Restaurierung

Bachelorarbeiten

Lisa Eß
Spätbronzezeitliche Keramikfunde vom Pingenfeld und Erzaufbereitungsplatz Weißer Schrofen (Strass i. Z., Nordtirol)

Im Sommer 2016 wurde im Rahmen eines DACH-Projekts am Forschungszentrum HiMAT der Universität Innsbruck unter der Grabungsleitung von Mag. Markus Staudt im Teilrevier Weißer Schrofen im Unterinntal (Gemeinde Strass i. Zillertal), entlang eines schon 2007 entdeckten Pingenfeldes, eine Untersuchung durchgeführt. Im Zuge der Forschungen wurden sechs kleinflächige Sondageschnitte angelegt, bei denen vor allem in Schnitt 2 und Schnitt 6 eine relativ hohe Anzahl an prähistorischen Keramikfragmenten geborgen wurden, die ein weites Spektrum der spätbronzezeitlichen Keramikformen aufzeigen. Kochgeschirr, Schüsseln und Schalen, Vorratsgefäße aber auch Gefäße mit zylindrischen, kegelförmigen oder trichterförmigen Halsformen zählen zu den typischen spätbronzezeitlichen Siedlungsfunden. Sorgsame Herstellung und bewusste Schlackenmagerung aber auch wenig Feinkeramik sind Indikatoren dafür, dass es sich bei der Fundstelle Weißer Schrofen um eine von Bergleuten zeitweise genutzte Abbau- und Aufbereitungsstelle handelt.


Stefan Fiechtner:
Herstellungstechniken und antike Reparaturen an Fibeln des spätlatènezeitlichen Fundkomplexes Ampass-Demlfeld (Nordtirol)

Das Hauptziel der BA-Arbeit bestand darin, die antiken Bearbeitungsspuren sowie Reparaturmaßnahmen an einer Reihe von ausgewählten Fibeln mithilfe von Mikroskopbildern und Röntgenaufnahmen zu dokumentieren. Zudem wurde der experimentalarchäologische Versuch unternommen, eine vom Demlfeld stammende Fibel auf möglichst authentische Art und Weise nachzugießen sowie deren Oberflächenverzierung nachzuarbeiten. Bei jenen Exemplaren, deren Untersuchungen die vielversprechendsten Ergebnisse hervorbrachten, handelt es sich um eine Sanzeno- und eine Certosafibel. So konnte bei ersterer eine Reparatur mittels Altmetall festgestellt werden, sowie die Anwendung der Technik des Überfanggusses. Durch die Untersuchungen an der Certosafibel wurde das Herstellungsprinzip erörtert und erbrachte den Anreiz zur Durchführung des Fibelgussexperiments. Das Resultat dieses Versuches sollte jene Arbeitsschritte dokumentieren, die dem archäologischen Fund vorausgehen und in ihrem Detail erkenntnisreiche Informationen über die Nachbearbeitung und Reparaturen preisgeben.

Herstellungstechniken und antike Reparaturen an Fibeln des spätlatènezeitlichen Fundkomplexes Ampass-Demlfeld (Nordtirol), Bild 1

Herstellungstechniken und antike Reparaturen an Fibeln des spätlatènezeitlichen Fundkomplexes Ampass-Demlfeld (Nordtirol), Bild 2

Nachbildung einer Certosafibel im Überfangguss. (Bild: S. Fiechtner, Inst. f. Archäologien, Univ. Innsbruck)


Fatima Häberling
Konservierung und Rekonstruktion von römischen Wandverkleidungen aus Aguntum

