Universität Innsbruck

Überblick

Ina Friedmann
Die fabelhafte Welt einer Historikerin


Beim ersten Blick in Ina Friedmanns Büro in den luftigen Höhen des GEIWI-Turms fällt einem ein Fabelwesen ins Auge. Ein weißer Einhornkopf, wohlgemerkt aus Plüsch, bewacht die Arbeitsplätze wie eine Trophäe. „Eine liebe Kollegin hat unser Büro mal als ‚Einhornbüro‘ bezeichnet“, verrät Ina Friedmann. Mit „uns“ meint sie sich und ihren Kollegen Christof Aichner. Die beiden teilen sich das „Einhornbüro“. Dort werden die Archivrecherchen der Geschichtsforscherin zu wissenschaftlichen Texten. Als Zeithistorikerin mit Fokus auf Medizingeschichte sitzt sie nicht nur in der Uni und liest, obwohl man das angesichts der hohen Bücherstapel meinen könnte. Sie ist viel unterwegs, kommt dabei auch raus aus Innsbruck und treibt sich in Vorarlberger, Salzburger, Wiener und Berliner Archiven herum. Dabei stieß sie auch auf so manche Besonderheit: „Einmal hab ich ein Kondom aus dem frühen 20. Jahrhundert gefunden.“ Lachend fügt sie hinzu: „Unbenutzt natürlich.“

Traumjob Historikerin

Für Geschichte hat sich Ina Friedmann schon immer interessiert, dass sie Historikerin wird, stand aber nicht von Anfang an fest. „Es hat lange gedauert, bis mir klar geworden ist, dass es nicht nur ein spannendes Hobby sein muss, sondern dass ich daraus einen Beruf machen kann.“ Dass die Zeitgeschichte, jene Epoche nach dem ersten Weltkrieg, ihre Leidenschaft ist, stand immer außer Frage. Ina Friedmann hat auch Latein studiert. „Das ist das andere Ende des historischen Spektrums.“ Am wohlsten fühlt sie sich aber im 20. Jahrhundert. Insbesondere hat es ihr die Medizingeschichte angetan. Der Reiz daran lässt sich für Ina Friedmann kaum in Worte fassen: „Faszinierend ist eigentlich alles.“ Geschichte ist für sie nicht nur Vergangenheit. Sie interessiert sich vor allem für die Themen, die in die Gegenwart hereinreichen. „Es geht darum, aufmerksam zu sein und Fragen zu stellen.“

Jubiläumsjahr

An der Vorbereitung für das 350-Jahr-Jubiläum der Uni Innsbruck war Ina Friedmann maßgeblich beteiligt. Die Geschichte der Universität im 20. Jahrhundert hat sie gemeinsam mit dem Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät, dem Zeithistoriker Dirk Rupnow in Buchform aufgearbeitet. Ihr geht es aber auch darum, Geschichte über andere Medien näher zu bringen. Im Frühling 2019 war sie an der Organisation des Hörsaaltheaters „Der einzige Feind, den es wert ist zu hassen“ beteiligt. Anlässlich einer künstlerischen Intervention beim Ehrenmal der Universität hat sie, ebenfalls gemeinsam mit Dirk Rupnow, Informationstexte geschrieben. So vielfältig die Quellen in den Geschichtswissenschaften sind, so divers sind auch die Möglichkeiten, Geschichte zu vermitteln.

Von Ost nach West

Die aktuelle Forschung zum Thema „Unfruchtbarmachung“ und „freiwillige Entmannung“ ist bereits ihr drittes Projekt an der Uni Innsbruck. Begonnen hat zwischen Ina Friedmann und der Alpenstadt alles im Jahr 2014. Damals verließ sie Wien für das Forschungsprojekt „Die Kinderbeobachtungsstation der Maria Nowak-Vogl". Das aktuelle Projekt zur Zwangssterilisierung im Nationalsozialismus steht kurz vor dem Abschluss. Im Februar soll es fertig sein. Ina Friedmann wird aber weiterhin in Tirol bleiben. Die Wienerin hat die Vorzüge von Innsbruck schnell zu schätzen gelernt. „Ich hab’s mir schwieriger vorgestellt.“ Im Gegensatz zu Wien sind die Distanzen kürzer. Außerdem waren die Leute von Anfang an freundlich, was es ihr leicht gemacht hat, sich wohlzufühlen. Außerhalb der Arbeit trifft sich die 34-Jährige mit Freunden. Der Freundeskreis in Innsbruck ist mittlerweile gewachsen. Als sie vor fünf Jahren hergekommen ist, kannte sie allerdings noch niemanden. „Es hat ein bisschen gedauert, bis sich Bekanntschaften zu Freundschaften entwickelt haben.“

Mut zur Farbe

Auf die Frage, was sie in ihrer Freizeit macht, lacht die Historikerin. „Haare färben“, antwortet sie. Viel Zeit, sich an die neue Haarfarbe zu gewöhnen, bleibt nicht. Freunde und Bekannte wissen schon, dass sie bei Ina Friedmann alle paar Wochen mit einer neuen Kolorierung rechnen müssen. „Drei Monate mit derselben Haarfarbe sind schon lange“, meint sie. Farbtechnisch hat sie schon vieles ausprobiert. „Pastellfarben sind eigentlich meine Favoriten.“ Was im Teenageralter angefangen hat, sieht sie heute als Ausgleich zum Arbeitsalltag. Aktuell sind ihre Haare blau – Ina Friedmann hat aber bestimmt schon eine neue Farbvariante im und bald auf dem Kopf.

(Autorin: Theresa Kleinheinz)

Steckbrief

Ina FriedmannFotos: Franz Oss

Name

MMag. Ina Friedmann

Funktion

Projektmitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte

An der Uni seit

2014

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Wien

 


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