Universität Innsbruck

Überblick

Vladimir Vasic
Sportlerherz


Vladimir Vasic steigt in den Aufzug, streift mit der Hand über die Tasten und drückt die Eins. Im ersten Stock des Geiwi-Turms befindet sich ein Aufenthaltsraum für Blinde und Sehbehinderte. Sicheren Schrittes bahnt er sich den Weg durch die Gänge und erklärt: „Ich musste schon in frühen Jahren lernen, selbst auszukommen und das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“ Vladimir wuchs in Schwaz auf. Seine Eltern schickten ihn als kleinen Buben in die dortige Volksschule. Die Lehrerin bemerkte aber schnell, dass er schlechter sieht als seine Eltern vermutet hätten und empfahl ihnen die Blindenschule in Innsbruck. Hier tat Vladimir seine ersten Schritte in die Selbstständigkeit. „Meine Schulzeit hat mich am meisten geprägt“, sagt er heute. Nach abgeschlossener Volksschule zog der 16-jährige Tiroler mit serbischen Wurzeln in ein Internat nach Graz. Dort schloss er seine Ausbildungen zum Heilmasseur und zum Koch ab, um sich daraufhin in Wien zum Telefonisten ausbilden zu lassen. Diesen Beruf übt er heute an der Uni Innsbruck aus.

Weltmeisterlich

Bei seinen Kollegen und Freunden ist er für seine Direktheit bekannt: „Es gibt nicht wenige, die mich aufsuchen, und mich um Rat in Lebensfragen bitten“, meint Vasic. Er sei nämlich ein guter Zuhörer und strikter Denker: „Ich sage den Leuten immer, was Sache ist. Bei einigen kommt das gut an, bei anderen nicht.“ Neben der Direktheit hat ihm seine Zielstrebigkeit im sportlichen Leben zum ein oder anderen Erfolg verholfen. Vladimir Vasic ist nämlich ein Name in der internationalen Torball-Szene, einer blindengerechten Sportart, bei der drei Athleten versuchen einen Ball ins gegnerische Tor zu rollen, während drei Gegner versuchen dies zu verhindern, um daraufhin selbst in Offensive zu gehen. Mit seinem Torball-Verein BSS Tirol wurde er mehrfach österreichischer Meister, konnte den Europacup sowie den Weltcup gewinnen. Letzteren sogar dreimal hintereinander. „Das gelang bisher noch keiner Mannschaft“, sagt Vasic stolz. Den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte er aber 2015 als er sich mit seinem Team in der Schweiz den Weltmeistertitel sichern konnte.

Was Sehende nicht sehen

Weitere Ambitionen im Torball hat der 48-jährige nicht: „Die Jüngeren sollen jetzt nachrücken“, meint Vasic. Er trainiert immer noch zwei Stunden in der Woche, trifft sich gerne auf ein Bier im Vereinszentrum, möchte aber kürzer treten. Seine Partnerin hat nämlich einen achtjährigen Sohn, der ihn körperlich und seelisch fit und auf Trab hält. Und manchmal entdeckt er vieles von sich selbst in ihm wieder und gibt lachend zu: „Ich kann auch ein ausgesprochener Kindskopf sein!“ Damit das so selten wie möglich vorkommt, betreibt Vladimir Vasic neben Torball auch andere Sportarten: So findet man ihn beispielsweise oft am Schießstand. Eine spezielle Vorrichtung wandelt Licht in akustische Signale um. Auf diese Weise können Blinde mit ihrem Gehör zielen: „Viele Sehende können das nicht verstehen“, meint der leidenschaftliche Sportler und erklärt, dass er auch Schachspieler ist. Ein Schachbrett sei dafür aber nicht nötig, dieses trage er immer in seinem Kopf herum. „Beim Blindschach braucht es nur zwei Menschen, die gerne Schach spielen und die Züge mit ihrem geistigen Auge nachvollziehen können“, sagt Vasic. Vieles, so Vladimir, bleibe für Sehende eben unsichtbar.

(Autor: Haris Kovacevic)

Steckbrief

Vladimir VasicFotos: Axel Springer

Name

Vladmimir Vasic

Funktion

Telefonist

An der Uni seit

1992

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Schwaz

 


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