Die römische Annalistik und ihr Einfluss auf das Bild der Geschichte der römischen Republik (300-100 v.Chr.)

 

Projektleiter: Univ.-Prof. Mag. Dr. Christoph Ulf

 

Projektbeschreibung:

Mit dem Projekt ist beabsichtigt, den Einfluss der Annalistik auf das Bild der Geschichte der römischen Republik von 300-100 v.Chr. zu untersuchen. Die Beurteilung der Annalistik beruhte bisher vorwiegend auf einer Analyse der Tradition zur frühen Phase der römischen Republik (bis etwa 300 v.Chr.). Die antiken Darstellungen zur römischen Geschichte der mittleren Republik bedürfen aber einer wesentlich kritischeren Durchsicht, als bisher gemeinhin angenommen wurde. Denn die Annalistik verstand es nicht nur, ihre mitunter von politischen Interessen motivierten „Verformungen“ in die auch für einen Römer unsichere frühe Phase der Republik zu setzen. Auch in den Traditionen zur „historisch hellen“ Zeit finden sich annalistische Konstruktionen und Konzepte mit extremer Tendenz.

Die Untersuchung ist von mehrfacher Bedeutung. Sie verspricht Aufschluss über den Charakter der Werke einzelner Annalisten und über deren Auffassung von Geschichtsschreibung. Dadurch können auch neue Einsichten in die kompetitive Oberschicht der römischen Gesellschaft, der die Annalisten fast alle angehörten, erwartet werden. Daraus ergeben sich mitunter auch präzisere Vorstellungen vom Verhältnis der Historiographie zur realen Politik. Schließlich können neue Erkenntnisse zum Ablauf der Geschichte der römischen Republik insgesamt gewonnen werden.

Durch die Analyse der römischen Wertewelt und der senatorischen Konfliktkultur soll der gesellschaftliche Kontext, in welchem die Annalisten ihre Werke schrieben, erfasst werden.

 

In der ersten Phase des Projekts (2004 bis 2006, Projektmitarbeiter: Mag. Dr. Helmut Berneder) wurden die Fragmente des Sempronius Asellio für eine wissenschaftliche Analyse herangezogen.

 

In der zweiten Phase des Projekts (2006 bis 2007, Projektmitarbeiterin: Mag.a Dr.in Kordula Schnegg) wird ein besonderes Augenmerk auf die literarischen Zeugnisse des Valerius Antias gelegt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit seinen Aufzeichnungen erfolgt auf zwei Ebenen: Zum einen werden die Fragmente, die dem Annalisten zugeschrieben werden, mit der Frage nach der Autorenintention kritisch untersucht. Zum anderen steht die Bedeutung seines Schaffens für die Konstruktion der römischen Geschichte in den Arbeiten späterer Historiographen, vornehmlich Livius’ und Appians, im Mittelpunkt des Forschungsinteresses.

 

The Roman annalistic project