austern und sonstige Delikatessen aus Nah und Fern (M. Tschurtschenthaler, Stribach. FÖ 45, 2006 [2007], 710-712; Ders., Stribach. FÖ 46, 2007 [2008], 708-712; Ders, Stribach. FÖ 47, 2008 [2009], 592-595). Derartige Delikatessenmärkte waren im bestens vernetzten Wirtschaftsraum des Römischen Reiches weit verbreitet (C. De Ruyt, Macellum. Marché alimentaire des Romans [Louvain-la-Neuve 1983]). Meistens besaßen sie einen rechteckigen Grundriss, besonders im Vorderen Orient und in Nordafrika waren sie teilweise auch runder Grundform. Im europäischen Teil des Römischen Reiches stellen gut erhaltene Rundmacella beim derzeitigen Forschungsstand eine absolute Ausnahme dar. Die wichtigsten Beispiele finden sich in Italien (Aquileia [Venetien], Alba Fucens [Abruzzen], Herdonia [Apulien]), Saepinum [Molise]), Aeclanum [Kampanien], Corfinium [Abruzzen]) und in Albanien (Durres). – Grundlegend zum Rundmacellum: C. De Ruyt, Mercati Romani con cortile circolare in Italia centrale e meridionale. Quaderni dell`Istituto di Archeologia e Storia Antica 3, 1984, 171-180 [mit Literaturangaben zu den Anlagen in Italien]). Ihre Errichtungszeit wird in die 1. Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. gesetzt. Nach Ausweis der Kleinfunde dürfte auch das Macellum von Aguntumwährend dieser Zeitspanne erbaut worden sein. 

Der Grundriss des Macellums von Aguntum gehorcht einer ausgeklügelten architektonischen Konzeption, die mit größter Sorgfalt baulich umgesetzt wurde. In ein Quadrat von etwa 18,5 m Seitenlänge (Außenmaß) war ein kreisrunder Innenraum mit einem (inneren) Durchmesser von ca. 17 m eingeschrieben. Den innersten Kern des Gebäudes bildete ein Zehneck mit einer Seitenlänge von ungefähr drei Metern und einem Durchmesser von circa zehn Metern. Der Bereich zwischen Kreis und Zehneck war durch acht radiale, auf den Mittelpunkt des Kreises und des Zehnecks hin orientierte Mauern, und zwei rechtwinklige Mauern in neun gleich große Segmente und den Haupteingang im Süden untergliedert.

Macellum

Über den korridorartigen Haupteingang gelangten die Händler und Kunden vom so genannten Decumanus maximus in den zentralen zehneckigen Innenraum. An diesen grenzten acht Verkaufslokale von etwa 14 m² Grundfläche. Im neunten, gleich großen Raum gegenüber des Eingangs könnte sich nach Ausweis anderer Beispiele ein kleines Sacellum bzw. Heiligtum einer unbekannten Gottheit (Merkur?) befunden haben (vgl. etwa Herdonia: J. Mertens - C. De Ruyt, La piazza forense in epoca imperiale, in: J. Mertens (Hrsg.), Herdonia. Scoperta di una città [Bruxelles 1995], 196-203). Neben den Zugängen zu den Geschäftslokalen sind trotz des Fehlens geringster Spuren Verkaufstische anzunehmen, über die die eigentlichen Kaufhandlungen gelaufen sind. Der den Kunden vorbehaltene Bereich (Eingang, Zehneck) verfügte über einen teilweise erhaltenen Plattenboden aus Marmor, Gneis und Glimmerschiefer. Die Geschäfte, die im Regelfall nur vom Händler betreten wurden, waren hingegen nur mit einfachen Mörtelestrichen samt Rollierung ausgestattet. Im Süden war dem Macellum ein gedeckter Laubengang vorgelagert, im Norden erstreckte sich zwischen dem Macellum und dem so genannten Prunkbau (Basilika?) ein etwa 1000 m² großer freier Platz bisher unbekannter Funktion.

Forum 

Das Forum wird seit 2010 östlich des Macellums freigelegt. Wegen seiner Größe von etwa 3000 m² werden diese Arbeiten noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Das Forum bestand aus einem zentralen geschotterten Platz von 32 mal 35 m und einem ihn an allen vier Seiten umgebenden, etwa 3 m breiten Umgang. Im bisher vollständig freigelegten Süden und Osten grenzten an die gedeckten Umgänge annähernd symmetrische Raumfluchten aus jeweils 6 bis 7 kleineren Räumen mit etwa 15 m² Grundfläche an. Eine ähnliche Struktur lässt sich auch im bislang ergrabenen Teil des Westflügels feststellen. Annähernd in der Mitte der Raumfluchten liegen im Süden ein etwa 75m², im Osten ein circa 45 m² großer und im Westflügel zwei große Säle.

