Universität Innsbruck

Überblick

Reto Stauffer
Neues ausprobieren


Durch die neuen Räumlichkeiten des Digital Science Center (DiSC) am Innrain spaziert Reto Stauffer in Socken über den steril wirkenden Boden. Er fühlt sich sichtlich wohl. „Bald“, so hofft er, „wird hier etwas mehr Leben einkehren.“ Die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen hätten noch an anderen Instituten zu tun. Auch Reto ist zum Teil hier und zum Teil auf am Institut für Statistik. Angefangen hatte er aber am Institut für Atmosphären und Kryosphärenwissenschaften – damals vor 13 Jahren, als er nur mit einem Rucksack ausgestattet in Innsbruck ankam.“

Auf Kurs

„Studieren stand eigentlich nie wirklich zur Diskussion“, sagt Reto als er sich an seine frühe Jugend erinnert. Gebürtig kommt der Meteorologe aus dem St. Galler Rheintal. Dort, so sagt er, ist die Lehre der eigentlich übliche Weg für junge Menschen. So habe auch er mit 15 Jahren entschieden, technischer Zeichner für Elektroanlagen zu werden. Nach seinem Abschluss bekam er einen guten Job mit hervorragenden Zukunftsaussichten. Warum er 2006 trotzdem seinen Rucksack packte und sich auf den Weg nach Innsbruck machte, weiß er heute nicht mehr genau. „Ich war immer schon ein wissbegieriger Mensch“, sagt Reto. Womöglich habe es ihn damals einfach gereizt, etwas Neues im Leben auszuprobieren. So stand er 23-jährig an einem Montag mit seinem Rucksack vor einer Gruppe Mitstudierender auf dem Campus und fragte, wo er sich denn anmelden könne und wann die ersten Vorlesungen anstehen würden. „In fünf Minuten“, war die Antwort. Reto musste erkennen, dass er im universitären Labyrinth noch nicht den Durchblick hatte. Er wusste nichts von Voranmeldungen oder Vorbesprechungen. Doch zwei Eigenschaften hätten ihn immer auf Kurs gehalten: „Ich bin neugierig und motiviert.“

Wissenschaft nahe am Menschen

Obwohl ihm das akademische Umfeld neu war, fand er sich nach einigen Monaten darin gut zu recht. Seine Lehre erlaubte ihm einen praktischeren und konkreteren Blick auf die Aufgaben und Anforderungen der Uni. So wurde Reto auch als Student erfolgreich, schloss sein Studium in Mindestzeit ab und promovierte sogar. Der Meteorologe spezialisierte sich auf die Entwicklung von statistischen Verfahren zur genaueren Wettervorhersage. Dafür entwickelte er als Teil eines Teams Methoden und Software, die auch für andere Fachbereiche interessant sein könnten. Nun baut er zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fakultäten das DiSC auf. Die neue Organisationseinheit der Uni soll die Digitalisierung in der Forschung fördern und die Uni weiter vernetzen. Reto möchte sich hier stark einbringen. „Die Uni muss näher an die Menschen herankommen.“ Sie dürfe sich nicht zum akademischen Elfenbeinturm entwickeln. Die neu entwickelten Tools sind daher interdisziplinär und sollen für jeden zugänglich sein. Das sei ihm als Menschen und Wissenschaftler wichtig. Anfangs sei er von Freundinnen und Freunden in der Schweiz noch belächelt worden, weil er einen sicheren Hafen verlässt und ein Studium beginnt. Mittlerweile akzeptiere man dort aber seine Entscheidung. Den Spitznamen „Student“ muss er sich aber weiterhin gefallen lassen. Das mache ihm nichts aus. Er wisse nämlich, dass er sein Leben lang lernen und auf eine gewisse Weise immer der Typ bleiben will, der seinen Rucksack packt und sich auf den Weg macht, um einfach etwas Neues auszuprobieren.

(Autor: Haris Kovacevic)

Steckbrief

Reto StaufferFotos: Franz Oss

Name

Mag. Reto Stauffer, PhD

Funktion

Assistenz-Professor am Institut für Statistik und dem Digital Science Center

An der Uni seit

2006

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Widnau, Kanton St. Gallen (CH)

 


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