Universität Innsbruck

Überblick

Justin Lawley
Immer in Bewegung


Betritt man Justin Lawleys Büro am ruhiggelegenen USI-Gelände sticht sofort eines ins Auge: Ein naturbelassenes Holzregal bestückt mit verschiedensten Utensilien zur Kaffeezubereitung. Das Herzstück: Eine silberne Siebträgermaschine links oben, direkt hinter Lawleys Schreibtischstuhl. „Ich muss ganz ehrlich sein, ich liebe den Prozess, Kaffee zu machen. Was den Geschmack betrifft, bin ich jedoch kein Connaisseur“, erzählt der Professor für Sportwissenschaft. Mit dem Mahlgrad und dem Volumen der Bohnen zu spielen, das sei es, was seine Leidenschaft ausmache. Gewissermaßen ist es der wissenschaftliche Aspekt hinter dem perfekten Kaffee, der ihn eingenommen hat. „Zu versuchen, das Optimum aus all diesen Dingen herauszuholen, um den Kaffee so zu brauen, dass er gut aussieht und schmeckt.“

„Athletes, Altitude and Astronauts“

Das Optimum herausholen ist auch das, was seine wissenschaftliche Forschung und seinen Zugang zu Sport ausmacht. Selbst erklärt er sein Feld in drei Worten: „Athletes, Altitude and Astronauts”. Denn Höhe und damit einhergehend wenig Sauerstoff ist etwas, das Astronauten und Alpinsportler verbindet. Bevor er 2017 mit seiner Familie nach Innsbruck übersiedelte, arbeitete Lawley für die NASA am renommierten „Institute for Exercise and Environmental Medicine“ in Dallas. An eine Studie zur Gravitationsphysiologie erinnert er sich besonders gerne zurück, bei der viele seiner Kolleginnen und Kollegen glaubten, sie sei zu kompliziert und daher nicht durchführbar. „Dann bin ich wie ein Kind. Wenn du mir sagst ,das kannst du nicht‘, dann gebe ich eintausend Prozent.“

Wissen weitergeben

Das Wissen, das er sich in den rund 15 Jahren seiner sportwissenschaftlichen Karriere angeeignet hat, gilt es in Innsbruck nun Studierenden weiterzugeben. Die Lehre, die Forschung und die Organisation als Studienbeauftragter halten den englischsprachigen Lawley auf Trapp. Dabei war es eine relativ späte Karriereentscheidung: „Bis Mitte 20 habe ich nie daran gedacht, Wissenschaftler zu werden.” Auch deshalb, weil ihm die Vorbilder gefehlt haben. Selbst in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, habe er sich nicht in den Wissenschaftlern wiedergefunden, die sich eloquent ausdrücken und weiße Kittel tragen. Selbst trägt er am liebsten Shorts und T-Shirt. So lassen sich Arbeitspausen gut im universitären Fitnessstudio am USI verbringen. „Ich denke, dass es wichtig ist, jungen Menschen zu zeigen, dass Wissenschaftler auch nur normale Leute sind“, meint er.

Es lebe der Sport

Justin Lawley kommt aus dem „Stubaital von North Wales“, wie er selbst sagt. Wie viele junge Menschen wollte er nach der Schule hinaus in die große Stadt, in seinem Fall nach Manchester, wo er sich ins Studium Computing and Mathematics inskribierte. „Nach sechs Monaten habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich wollte mein Leben nicht vor dem Computer verbringen – auch wenn ich das jetzt hauptsächlich mache“, lacht er. Einige Jahre später kehrte er an die Uni zurück, ging dieses Mal allerdings nach Bangor, eine 16.000 Einwohner Stadt im Nordwesten von Wales. Umgeben von Küste und Bergen ist das der perfekte Ort für das Studium Sportwissenschaft und Outdoor Activities. „Jede Woche sind wir Bergsteigen, Kajaken, Mountainbiken oder Klettern gegangen”, schwärmt er. Diese Sportlichkeit hat er sich beibehalten, so kam es durchaus vor, dass er morgens aus dem Stubai nach Innsbruck lief oder radelte. Heute, ein paar Jahre später, geht er es gelassener an, und lässt den Abend lieber sportlich mit seinen drei Kindern und Husky Major im Stubaital ausklingen.

Ehrgeiz macht sich bezahlt

Wenn Wissenschaft ein Sport wäre, wäre er in Sachen Schnelligkeit wohl einer der besten. Gerade einmal einige Tage nach dem Start des Bachelorstudiums wusste er: „Das ist es.“ Den Master ausgelassen, direkt den PhD absolviert, Postdoc, fünf Jahre später war er Professor. „Es gibt eine alte Theorie in den Sportwissenschaften, die besagt, wenn du 10.000 Stunden trainierst, bist du ein Profi“, sagt Justin Lawley und hat sie auf seinen Beruf umgelegt. Zwar war der Weg nicht immer einfach, doch heute freut sich der 39-Jährige einer der jüngsten Professoren an der Universität zu sein: „Ich verdiene gut und wohne an einem wunderbaren Ort.“ Einem Ort, der sich aus sportwissenschaftlicher Perspektive insbesondere durch einen Aspekt auszeichne: „Innsbruck ist ein ungewöhnlicher Fleck Erde, den die ungesunde westliche Ernährung und die fehlende physische Aktivität noch nicht erreicht haben.“ Optimale Voraussetzungen also, um an sportlichen Körpern zu forschen.

(Autorin: Theresa Kleinheinz)

Steckbrief

Justin LawleyFotos: Axel Springer

Name

Univ.-Prof. Justin Lawley, PhD

Funktion

Professor und Studienbeauftragter am Institut für Sportwissenschaft

An der Uni seit

2017

Wohnort

Neustift im Stubaital

Herkunft

North Wales

 


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