Stadtzentrum_plan
Übersichtsplan zum Forum von Aguntum

Die kleinen Räume verfügten über einfache Lehmböden und verputzte Wände. Die großen Mittelräume waren aufwändiger gestaltet (solidere Böden, bemalte Wände). Mit einer Ausnahme wurden alle Räume durch kleine Nischenöfen beheizt. Die Räume konnten direkt von den Umgängen her betreten werden, einzig der große Raum im Osten war nur über die beiden Nachbarräume zu erreichen. Die von der Gebäudefront vorspringenden großen Räume im Westen befinden sich noch in Grabung, allerdings weisen diese bereits jetzt einige Besonderheiten auf. So wurde im Süden der beiden großen Räume ein kleiner, mit einer Hypokaustheizung ausgestatteter Raum angebaut.
Der Nordflügel wird von einem etwa 230 m² großen Raum im Nordosten dominiert. Daran grenzen im Westen ein L-förmiger Raum und ein weiterer großer Raum etwas westlich der Mitte des Nordtrakts an. Der Raum im Nordosten war mit einer Grundfläche von 23 mal 10 m der größte Raum des Forums. Er durchlief im Gegensatz zur Anlage im Süden eine sehr bewegte Geschichte. Schon vor der Errichtung seiner Außenmauern wurden wohl im Zusammenhang mit dem Bau des Südteils des Forums hier mehrere einfache Terrassierungsmäuerchen und Wassergräbchen angelegt. In einer zweiten Phase wurde der Raum in seiner heutigen Form errichtet. Er konnte vom Decumanus I Sinister über einen 3,90 m breiten Zugang betreten werden. In unmittelbarer Umgebung dieses Eingangs und entlang der Nordmauer wurden 2015 im Rauminneren drei, etwa einer Linie angelegte Kindergräber entdeckt . Im 2. Jh. n. Chr. ist die Nordmauer des Raumes eingestürzt und durch eine neue, deutlich höher fundamentierte Mauer ersetzt worden. Der Zugang zum Decumanus I Sinister wurde aufgegeben und von einer Tür im Osten des Raumes abgelöst. In die Zeit nach dem Brand des 3. Jhs. n. Chr. ist ein großer, nur fragmentarisch erhaltener Ofen wohl zur Metallverarbeitung zu setzen.

Westlich des großen Raumes liegt ein gangartigen Raum in dem bei den Grabungen der letzten Jahre zahlreiche Bergkristalle entdeckt wurden. Etwa in der Mitte des Nordtraktes des Forums befand sich der etwa 45 m² große, ursprünglich repräsentative Raum R 289. In der zweiten Phase ist er als Lagerraum benützt worden. Soweit das Rauminventar nicht verbrannt war, konnte es bei der Ausgrabung in bislang in Aguntum nicht gekannter Vollständigkeit geborgen werden. Verblüfft hat auch die Heterogenität des erhaltenen Materials. Gefunden wurden Gefäße aus Keramik, Bronze und Glas ebenso wie Bronzehenkel von Holzkästchen, Spielsteine, Steingewichte, Bergkristalle und diverse Schmuckgegenstände. Besonders hervorzuheben sind Kügelchen zur Herstellung blauer Farbe (Ägyptisch Blau) sowie Bimssteine zum Glätten von Holz und anderen Materialien. In der Nähe der Nordwand lagen acht Nabenringe aus Eisen und weitere Bestandteile eines Wagens aus Bronze. Im Westen des Raums fanden sich mehrere Eisenringe zweier fass-ähnlicher Gefäße. Eines der Fässer war mit Gerste, gefüllt, die beim Brand des Forums verkohlt ist.
Die Gestaltung des Forums von Aguntum erinnert an die Gestaltung derartiger Anlagen in kleineren Städten Norditaliens (R. Villicich, I complessi forensi nei centri minori della Cisalpina Romana. Studi e Scavi, nuova serie 18 [Bologna 2007]).
Funde aus diversen Tiefschnitten bzw. Bauhorizonten der ersten Phase sprechen für eine Errichtung des Forums um die Mitte des 1. Jhs. n. Chr. Im späten 3. Jh. n. Chr. dürfte das Forum einem Brand zum Opfer gefallen sein. Danach wurden große Teile des Forums aufgegeben. Spätantike Nutzungen können bislang im südwestlichen Eingangsbereich, am zentralen Platz wie auch im Norden der Anlage festgestellt werden.

Nordseite Forum
Räume an der Nordseite des Forums
Handwerkerviertel

Die als „Handwerker- und Wohnviertel“ bezeichneten Bereiche der antiken Stadt wurden zum größten Teil von den 1960er bis 1980er Jahren ausgegraben (Langmann; Luger). Die einzelnen Gebäude sind heute nach mehrmaliger Restaurierung nicht mehr eindeutig im Gelände zu erkennen. Es dürfte sich bei einem Großteil der Strukturen um einfache Wohnbauten handeln, die meist aus einem offenen Hof kombiniert mit einem oder mehreren überdachten Räumen im Erdgeschoß bestanden. Im Zuge der Neugestaltung des Archäologieparks wird auch eine Neubewertung dieser Grabungen erfolgen. Nur eine detaillierte Bearbeitung der Funde und Befunde der Altgrabungen ermöglicht das Verständnis der unterschiedlichen Bauphasen, die derzeit im Gelände nicht differenzierbar sind.