Im Zuge der Lehrgrabung des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck wurde im Sommer 2013 der nördliche Teil des Forums untersucht. In Raum 289 fanden sich dabei an zwei Stellen Marmorfragmente in teilweise sehr schlechtem Zustand. Bei der Ausgrabung waren diese Stücke klar als ehemalige Marmorplatten erkennbar. Die Marmorplatten, die durch Feuer, Verwitterung und Bodenlagerung ihr ursprüngliches Mineraliengefüge verloren haben wurden gereinigt und gefestigt, anpassende Fragmente geklebt.
Jeder Arbeitsschritt wurde dokumentiert und verschiedene Vorgehensweisen erprobt: Reinigungsvorgänge, fünf verschiedene Festigungsmittel, sowie unterschiedliche Vorgehensweisen beim Anbringen von Ergänzungen und Klebungen. Von den zwei Marmorplatten, die über interessante Details wie radiale Aussparungen und Profilierungen verfügen, wurden Rekonstruktionen angefertigt und Profilzeichnungen erstellt. Ebenfalls wurde in der vorliegenden Arbeit auf die Fundlage der Marmorstücke eingegangen, das Verwitterungsphänomen „Verzuckerung“ erklärt, sowie die Herstellung von Steinplatten in römischer Zeit erläutert.
Aus Mangel an Vergleichen muss zum derzeitigen Stand der Forschung von einer genauen Interpretation abgesehen werden. Fest steht, dass es sich um zwei Platten einer Wandverkleidung handelt, die beide mit radialen Aussparungen und Profilierungen versehen sind. Die Platten wurden im Forumsbereich in Raum 289 aufgefunden, in dem sich unter dem Steinversturz eine Brandschicht fand. Bereits aus vorhergehenden Grabungskampagnen sind derartige Brandschichten im Bereich des Forums festgestellt worden. Sie weisen auf eine größere Feuersbrunst am Forum um die Mitte des 3. Jhs. n. Chr. hin. Der Forumsbrand markiert somit den Terminus ante quem der beiden Marmorplatten.
Die Fundsituation beider Marmorplatten lässt vermuten, dass diese vor dem Zeitpunkt der Brandzerstörung bloß an die Wand angelehnt, also dort deponiert worden sind, was gut zur Nutzung des Raumes als Lagerraum passt.
Die Plattenstärke beträgt bei beiden Stücken zwischen 1 cm und 3 cm, die anderen Maßangaben sowie die Anordnung und Größe der radialen Aussparungen variieren jedoch. Die Platte AG 13 / 262 verfügt über eine Breite von 72 cm die Platte AG 13 / 499 über eine Breite von 44 cm. Es ist gut möglich, dass die Plattenhöhen übereinstimmen. Von der einen Platte können wir die Höhe zwischen 40 cm und 100 cm vermuten, bei der anderen wissen wir die ungefähre Höhe von 48 cm.

Häberling
Trockenreinigung der Plattenfragmente aus Marmor. (Foto F. Häberling/U. Töchterle, Inst. f. Archäologien, Univ. Innsbruck)

Theresa Hinterkörner
Spiralhalsreifen der Fritzens-Sanzeno-Kultur. Vom Befund bis zur experimentellen Rekonstruktion am Beispiel eines Fundes von Ampass-Demlfeld.

Bei Grabungen des Instituts für Archäologien auf dem Demlfeld bei Ampass wurde unter anderem ein komplett erhaltener Spiralhalsring mit bandförmigem Mittelteil gefunden. Da die Halsringe aus einem einzigen Stück langen Drahtes bestehen, musste zuerst mittels Literaturrecherche geklärt werden, welche Möglichkeiten der Drahterzeugung in der Latènezeit zur Verfügung standen. Anhand experimentalarchäologischen Versuchen und der Fertigung einer Replik konnte der Herstellungsprozess dieser Spiralhalsringe rekonstruiert werden: Aus einem ca. 30 cm langen, gegossenen Bronzestab wurde ein Draht mit einer Länge von ca. 1,30 m ausgeschmiedet und in der Folge zur Spirale gerollt. Danach wurde das Mittelteil zu einem Band getrieben und mit gebohrten Kreisaugen verziert.

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Repliken mit originalem Spiralhalsreif aus Ampass-Demlfeld (links), Trageversuche (rechts). (Foto Th. Hinterkörner/U. Töchterle, Inst. f. Archäologien, Univ. Innsbruck)


Roman Lamprecht
Keramiktypologie der Fundstelle Weer-Stadlerhof

Ziel der Bachelorarbeit war die Erstellung von Formengruppen für die typologische Zuordnung der Keramikfunde der bronzezeitlichen Fundstelle Weer-Stadlerhof. Bei zwei Grabungskampagnen, die 2005 und 2010 durchgeführt worden sind, traten ca. 79 kg Keramik zu Tage. Bei 95% des gesamten Keramikrepertoires handelt es sich um Grobkeramik, lediglich 5% sind Feinkeramik. Die Wandfragmente stellen mit 89% den größten Teil der Keramik dar, 6% sind Bodenfragmente und die für die Typologie essentielle Gruppe der Randfragmente ist mit nur 5% vertreten. Am Beginn der Arbeit war eine Charakterisierung von Formengruppen nötig, was wiederum Kriterien zur Definition einer solchen Gruppe voraussetzte. Der nächste Schritt war die Vergleichssuche mit anderen Fundstellen aus dem inneralpinen und dem nordalpinen Raum. Auf Grundlage dessen wurde versucht, die Laufzeit und die Verbreitung der einzelnen Formengruppen zu definieren. Zuletzt sollten noch Einflüsse aus angrenzenden Kulturräumen festgestellt werden. Ein erschwerender Faktor war dabei das Fehlen einer einheitlichen Keramiktypologie für die Bronzezeit im Nordtiroler Raum.

