Förderungspreis für interdisziplinäre Forschung im Alpinen Raum

Die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ der Universität Innsbruck.  

2009

Die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ der Universität Innsbruck schreibt seit 2006 jährlich den Förderpreis für Interdisziplinäre Forschung aus. Der mit jeweils 1000 Euro dotierte Preis richtet sich an Studierende im Alpinen Raum und soll interdisziplinäre und transdiziplinäre Ansätze fördern. Der Preis für das Jahr 2009 wurde Dr. Ralf Michael Schnitzhofer und Mag. Martin Reiser zuerkannt.


Foto: Die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ der Universität Innsbruck.




Preisträger 2009

    Ralf Michael Schnitzhofer: “Distribution and Transport of Air Pollutants in an Alpine Valley”
In der Dissertation von Ralf Schnitzhofer wird der Einfluss der Topographie eines Alpentales auf die Schadstoffausbreitung beschrieben. Besonderes Augenmerk wird dabei auf das Talwindsystem und die Entstehung von Inversionsschichten gelegt. Im Weiteren wird die spezielle Situation des Inntals als stark frequentierte Transitroute hervorgehoben. In diesem Zusammenhange werden die verkehrsbedingten Emissionen von Schadstoffen und deren Ausbreitung und die Gesundheitsbeeinträchtigung für die Bewohner im Alpinen Raum diskutiert.
Nach einer Beschreibung der am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik entwickelten PTR-MS Technologie folgt die Vorstellung der Internationalen Messkampagnen ALPNAP, INNAP und INNOX. Diese Forschungskampagnen verfolgen das gemeinsame Ziel ein möglichst komplettes dreidimensionales Bild der Schadstoffverteilung im Inntal während typischer Wintertage zu erhalten. Dazu wurde in gemeinsamen Messungen an einer Bodenstation bei Schwaz und mit zwei Flugzeugen die Schadstoff- und Partikelverteilung im Inntal im Winter 2006 untersucht. Die wissenschaftliche Relevanz der erhaltenen Ergebnisse sowie die wissenschaftlich Breite und die produktive Arbeit von Ralf Schnitzhofer wird durch die im Rahmen der Dissertation entstandenen 7 Publikationen in international referierten Fachzeitschriften mit hohem Impaktfaktor auf dem Gebiet der Atmosphärenwissenschaften und die 14 auf internationalen Fachtagungen präsentierten Poster und den 6 Vorträgen unterstrichen.

Martin Reiser: „Geologie und Hydrologie der Brennerberge südlich des Obernbergtals, Tirol, Österreich/Italien“
Die durch die Fischereigenossenschaft Obernbergersee an das Institut für Geologie und Paläontologie herangetragene Frage nach möglichen Seespiegelschwankungen erforderte einen breiten Ansatz. Der in den 90-er Jahren auf italienischer Seite gebaute Bahntunnel nach Gossensass wurde immer wieder als Grund für größere Wasserverluste im Bereich des Obernbergersees angesehen. Somit erhalten die Untersuchungen von Herrn Reiser eine hohe Relevanz im Zusammenhang mit dem derzeitigen Bau des Brennerbasistunnels. Neben einer grundlegenden geologischen Kartierung im Maßstab 1:10.000 wurden, in Zusammenarbeit mit Dr. Ulrich Burger (BBT), hydrologische Daten gesammelt und ein hydrogeologisches Modell entwickelt. Unterstützend wurden sowohl historische Daten und Aufzeichnungen ausgehoben als auch Personenbefragungen durchgeführt, die wesentlich in die abschließende Interpretation einflossen. Aus geologischer Sicht wurde eine Zeitspanne von ca. 300 Millionen Jahren bearbeitet. Sowohl frühe tektonische Prozesse während der variszischen Gebirgsbildung als auch heutige geomorphologische Aspekte waren gleichermaßen bedeutend für das Verständnis. Die erfolgte Diplomkartierung wurde in das kürzlich veröffentlichte Kartenblatt Brenner der geologischen Bundesanstalt integriert. Die Ergebnisse seiner Arbeit stellte Herr Mag. Reiser sowohl an wissenschaftlichen Tagungen wie auch im Rahmen eines Vortrages in der Gemeinde Obernberg einem breiten Publikum vor. Eine Publikation seiner Arbeit befindet sich beim „Austrian Journal of Earth Sciences“ im Druck. Die Arbeit von Herrn Reiser zeigt beispielhaft die Faszination alpiner Forschung, die neben hochqualitativer moderner Datenerhebung auch immer wieder auf essentielle historische Informationen zurückgreifen kann und somit einen Beitrag zu aktuellen Problemen im Lebensraum Alpen (z.B.: Brennerbasistunnel) leisten kann.