Therme

Die Therme von Aguntum wurde in den 1960er und 1970er Jahren archäologisch erforscht. Dabei konnten mehrere Bauphasen festgestellt werden, die allerdings nie im Detail publiziert wurden. Die umfangreichste Zusammenstellung des Befundes findet sich in der Dissertation von Silvia Schoitsch (S. Schoitsch, Kleinfunde aus der Therme Aguntums). Aus dieser Publikation ist ablesbar, dass erste wohl aus tiberisch-claudischer Zeit stammende Thermenanlage gute Vergleiche am Magdalensberg, aber auch in Herculaneum und Pompeji findet (M. Auer / M. Tschurtschenthaler , Municipium Claudium Aguntum – Die frühen Befunde, in: U. Lohner-Urban / P. Scherrer [Hrsg.], Der obere Donauraum 50 v. bis 50 n. Chr., Region im Umbruch Band 10 [Berlin 2015], 337-349). Die nachfolgenden Umbauten führen zu einer Neustrukturierung der Anlage in Form des kaiserzeitlichen Reihentypus. Die exakte Abfolge der Bauphasen lässt sich aus der Literatur derzeit nicht erschließen, was eine Neubewertung dieser „Altgrabung“ umso dringender macht.

Vorstadt 

Die von Erich Sowboda in den 1930er Jahren ausgegrabenen Gebäude der Vorstadt bedürfen ebenso wie das Handwerkerviertel und die Therme einer gründlichen Neubewertung. Das Fundmaterial aus Swobodas Grabungen wird heute in Schloss Bruck gelagert, Unterlagen zum Befund sind derzeit leider nicht mehr auffindbar. Fest steht, dass auch der Bereich östlich der Stadt entlang der Hauptstraßen dicht bebaut war und nach derzeitigem Kenntnisstand bis ca. 200m östlich der Stadtmauer keine Nekropolen anzunehmen sind.

Municipium Claudium Aguntum in der Spätantike

Während der Spätantike verändert sich das Stadtbild Aguntums wesentlich. Das Forum verliert seine ursprüngliche Funktion als Markt- und Versammlungsplatz. Ähnliches gilt für das Macellum und die Therme. Im Stadtzentrum werden in den ehemaligen öffentlichen Gebäuden einfache Behausungen und Werkstätten eingerichtet, wobei hier oftmals die in der Spätantike im Ostalpenraum verbreitet vorkommenden Y-förmige Schlauchheizungen zu beobachten sind. Dieses Heizsystem wird auch im Osttrakt des Atriumhauses von Aguntum verwendet, hier allerdings für einen großen Saal, dessen materielle Hinterlassenschaft sich auch hinsichtlich der Kleinfunde deutlich von den einfacheren Behausungen im spätantiken Stadtzentrum unterscheidet (M. Auer, Municipium Claudium Aguntum. Keramik als Indikator für spätantike Sozialstruktur, RCRF Acta 44, 2016, 453-458).

Kanalheizung_Forum
Kanalheizung im Bereich des Forums (Raum 283)
Kanalheizung im Bereich des Forums (Raum 283)
Kanalheizung im Bereich des Forums (Raum 283)
Kanalheizung im Bereich des Forums (Raum 283)
Ähnliches gilt für das Macellum und die Therme. Im Stadtzentrum werden in den ehemaligen öffentlichen Gebäuden einfache Behausungen und Werkstätten eingerichtet, wobei hier oftmals die in der Spätantike im Ostalpenraum verbreitet vorkommenden Y-förmige Schlauchheizungen zu beobachten sind. Dieses Heizsystem wird auch im Osttrakt des Atriumhauses von Aguntum verwendet, hier allerdings für einen großen Saal, dessen materielle Hinterlassenschaft sich auch hinsichtlich der Kleinfunde deutlich von den einfacheren Behausungen im spätantiken Stadtzentrum unterscheidet (M. Auer, Municipium Claudium Aguntum. Keramik als Indikator für spätantike Sozialstruktur, RCRF Acta 44, 2016, 453-458). Die Transformation der Stadt während der Spätantike wurde in einem durch den TWF (Tiroler Wissenschaftsfonds) Forschungsprojekt von Dr. Veronika Sossau thematisert, was in einer ersten systematischen Zusammenstellung aller diesbezüglichen Befunde aus den Altgrabungen und den neueren Untersuchungen resultierte (V. Sossau, Das Municipium Claudium Aguntum in der Spätantike. Ein erster Überblick, in:  M. Auer / H. Stadler [Hrsg.], Von Aguntum zum Alkuser See. Zur römischen Geschichte der Siedlungskammer Osttirol [Wiesbaden 2018]).
Friedhofskirche 