Lamprecht
Verzierte Keramikfragmente aus Weer-Stadlerhof. (Bild: R. Lamprecht/M. Staudt/U. Töchterle, Inst. f. Archäologien, Univ. Innsbruck)

Rebecca Sandbichler
Antike Keramikflickungen aus Ascoli Satriano (Foggia, Apulien)

Das Institut für Archäologien führte unter der Leitung von Dr. Astrid Larcher in Ascoli Satriano (Italien, Prov. Apulien) von 1997 bis 2014 Forschungsgrabungen durch. Unter den zahlreichen Keramikfunden aus daunischer Zeit befinden sich auch einige Gefäße und Gefäßfragmente, die antike Reparaturen aufweisen. In der Bachelor-Arbeit wurde der Versuch unternommen, diese Gefäße und Gefäßfragmente wissenschaftlich aufzuarbeiten und gesammelt aufzulisten. Dabei konnten verschiedene Flickmethoden klassifiziert werden, z. B. mit Bleiklammern oder mit einer zähen, bituminösen Füllmasse. Die Untersuchungen der teilweise aufwendigen Flickungen verschaffen grundlegende Einblicke in das antike Töpferhandwerk in daunischer Zeit.

Ascoli Satriano, Colle Serpente Grab A4
Ascoli Satriano, Colle Serpente Grab A4, Pelike (Inv. Nr. 29782), Brandriss mit bituminöser Füllmasse.
Foto: Reyer-Völlenklee, Institut für Archäologien

 

Ascoli Satriano, Colle Serpente Siedlungsbefund Schnitt 1/97/2
Ascoli Satriano, Colle Serpente Siedlungsbefund Schnitt 1/97/2, Kalottenkrater (Inv. Nr. 10.950) mit Bleiflickung am Gebälk.
Foto: Reyer-Völlenklee, Institut für Archäologien

Daniel Turri
Taphonomische Untersuchungen an der Keramik des Brandopferplatzdeposits von Weer/Stadlerhof

Ziel archäologischen Arbeitens ist die möglichst genaue Rekonstruktion der vergangenen Ereignisse. Ein wichtiges Hilfsmittel dafür ist die Taphonomie, die bei modernen, wissenschaftlichen Fundaufarbeitungen nicht mehr wegzudenken ist und wichtige Informationen zur Befundinterpretation liefern kann.
In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, mithilfe taphonomischer Untersuchungen an den Keramikfragmenten der Ausgrabungen des Brandopferdeposits von Weer/Stadlerhof in den Jahren 2005 bzw. 2010 einen chronologischen Überblick zu geben, wann welche taphonomischen Veränderungen aufgetreten sind. Außerdem wurde versucht, Einblicke auf die Verwendung der Keramik, insbesondere im Zusammenhang mit dem Brandopfergeschehen zu geben. Zu diesem Zweck wurde der Erhaltungszustand der gesamten gezeichneten Keramikfragmente (insgesamt 606 Gefäßteile, wobei einige aus mehreren Stücken zusammengesetzt sind) genauer betrachtet und dokumentiert, um ihnen Hinweise auf ihre Vergangenheit zu entlocken und so ihren Lebensablauf zu rekonstruieren.

  Das bronzezeitliche Brandopferplatzdeposit in Weer - Stadlerhof (Tirol). Interdisziplinäre Untersuchungen am Fundmaterial und deren Auswertung

 

Weer
Die Keramik von Weer während der Dokumentation und statistischen Erfassung aller thaphonomischen Merkmale (Foto: U. Töchterle/M. Staudt)

Jasmin Wallner:
Die Herstellung von Fritzener Schalen

Die Fritzener Schale ist ein eisenzeitlicher Keramiktyp, der im Nord- bzw. Südtiroler Raum im Bereich der sogenannten „Fritzens-Sanzeno-Kultur“ ab ca. 500 v. Chr. weite Verbreitung fand. Die Schale gilt auch als eine keramische Leitform dieser Kultur (2. Hälfte 5. – 1. Jh. v. Chr.). In den vergangenen Jahren konzentrierte sich die Forschung mehr auf die Herkunft und Zeitstellung dieser Keramikgattung, als auf ihre Herstellungsweise. An den originalen Stücken von Ampass-Demlfeld erfolgte eine Untersuchung der optischen Merkmale, wie Bruchmuster oder auffällig an den Innenseiten auftretende Verdickungen, die durch den Wulstaufbau zustande kommen. Zusätzlich konnten mittels Röntgenanalysen auch nicht visuelle Merkmale sichtbar gemacht werden, wie Plattengrenzen, die sich anhand der unterschiedlichen Graustufen abzeichnen. Um die verschiedensten Aufbaumethoden zu testen und die einzelnen Herstellungsschritte nachvollziehen zu können, wurden Repliken angefertigt. Angefangen bei der Auswahl des lokalen Tones, über die Magerungszusammensetzung, den Aufbau der Schalen, die Oberflächenbehandlung, bis hin zum Brennen wurden die verschiedensten Möglichkeiten im Experiment getestet und dokumentiert.

