Sumerische Lexikographie in Innsbruck

 

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Bibliographie


Geschichte

Am Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik (vormals: Institut für Sprachen und Kulturen des Alten Orients) besteht eine Sammlung von ca. 150.000 maschinschriftlichen Karteikarten. Mit Prof. Karl Oberhuber (1915-1992) wurde der Grundstein für die Lexikographie des Sumerischen in Innsbruck gelegt. 1993 wurde das Projekt auf EDV umgestellt (s. M. SCHRETTER, Der Einsatz von EDV für das Projekt "Sumerisches Lexikon" am Institut für Sprachen und Kulturen des Alten Orients an der Universität Innsbruck. In: Akkadica 78, 1992, 43-49); hier sind z.Z. ca. 5.500 Belege erfasst, die über 25.000 Verknüpfungen 3.600 Stichwörtern zugewiesen sind.

Der bislang erschienene Band des Innsbrucker Sumerischen Lexikons ist OBERHUBER, Karl, Sumerisches Lexikon zu 'George Reisner, Sumerisch-babylonische Hymnen nach Thontafeln griechischer Zeit (Berlin 1896)' (SBH) und verwandten Texten. Mit einem akkadisch-sumerischen Register, zusammengestellt von Manfred Schretter, Innsbruck 1990.

 

Projekt „Glossar zu den sumerischen kanonischen Balaĝ-Liedern“

Im Jahre 2011 wurde mit dem vom FWF geförderten Projekt „Glossar zu den sumerischen kanonischen Balaĝ-Liedern“ (Einzelprojekt P23323) begonnen. Ziel ist es, ein bestimmtes Teilcorpus („modular“) der sumerischen Literatur lexikographisch zu erfassen.

Die dem Glossar zugrunde liegenden Texte

Die Erforschung der sumerischen Sprache ist nach wie vor im Fluss und ein umfassendes Lexikon bleibt ein Desiderat. Zeitgenössische Bemühungen zur lexikographischen Erfassung des Sumerischen konzentrieren sich v.a. auf literarische und administrative Texte, vernachlässigen aber die anvisierte Textgruppe. Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Glossars zu den sumerischen kanonischen Balaĝ-Liedern, die einen Teil des Repertoires des Gala, eines Kultsängers, bildeten. Diese Texte sind im „Dialekt“ des Emesal, der sogenannten "Frauensprache", überliefert und stammen aus dem zweiten und ersten Jahrtausend vor Christus. Hauptgrund für die Auswahl der Balaĝ-Lieder ist das Fehlen der lexikalischen Aufarbeitung dieser Texte, was wohl auch lange zu einer gewissen Vernachlässigung derselben in der Forschung geführt hat. Die Balaĝ-Lieder stellen zudem eine wichtige Quelle für die Religionsgeschichte und die diachrone Entwicklung des Sumerischen dar.
Die Abgrenzung des Corpus folgt dem antiken literarischen Katalog 4R2 53+, der die einzelnen Balaĝ-Lieder in ihrem liturgischen Kontext anführt. Dieser Katalog dient noch heute als Grundlage für die Einteilung und Benennung der einzelnen Lieder. Die Textgrundlage für das Glossar bilden die publizierten Editionen, Kolla-tionen werden bei Bedarf durchgeführt.

Präsentation

Die endgültige Darstellungsform des Lexikoneintrags wird im Laufe des Projekts erarbeitet werden. Der Aufbau wird jedoch etwa folgendem Schema folgen: Lemma, Quellen für Phonetik, Wortart, Hauptbedeu-tungen und eine Übersicht über die abgeleiteten Bedeutungen. Etwaige akkadische Übersetzungen werden angeführt und mit Kommentierungen versehen, wie es etwa im Fall von manchen Interlinearübersetzungen, die keine Übersetzungen im literalen Sinne, sondern Übersetzungen mit kabbalistischen Tendenzen sind, unbedingt als notwendig erscheint. Details zum syntaktischen und kontextuellen Gebrauch, sowie ein Hinweis auf die wichtigste Literatur und notwendige enzyklopädische Angaben sollen den Gebrauch des Glossars erleichtern.

Publikation

Das Glossar wird in einer Datenbank erarbeitet, die inzwischen schon einige tausend Einträge enthält, und die Vorteile der elektronischen Datenverarbeitung, wie etwa Volltextsuche, nützt. Zwischenergebnisse werden auf Konferenzen präsentiert, wobei die Organisation einer Konferenz in den nächsten zwei Jahren beabsichtigt ist. Wichtige Einzelergebnisse werden als Aufsätze publiziert. Vorläufige Versionen des Glossars werden in einer frei zugänglichen Datenbank und als PDF-Buch im Internet zur Verfügung gestellt, was den Vorteil einer schnellen und einfachen Überarbeitbarkeit mit sich bringt. Eine endgültige Version des Glossars soll in gedruckter Form vorgelegt werden. Mit diesem Glossar soll die Tradition der lexikographischen Erschließung des Sumerischen an der Universität Innsbruck wiederbelebt und fortgesetzt werden.