Die bereits in den 1912/13er Jahren  von R. Egger ausgegrabene Friedhofskirche wurde nie vollständig archäologisch untersucht. Fest steht derzeit nur, dass sich im Umfeld der Kirche zahlreiche Sarkophag-Gräber fanden, die zu einem großen Teil von ansässigen Bauern abtransportiert wurden (M. Auer / V. Sossau / M. Tschurtschenthaler, Municipium Claudium Aguntum. Bestattungsbefunde innerhalb des Stadtgebietes, in: M. Auer / H. Stadler [Hrsg.], Von Aguntum zum Alkuser See. Zur römischen Geschichte der Siedlungskammer Osttirol [Wiesbaden 2018]). Aufgrund dieser Funde wurde schließlich die Grabung durchgeführt, die den Nachweis einer frühchristlichen Kirche über einem kaiserzeitlichen Vorgängerbau erbrachte. Die Grabung musste bereits 1913 wieder zugeschüttet werden und bislang war keine erneute Untersuchung dieser Stelle möglich.

Die Bischofskirche von Lavant 

Die Bischofskirche von Lavant wurde in den 1950er Jahren durch Franz Miltner freigelegt (F. Miltner, Die Grabungen auf dem Kirchbichl von Lavant. Vierter vorläufiger Bericht, ÖJh 43, 1956-58, 89-124). Innerhalb weniger Arbeitswochen gelang es ihm die Grundstruktur des gesamten Komplexes zu ergraben. Dementsprechend ist die Dokumentation aus heutiger Sicht sehr lückenhaft und es bleiben einige Fragen zur Baugeschichte offen. Fest steht, dass die Kirche über einer Planierschicht errichtet wurde, die Fundmaterial aus dem 3. Jh. n. Chr. enthält. Der Bau besteht aus zwei Teilen: der eigentlichen Bischofskirche und einer später in östlicher Verlängerung angebauten Memorialkirche, die die Gebeine des hier verehrten Märtyrers aufgenommen hat. Der Reliquienschrein der Memorialkirche ist gut erhalten und, obwohl von Miltner ursprünglich als Baptisterium interpretiert, heute sicher als solcher anzusprechen. Im gegenüberliegenden, westlichen Teil der Bischofskirche befindet sich das eigentliche Baptisterium, das in einer älteren Bauphase architektonisch wohl deutlicher von der Bischofskirche getrennt war. Die Mehrphasigkeit des Kirchenbaus ist unbestritten, allerdings sind derzeit noch viele Fragen bezüglich der genauen Bauabfolge, wie auch der Anzahl der Bauphasen offen. Antworten auf diese Forschungsfragen werden in den seit 2017 laufenden Grabungen des FB Aguntum in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt und dem Land Tirol gesucht.

Kleinfundbearbeitung und Material Culture Studies

Auf dem Gebiet der Kleinfundbearbeitung werden sowohl klassische Bestimmungen von römischem Fundmaterial, als auch weiterführende Untersuchungen im Rahmen der Material Culture Studies durchgeführt.

Projekte

Atriumhaus 

Sowohl der Bautyp als auch das reiche Fundmaterial aus dem Atriumhaus legen die Benutzung durch wohlhabende, sozial höher gestellte Personen nahe. Die Bewohner versorgten sich mit Speisen und Tafelgeschirr aus dem gesamten mediterranen Raum. So wurde Tafelgeschirr aus Gallien, Germanien, Italien, Kleinasien und Nordafrika importiert. Austern, Wein aus Italien, Gallien und der Ägäis sowie vorwiegend aus Istrien importierte Olivenöle verdeutlichen die Verbundenheit der Bewohner zur mediterranen Welt. Die Benutzungszeit des Atriumhauses reicht bis in das 5. Jh. n. Chr., wobei vor allem der Osttrakt des Gebäudes reichhaltige Informationen zur spätantiken Nutzung des Baukomplexes enthielt (M. Auer, Late Roman local production in southwestern Noricum. Municipium Claudium Aguntum – a case study, Acta RCRF, 42, 2012, 419-422). Es ist auch in dieser Zeit noch von finanzkräftigen Bewohnern auszugehen, was sich etwa in den Speisegewohnheiten der Bewohner widerspiegelt (M. Auer, Municipium Claudium Aguntum. Kitchen Residues from the Atrium House, in: G. Nutu, S.-C- Ailincai, C. Micu (Hrsg.), The man, the river and the sea. Studies in Archaeology and History in honour of Florin Topoleanu on his 65th anniversary (Cluj-Napoca 2017), 327-340; S. Deschler-Erb / M. Auer, In cibo veritas – Zur wechselhaften Geschichte des Atriumhauses von Aguntum/Tirol (1.-4. Jh. n. Chr.) im Spiegel der Ernährungssitten, Ann. Naturhist. Mus. Wien, Serie A, Band 120, 2018, 5-17). Die Bearbeitung und Auswertung des Fundmaterials erfolgte 2008 bis 2013 in einem durch den FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) finanzierten Forschungsprojekt (P20846-G02).

