Restaurierung

Projekte

Restaurierungsprojekt: Die Grabbeigaben des Oswalds von Schrofenstein, Pfarrkirche Landeck

Auftraggeber: Pfarre Landeck, Mag. Martin Komarek
Koordination: Arch. Dipl. Ing. F. Falch, Landeck; Mag. Johannes Pöll (BDA Tirol)
Archäologische Grabung: Talpa GnbR

Im Zuge der archäologischen Ausgrabungen (2012-2013) in der Landecker Stadtpfarrkirche
Mariä Himmelfahrt wurde in der Mittelachse des südlichen Seitenschiffes ein spätmittelalterliches Erdgrab aufgedeckt. Die beiden in der Pfarrkirche noch erhaltenen Wappensteine, der Totenschild sowie die Ausrichtung und Position des wohl später umgebetteten Bestatteten erlauben eine Identifizierung als Oswald von Schrofenstein. Der im Tiroler Oberland wohl bekannteste Adelige dieser Zeit und treibende Kraft hinter der Errichtung des spätgotischen Kirchenumbaus verstarb im Jahre 1497 im Alter von 63 Jahren und wurde ritterlich mit Schwert (Typ Oakshott XVIIIb), Sporen und einem Betkranz aus Holzringen und Hohlperlen bestattet. Die nun 2017 am Institut für Archäologien der Universität Innsbruck abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten der Grabbeigaben brachten aufgrund des teilweise sehr guten Erhaltungszustandes außergewöhnliche Ergebnisse für die weitere wissenschaftliche Auswertung ans Tageslicht.

 

Skelett Pfarrkirche Landeck
Abbildung: Landeck, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Grab 47/2013. Stabilisierung und Bergung des Schwertes (Foto: U. Töchterle/Inst. für Archäologien/Univ. IBK).

Kooperationspartner Archäometrie:

  • Röntgenuntersuchungen: Dr. Peter Fiechtner, Universitätsklinik Innsbruck, Radiologie; Flughafen Innsbruck
  • Holzartenbestimmung Schwerthilze und Betkranz: Dr. Andreas Heiss, Vienna Institute for Archaeological Science (VIAS)
  • Rasterelektronenmikroskopie Textilreste vom Brustbereich, Insektenreste, Heftumwicklung und Textilfasern (Brustbereich): Mag. Martina Tribus/Univ.-Prof. Dr. Peter Tropper, Inst. f. Mineralogie und Petrographie, Univ. Innsbruck
  • Untersuchung der Kupferlegierung von Sporen, Schwertknauf und Parierstange (EDRFA, NAA, ICP-MS): Dr. Joachim Lutz, Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, Mannheim
  • Forenische Entomologie, Untersuchung der Insektenreste: Univ.-Prof. Dr. W. Waitzbauer, Biozentrum, Univ. Wien

Wissenschaftliche Auswertung der Beigaben (in Vorbereitung):

  • Johannes Pöll: Die Ausgrabungen in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landeck
  • Ulrike Töchterle: Die Restaurierung der Beigaben, REM Untersuchungen (gem. mit M. Tribus)
  • Florian Messner: Das Schwert (Teil der Dissertation)
  • Nicole Obinger: Die Sporen (Bachelorarbeit)
  • Harald Stadler (Innsbruck): Wiss. Bericht zum Betkranz
  • Andreas Heiss (Wien): Bericht zur Bestimmung der Schwerthilze und der Betkranzringe
  • Wolfgang Waitzbauer (Wien): Bericht zu den Insektenresten am Leichnam

Literatur

  • Tamara Senfter, Archäologische Grabungen in der Pfarrkirche Landeck – Endbericht. Fundberichte aus Österreich 52, 2013, D4220–D4386.
  • Johannes Pöll, Frühchristliche Kirche, frühmittelalterliche Gräber und ein spätmittelalterliches Adeligengrab. In: Kath. Stadtpfarramt (Hrsg.), Festschrift zum 1.500-Jahr-Jubiläum der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landeck (Salzburg 2016) 11–24.
  • Florian Messner/Ulrike Töchterle, The highest art of smithery. A material and geometry related examination of extant swords and historical swordsmiths in Tyrol (10th-15th century). Acta Periodica Duellatorum 5 (in press 2017).

 


2018: Neue 3D-Anwendungen in der archäologischen Objektforschung:
Visualisierung und 3D-Printing zweier einzigartiger eisenzeitlicher Tonnenarmbänder aus Ehrwald, Bezirk Reutte

Projektleitung: Margarethe Kirchmayr, Bakk. phil. MA und Mag. Dr. Ulrike Töchterle

Fördergeber: Aktion D. Swarovski KG 2017

 

 


2016-2018: Rostiges Eisen. Vorbehandlung von archäologischen Eisenfunden für die Natriumsulfitentsalzung

Fördergeber: Nachwuchsförderung 2015 der Universität Innsbruck

Laufzeit: 01.03.2016-28.02.2018 (24 Monate)

Die Restaurierung von Eisenfunden stellt immer noch einen besonders komplexen Bereich innerhalb der archäologischen Restaurierungswissenschaft dar, da bereits ab dem Moment der Bergung und der damit verbundenen radikalen Änderung der Umgebungsparameter starke Verfallserscheinungen auftreten. Die jahrelangen Erfahrungen der Restaurierungswerkstätte des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck haben gezeigt, dass allein die sachgerechte Lagerung von Metallen nach der Freilegung bis hin zur Entsalzung mittels Natriumsulfitbad nicht ausreicht, um Schäden an den archäologischen Objekten zu dezimieren bzw. zu hemmen. Wissenschaftliche Vergleiche, vor allem zur Vorbehandlung der Objekte für die Natriumsulfitentsalzung, fehlten bislang weitgehend, besonders in Hinblick auf ihre Praktikabilität, aber auch bezüglich Effektivität und (Nachfolge-) Kosten. Ziel des Projektvorhabens ist die Entwicklung eines geregelten und raschen Ablaufes der Fundübernahme/Fundüberstellung und Erstversorgung von der Ausgrabung bis hin zu konservatorischen Maßnahmen in der Werkstätte (Einsatz von möglichen Klebern für Sicherungen, Entsalzung). Nur die Wahl geeigneter und auch schnell für Archäologen im Feld einsetzbarer Konservierungsmaßnahmen (z. B. in Aguntum) erlaubt die Vorbeugung von Schäden (Prävention), die später nur noch zum Teil und mit einem hohen Arbeitsaufwand behoben werden können bzw. zum völligen Verlust des Objektes führen. Die im Vorfeld der Entsalzungsmaßnahmen auftretenden Probleme wie Klebungen und Festigungen sind so komplex, dass sie nur durch eine Vernetzung mit den Kooperationspartnern aus den Fachbereichen Mineralogie und Petrographie, Chemie sowie Restaurierungswissenschaften lösbar erscheinen.

Rostiges Eisen. Vorbehandlung von archäologischen Eisenfunden für die Natriumsulfitentsalzung

Rostiges Eisen. Vorbehandlung von archäologischen Eisenfunden für die Natriumsulfitentsalzung, Bild 2


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