Die Herstellung von Fritzener Schalen
Herstellungsversuche von Fritzner Schalen. (Bild: J. Wallner, Inst. f. Archäologien, Univ. Innsbruck)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Simon Wagner:
Erstversorgung von archäologischen Eisenobjekten

Schon seit langer Zeit stellt die Restaurierung von Eisenobjekten ein großes Problem in den archäologischen Wissenschaften dar. Die Probleme treten dabei ab dem Zeitpunkt der Freilegung des Artefakts auf, da hierbei die Umweltbedingungen der Eisenobjekte drastisch verändert werden. Dadurch entstehen mehrere unterschiedliche Korrosionsprodukte, wie Magnetit, Lepidokrokit oder Akaganeit. Akaganeit ist dabei die problematischste Phase, da es durch die starke Volumenzunahme zur Abplatzung von oberflächlichen Schollen kommt und in der sukzessiven Zerstörung des Objekts endet. Um die Ausbildung dieser Phase zu unterbinden wurde eine Versuchsreihe an archäologischen Eisenobjekten aus Aguntum gestartet, in der verschiedene Lagerungs- und Verpackungsmethoden mehrere Monate getestet wurden. Um die einzelnen Korrosionsphasen zu bestimmen, wurden behandelte und unbehandelte Proben anschließend mittels verschiedener Analysemethoden (EMPA, RFA, Raman, PXRD) auf deren mineralogische Zusammensetzung am Institut für Mineralogie und Petrographie der Univ. Innsbruck (Univ.-Prof. Dr. Peter Tropper) untersucht.  

BA_Wagner
Beprobter Eisennagel aus Aguntum (AG 12/351/1) mit Abplatzungen durch Korrosion

Laura Zetzmann:
Keramik aus der eisenzeitlichen Grube Bauernzeche im Nordtiroler Unterinntal

Das in dieser Bachelorarbeit besprochene keramische Material stammt aus der Bauernzeche, einem urgeschichtlichen Kupferabbauplatz im Unterinntal. Die archäologischen Grabungen in der „Oberen Grube“ wurden im Jahr 2016 durchgeführt (M. Staudt, G. Goldenberg – HiMAT). Im Zuge dieser Untersuchungen wurden über 2000 Keramikfragmente mit einem Gewicht von 33 kg aus dem Bereich einer Feuerstelle geborgen. Die hieraus zusammengesetzten Gefäße und Gefäßfragmente galt es zu kategorisieren und anhand vergleichbarer Stücke relativchronologisch zu datieren. Die Seltenheit passender hallstattzeitlicher Siedlungsfunde in Nordtirol stellte eine Herausforderung für die Erstellung einer Typologie dar. Unter Zuhilfenahme datierender Funde aus dem Alpenvorland und Bergbaukontexten in Tirol konnte das Material in die frühe Eisenzeit datiert (HaC) werden. Somit stellt die Bauernzeche eine der wenigen Fundstellen dieser Zeit in Tirol dar.

BA_Zetzmann
Gefäß 331 mit Fingertupfenleiste und Schale 11 mit Innenbemalung aus der Bauernzeche

Vlado Zdjelar:
Die Wandmalerei von Raum R 263 am Forum des Municipium Claudium Aguntum (mit einem praktischen Beitrag zur Konservierung; Hauptbetreuung: Mag. Dr. Martin Auer)

Die in den Jahren 2010 und 2011 geborgenen Wandmalereifragmente aus dem Forum in Aguntum nahmen nicht nur durch die in der Mitte des 3. Jahrhundert n. Chr. stattgefundene Feuersbrunst schwere Schäden, auch die über Jahrhunderte einwirkenden sauren Verhältnisse im Erdreich des Forums beeinträchtigten den Erhaltungszustand. Dieser wenig erfreuliche Zustand der Malerei stellte eine große Herausforderung für den Bearbeiter dar. Die durchgeführten konservatorischen Maßnahmen verlangten viel Geduld, Diskussionen und Fingerspitzengefühl. So konnten durchaus aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden, die für einen Rekonstruktionsversuch essenziell waren. Die bearbeiteten Wandmalereifragmente befinden sich heute im Museumsdepot von Aguntum in Dölsach bei Lienz/Osttirol.

BA_Zdjelar

Fragment AG10/315/10 in unterschiedlichen Konservierungsstadien

 

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