Fundarchiv Aguntum

Bedingt durch die lange Grabungsgeschichte ist das archäologische Depot im Grabungshaus Aguntum reich gefüllt. Die Inventarführung ist jedoch nur mehr zu einem geringen Teil erhalten, womit es unbedingt nötig wurde, das Gesamtmaterial im Depot Aguntum neu zu inventarisieren und so in ein wissenschaftlich nutzbares Fundarchiv umzuwandeln. Mit diesen durch die Universität Innsbruck und die Kulturabteilung des Landes Tirol unterstützen Arbeiten wurde im Jahr 2013 begonnen und in zwei Kampagnen konnte durch die Mithilfe der Studierenden ein Großteil des Fundmaterials fotografisch dokumentiert und in einem digitalen Archiv inventarisiert werden. 

Funde Aguntum 1964

Das Fundarchiv umfasst derzeit das Material von 1951 bis 1978 und wird in den kommenden Jahren weiter ausgebaut (1930iger Jahre und 1979-1989). Ziel ist es mittels des digitalen Fundarchivs Aguntum eine Grundlage für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Altgrabungen zu schaffen, die unter anderem eine Neubewertung der bislang nur fragmentarisch publizierten Ergebnisse zum Handwerkerviertel von Aguntum ermöglichen wird (M. Auer, Die römischen Bauten Aguntums . Ein Überblick, in: M. Auer / H. Stadler [Hrsg.], Von Aguntum zum Alkuser See. Zur römischen Geschichte der Siedlungskammer Osttirol [Wiesbaden 2018]).

Römische Keramik in Noricum
Naturwissenschaftliche Analyse

Im Zuge des durch den FWF geförderten Projektes „Das Atriumhaus von Aguntum“ (P20846-G02) wurde damit begonnen, die in Aguntum vorhandenen regionalen Keramikprodukte zu charakterisieren. Dabei kam das MGR-Verfahren in Verbindung mit chemischer und Dünnschliff-Analyse zur Anwendung (Auer / M. Daszkiewicz, Archaeological expectations and archaeometric results. Some considerations on imported coarse wares and local pottery production in Aguntum, Austria, in G. Lipovac Vrkljan / B. Šiljeg / I. Ožanić Roguljić / A. Konestra [Hrsg.], Rimske keramikčarske i staklarske radionice, Proizvodnja i trgovina na jadranskom prostoru [Crikvenica 2017], 97-125.). Den Projektpartnern Dr. Gerwulf Schneider (FU Berlin) und Dr. Malgorszata Daszkiewicz (FU Berlin / ARCHEA Warschau) ist es gelungen die lokale Keramikproduktion anhand von Hüttenlehm als Referenzmaterial festzumachen. Die Analysen haben aber auch gezeigt, dass innerhalb der in der Forschung landläufig als „Norische Keramik“ bezeichneten, vermeintlich lokalen Materialgruppe auch unterschiedlichste regionale Importmaterialien vorhanden waren.

Morphologisch-stilistische Analyse

Die Gruppe der grautonigen, reduzierend bzw. nicht zur Gänze oxidierend gebrannten Keramik in Aguntum wurde mit technologisch vergleichbaren Gefäßen in anderen norischen und oberitalischen Fundorten verglichen. Ein rein auf Randformen bezogener morphologischer Vergleich erbringt fundortübergreifend kaum sinnvolle Ergebnisse, weshalb vor allem der Verzierung bei der Suche nach Vergleichsstücken ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde. Technologie, Morphologie und Stil (anhand der Verzierungen) haben es schließlich erlaubt ausgehend von Aguntum 18 keramische Typen mit weiteren Varianten zu definieren. Diese weisen ein klar eingrenzbares, allerdings in der jeweiligen Ausdehnung deutlich unterschiedlich großes Verbreitungsgebiet auf (M. Auer, Municipium Claudium Aguntum. Keramikregionen als Interaktionsräume. Eine Westnorische Perspektive [ungedr. Diss. Innsbruck 2015]).

Keramikzirkulation – Waren- oder Ideentransfer

In Zusammenhang mit den unterschiedlich großen Verbreitungsgebieten von in Noricum produzierter Keramik stellt sich die Frage, auf welche Weise diese Keramikregionen entstanden sind und wie die Keramikproduktion in Noricum organisiert war (M. Auer, Zur Organisation des Töpferhandwerks in Noricum – Familienunternehmen oder Großbetrieb?, Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift [EAZ] 55, 1/2, 2014 [2016], 121-158). Mittels weiterer naturwissenschaftlicher Analysen, die nicht auf Aguntum beschränkt bleiben, sondern Fundmaterial aus Salzburg, Moosham, St. Peter in Holz, Zollfeld und vom Magdalensberg mit einbeziehen, wird an der Klärung dieser Frage gearbeitet.

