Universität Innsbruck

Überblick

Rudolf Grimm
Experimentalphysiker und Youtuber


Rudolf Grimm hängt eine rote apfelgroße Eisenkugel an ein Stahlseil, das an der Decke des Hörsaals befestigt ist. Er nimmt die Kugel in die Hand und geht mit ihr drei Schritte zur Seite. Dort führt er sie ganz nahe an sein Gesicht heran und lässt sie los. Die Kugel schwingt vor und zurück. Kurz vor seiner Nase macht sie wieder kehrt. Der Professor bleibt die ganze Zeit stehen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. „Wie kann ich mir sicher sein, dass sie mich nicht trifft?“, fragt Rudolf Grimm, als ob er in einer Vorlesung wäre. „Dieses einfache Experiment zeigt, dass die Kugel wegen der Energieerhaltung immer auf die gleiche Höhe schwingt.“ Mit diesem Versuch, den er „Pendel des Schreckens“ nennt, beginnt er immer die Grundvorlesung Physik bei den Erstsemestrigen.

Laser und superkalte Materie

Grimm ist seit 2000 Professor für Experimentalphysik an der Uni Innsbruck und seit 2003 Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Als Forscher beschäftigt sich Grimm mit superkalter Quantenmaterie. „Ich kühle atomare Gase auf extrem niedrige Temperaturen – in den Bereich von Milliardstel Kelvin, sodass sich die Materie rein nach Gesetzen der Quantenmechanik verhält“, erklärt der Experimentalphysiker. „Dafür verwenden wir Laserstrahlen.“ Die Temperaturen liegen ganz nah am absoluten Nullpunkt, der −273,15 Grad Celsius entspricht. Anders als man meinen könnte, heizen Laser die Atome nicht auf, sondern halten sie wie eine Pinzette fest. Grimm will mit seiner Arbeit grundlegende Mechanismen verstehen, wie sie unter anderem in Festkörpermaterialien herrschen.

Musik vs. Moleküle

Bereits zu Schulzeiten war für Rudolf Grimm klar, dass seine Talente im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich liegen, erzählt er. Aufgrund seines Lehrers, der ihn für das Fach begeistern konnte, und seiner Faszination für Laser, entschied sich der gebürtige Mannheimer schließlich 1980 für ein Physikstudium in Hannover. Heute zählt Laserlicht zum Standardwerkzeug in seiner Arbeit. Zu Beginn des Studiums verbrachte Grimm seine Zeit jedoch nicht nur in den Laboren der Uni, sondern auch in Proberäumen und auf Bühnen. Zur Hochzeit der Neuen Deutschen Welle Anfang der 1980er Jahren spielte er nämlich als Gitarrist in der Poppunk-Band „Bärchen und die Milchbubis“. „Wir waren einigermaßen erfolgreich und haben auch ein paar Schallplatten produziert“, erinnert sich der ehemalige Musiker zurück. „Es war eine sehr kreative Zeit. Man hatte damals das Gefühl, dass eine verkrustete Musikszene aufbrach.“ Über viele Dinge könne er heute herzlich lachen.

Experimentieren in Russland

Seine Gitarre besitzt Grimm zwar noch, Musik macht er aber keine mehr. Schon lange ist der Beruf sein Hobby. Der Experimentalphysiker arbeitet viel zu Hause und am Wochenende, vor allem um auf neue Ideen zu kommen. „Am besten funktioniert ein kreativer Prozess, wenn der Tag gut mit einem feinen Frühstück beginnt“, berichtet er. „Wenn ich mich dann hinsetze und ungestört bin, komme ich in einen Zustand, in dem ich über bestimmte Dinge tiefer nachdenken kann.“ Neben der Forschung ist Grimm die Lehre sehr wichtig. Der Professor, der in Moskau als Postdoc tätig war, mit einer Russin verheiratet ist und drei Kinder hat, betreut seit 2012 eine Kooperation mit der Universität in Kasan. Jedes Jahr begleitet er Studierende der Uni Innsbruck für zwei Wochen in die russische Millionenstadt, um mit ihnen dort an der Uni Experimente durchzuführen. Die Ausstattung der Labore ist hochmodern, sagt Grimm, die Russen haben große Summen investiert. „Es ist für mich ein tolles Erlebnis zwei Wochen mit Studierenden in einem Wohnheim zusammen zu sein. Es ist ein sehr effizientes Lernen.“

Filme für die Vorlesung

Womit sich der Experimentalphysiker in Kasan mit seinen Studierenden beschäftigt, veranschaulichen Videos auf dem Youtube-Kanal der Uni Innsbruck, die der Professor erstellt hat. Die Videoproduktion ist sein jüngstes Hobby. Er findet großen Spaß daran, Filme zu drehen und zu schneiden, erzählt er. Auch in der Lehre setzt er sie als ergänzendes Material ein, beispielsweise um Effekte darzustellen, Versuche zu zeigen und kleine Aufgaben zu geben. „Ich habe noch sehr viele Ideen, aber es kostet immer so wahnsinnig viel Zeit“, sagt Grimm. Auch das „Pendel des Schreckens“ findet man auf Youtube. Und spätestens bei diesem Video wird klar, dass auch Humor zu den Eigenschaften des mehrfach ausgezeichneten Experimentalphysikers zählt.

(Autorin: Eva Schwienbacher)

Steckbrief

Rudolf Grimm
Fotos: Franz Oss

Name

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Grimm

Funktion

Professor für Experimentalphysik

An der Uni seit

2000

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Mannheim

 


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