Inhaltsanalysen

Der Frage nach den Speisesitten im Municipium wird einerseits über die Analyse von Tierknochen in Kooperation mit Dr. Sabine Deschler-Erb (IPNA Basel) nachgegangen und andererseits wurden zuletzt auch Inhaltsanalysen an unterschiedlichen Gefäßen (Lavez und Keramik) aus Aguntum in Zusammenarbeit mit Dr. Lucy Cramp (University of Bristol) durchgeführt. Insbesondere die Analyse der sogenannten Aguntiner Näpfe (zur Gefäßform: M. Auer, Überlegungen zur  Keramikproduktion im Territorium von Aguntum, in: C. Reinholdt, W. Wohlmayr [Hrsg.], Akten des 13. Österreichischen Archäologentages in Salzburg [Wien 2012], 311-316) hat zuletzt spannende Ergebnisse erbracht, die nahelegen, dass diese Gefäßform zur Herstellung / zum Verkauf von Milchprodukten genutzt wurde. Die Analysen sind noch in Ausarbeitung, versprechen aber höchst spannende Informationen zur Lebens- und Wirtschaftsweise in der antiken Stadt.

Rostiges Eisen 

Als Kooperationspartner der Restaurierungswerkstatt des Instituts für Archäologien stellt der FB Aguntum seit 2016 frisch geborgene Eisenfunde für das Projekt Rostiges Eisen zur Verfügung. Ziel des Projektes ist es, konservatorische Probleme bei Eisenfunden möglichst frühzeitig zu vermeiden und die aus konservatorischer Sicht „ideale Methode“ zur Bergung und Verpackung von Frischfunden auszutesten.

Die römische Lampenproduktion des EVCARPVS 

Ausgehend von einer Studie zu den im Municipium Claudium Aguntum vorhandenen Firmalampen (M. Auer, Die römischen Firmalampen aus dem Municipium Claudium Aguntum, in: L. Chrzanovski (Hrsg.), Le Luminaire antique. Lychnological Acts 3. Actes du 3e Congrès International d´études de l´ILA. Université d´Heidelberg 21-26.IX.2009, Monographies Instrumentum 44 [Montagnac 2012], 11-23) wurde unterstützt durch den TWF (Tiroler Wissenschaftsfonds) ein Forschungsprojekt zum Lampenhersteller EVCARPVS durchgeführt. Firmalampen mit diesem Herstellernamen wurden stilistisch und naturwissenschaftlich analysiert, was Einblicke in die Funktionsweise von Keramikproduktion „im großen Stil“ erlaubt. So zeigt sich bei den standardisierten Firmalampen deutlich, dass hier eine marktorientierte Struktur von Filialwerkstätten vorhanden war, die vor allem in den ersten beiden Jahrhunderten n. Chr. florierte (M. Auer / S. Sitz, Die Firmalampenproduktion des Eucarpus – eine Studie zur römischen Keramikproduktion, Germania 92, 2014 [2015], 85-125).

Landschaftsarchäologie im Umfeld des Municipiums

Ein langfristiges Ziel des FB Aguntum ist die vollständige Miteinbeziehung des Umlandes von Aguntum in die (feld)archäologische Forschung. Insbesondere die wirtschaftlichen Grundlagen der Region sollen über eine detaillierte Landschaftsanalyse näher beschrieben werden. Aufgrund der Befunde im Municipium ist klar, dass die alpine Landschaft vor allem für die Haltung von Schafen bzw. Ziegen geeignet war und Rinderzucht nur eine untergeordnete Rolle spielte. Daneben ist für den landwirtschaftlichen Sektor der Anbau von Gerste nachgewiesen und im Bereich des Bergbaus ist während der Grabungen am Forum klar geworden, dass Bergkristalle als Handelsgut in Aguntum eine große Rolle spielen (M. Auer / G. Kandutsch, Klassifikation der Bergkristallfunde aus dem Municipium Claudium Aguntum, in: M. Auer / H. Stadler [Hrsg.], Von Aguntum zum Alkuser See. Zur römischen Geschichte der Siedlungskammer Osttirol [Wiesbaden 2018]). Allerdings steckt die Erforschung des Umlandes des Municipiums noch in den Anfängen. So sind bislang nur wenige Siedlungsplätze im weiteren Umland erforscht und auch für einen durch die reichen Bergkristallfunde anzunehmenden römischen Bergbau gibt es bislang keine Anhaltspunkte. In Kooperation mit Forschern in- und außerhalb der Universität wird den Fragen nach der Struktur des Umlandes des Municipiums weiter nachgegangen.

Projekte 

Geophysikalische Prospektion im Municipium Claudium Aguntum

Die geophysikalische Prospektion innerhalb des Municipiums ist aufgrund der geologischen Struktur des Gebietes immer noch mit großen Schwierigkeiten verbunden. Messungen aus dem Jahr 2010 ergaben Hinweise auf verschiedene Gebäudestrukturen, die sich aber gerade im Bereich des Forums bislang nicht bestätigt haben (M. Auer / F. Bleibinhaus / M. Tschurtschenthaler / M. Unterwurzacher, Municipium Claudium Aguntum. Geophysikalische Prospektion auf geologisch schwierigem Terrain, ÖJh. 82, 2013 [2014], 7-21).

Geophysikalische Prospektion in der Vorstadt 

Im Auftrag des Bundesdenkmalamtes fanden im Jahr 2013 geophysikalische Messungen im Bereich der Vorstadt (östlich der Stadtmauer) Aguntums statt. Die dabei festgestellten Gebäudestrukturen deuten eine Fortsetzung der bereits von E. Swoboda festgestellten dichten Bebauung auch in diesem Bereich an (B. Zickgraf / N. Buthmann, Archäologisch-geophysikalische Prospektion auf dem Grundstück Nr. 190/1, Gemeinde Dölsach, Katastralgemeinde Stribach, Tirol, FÖ 52, 2013, D4499–D4513). Weiterführende Forschungen im Sinne von Ausgrabungen sind an dieser Stelle derzeit nicht geplant, eine Erweiterung der Prospektionsfläche ist jedoch für das Verständnis der antiken Stadt anzustreben.

Stadt und Umland – Das Verwaltungsgebiet des Municipium Claudium Aguntum. Eine Bestandsaufnahme 

Um das Verwaltungsgebiet des Municipiums in den Fokus der Forschung zu rücken, wurde 2013/14 unterstürtzt durch den TWF (Tiroler Wissenschaftsfonds) eine Aufnahme aller römischen und spätantiken Funde und Befunde in Osttirol und Teilen Kärntens und Südtirols initiiert. Die GIS gestützte Aufnahme erfolgte in Kooperation mit Dr. Armin Heller, Institut für Geographie der Universität Innsbruck und bildet die Grundlage für die weitere Erforschung des Umlandes von Aguntum (M. Auer / Ch. Sperger, Das Umland von Aguntum. Eine GIS gestützte Kartierung kaiserzeitlicher und spätantiker Siedlungsplätze, in: M. Auer/H. Stadler [Hrsg.], Von Aguntum zum Alkuser See. Zur römischen Geschichte der Siedlungskammer Osttirol [Wiesbaden 2018]).

Öffentlichkeitsarbeit

In enger Zusammenarbeit mit dem Curatorium Pro Agunto, dem Bundesdenkmalamt und der Planungsfirma REVITAL werden seit 2013 Restaurierungs- und Erneuerungsarbeiten in dem, unter Federführung von Dr. Leo Gomig errichteten Archäologiepark Aguntum durchgeführt. Die wissenschaftlich fundierte Präsentation der Befunde wird dabei unter Abwägung der konservatorischen Notwendigkeiten (Restaurator Franz Brunner) umgesetzt. Das Wissen aus diesem Projekt wird seit 2017 auch auf das Restaurierungsprojekt „Die Bischofskirche von Lavant. Erforschen-Restaurieren-Vermitteln“ angewandt. Auf diese Weise wird versucht eine möglichst originalgetreue, restauratorisch haltbare und ästhetisch anspruchsvolle Präsentation der archäologischen Befunde umzusetzen. Neben dieser Tätigkeiten im Freigelände wird auch das Museum Aguntum laufend erweitert und die wissenschaftlichen Ergebnisse und Fragestellungen in internationalen Workshops diskutiert.

Projekte 

Freigelände Archäologiepark Aguntum

Die seit 2013 laufende Neugestaltung des durch das Curatorium Pro Agunto (Dr. Leo Gomig) betreuten Archäologieparks Aguntum ermöglicht eine zeitgemäße Präsentation der Grabungsbefunde. Dabei werden die antiken Baustrukturen nach erfolgter Grabung und Dokumentation zum größten Teil wieder unter die Erde gebracht und an der Oberfläche möglichst originalgetreu nachgebildet. Die Gestaltung des Parkgeländes wird vor allem durch das Curatorium Pro Agunto vorangetrieben, das bereits in den 90-iger Jahren mit der Aufwertung des Archäologieparks begann und dabei vom FB Aguntum des Instituts für Archäologien unterstützt wird (M. Tschurtschenthaler / M. Auer, Zum Stand der archäologischen Forschung in Aguntum, in: B. Hebert / N. Hofer [Hrsg.], Alte Mauern – Neue Konzepte. Aguntum – Konservierung und Entwicklung, FÖ Tagungsband 3 [Wien 2016], 9-25.). Presse.

Museum Aguntum

Das im Jahr 2006 nach Auftrag durch das Curatorium Pro Agunto fertiggestellte Museum Aguntum wird durch den FB Aguntum des Instituts für Archäologien wissenschaftlich betreut. Etwas mehr als 10 Jahre nach der Eröffnung läuft derzeit die Neugestaltung des Museums an, dessen erster Schritt die Präsentation von Fundmaterialien aus den aktuellen Grabungen im Zentrum des Municipiums ist (L. Gomig [Hrsg.], Municipium Claudium Aguntum. Das Stadtzentrum [Dölsach 2016]).    Presse

Bischofskirche von Lavant  

Durch ihre Lage am Berg und die Einbettung der Ruine in die Landschaft ist die Bischofskirche von Lavant ein touristischer Anziehungspunkt in Osttirol. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Erhaltungszustand des Baus sukzessive verschlechtert, was umfangreiche konservatorische Maßnahmen nötig macht. In Zusammenarbeit mit einem Team aus Archäologen, Restauratoren, Bauforschern und Materialwissenschaftlern übernimmt der FB Aguntum die wissenschaftliche Leitung der Ausgrabungsarbeiten. Ziel des Projektes ist neben der Klärung einiger offener wissenschaftlicher Fragen, die zeitgemäße Präsentation der restaurierten Kirche in den nächsten Jahren.   Presse

Aguntum-Workshops

Im Zuge der Aguntum-Workshops werden abwechselnd regionale und überregionale Themen aufgegriffen und in einem für die Öffentlichkeit zugänglichen internationalen Workshop in Aguntum diskutiert. Die Publikation der Workshops erfolgt in der im Harrassowitz-Verlag angesiedelten Reihe "Ager Aguntinus. Historisch-Archäologische Forschungen".

2018: Römische Siedlungen und die "Reichskrise" im 3. Jahrhundert n. Chr. / Roman Settlements and the Crisis of the 3rd Century A.D., 15./16. November 2018, Dölsach/Aguntum
2017: Bergbau in Osttirol und angrenzenden Regionen, 10. November 2017, Dölsach/Aguntum (Presse).
2016: Römische Siedlungen an der Drau / Roman Settlements along the Drava River, 3.-4. November 2016, Dölsach/Aguntum
2015: Von Aguntum zum Alkuser See. Zur römischen Geschichte der Siedlungskammer Osttirol, 5. November 2015, Dölsach/Aguntum

Lehre 

Die Beteiligung des FB Aguntum in der Lehre des Instituts für Archäologien orientiert sich an den behandelten Forschungsthemen. Es werden vorwiegend praxisorientierte Lehreprojekte am Befund- und Fundmaterial durchgeführt, wobei auch die aktuelle Methoden- und Theoriediskussion eingebunden wird.

Theorie und Praxis archäologischer Feldforschung

In jährlichem bzw. semestralem Zyklus wird die Vorlesung Theorie und Praxis Archäologischer Feldforschung angeboten. Diese dient für StudienanfängerInnen als Vorbereitung für die praktische Feldarchäologische Forschung während der Lehrgrabung (jährlich / jeweils im Sommer-Semester) in Aguntum. Die Lehrgrabung selbst findet als Blockveranstaltung in Aguntum statt, wofür die vor Ort vorhandene Infrastruktur des Curatorium Pro Agunto („Grabungshaus“) genutzt werden kann. Die Verbindung von Grabungshaus, Museum und Archäologiepark an ein und demselben Ort bietet ideale Voraussetzungen für die Erfordernisse der Lehrgrabung.
Vorlesungsverzeichnis

Arbeiten am Befund- und Fundmaterial  

Kleinfunde
Archäologische Funddepots I
Archäologische Funddepots II
Römische Importkeramik in der Austria Romana
Römische Importkeramik im Alpenraum 

Architektur 

Gebäude- und Raumnutzung im Archäologischen Befund
Gebäude im Archäologischen Befund. Interpretation und Rekonstruktion
Römische Stadtbefestigungen
Domus und Villa – Wohnen in den Städten des Imperium Romanum

Methoden der Archäologie 

Ethnoarchäologie

Abschlussarbeiten 

Der FB Aguntum übernimmt in Zusammenarbeit mit den Professoren des Instituts für Archäologien sehr gerne die Betreuung von Abschlussarbeiten mit Aguntum-Bezug. Die durch die Studierenden behandelbaren Themen reichen analog zu den Forschungsprojekten über Kleinfund- und Befundbearbeitung bis zu Architektur, Siedlungs- und Landschaftsarchäologie sowie theoretisch-methodischen Auseinandersetzungen mit Formationsprozessen und der Interpretation materieller Hinterlassenschaft.

Laufende Abschlussarbeiten 

V. Zdeljar, Wandmalerei aus Raum 260 am Forum von Aguntum (Arbeitstitel)

Bisherige Abschlussarbeiten

Personen

Partner und Sponsoren

Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Bundesdenkmalamt (BDA)
Museum und Archäologischer Park Aguntum
Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF)
Land Tirol
Gemeinde Dölsach
Gemeinde Lavant
TVB Osttirol
Kärcher
Hypo Tirol
Swarovski
Rauch Mehl

Sponsoren_Neu




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