Universität Innsbruck

Überblick

Hans-Peter Schröcker
Der Umweg ist das Ziel


Rückblickend betrachtet sei es wirklich bemerkenswert, welche unerwarteten Wendungen sein Leben mitunter genommen habe, meint Hans-Peter Schröcker. Sowohl zu seiner derzeitigen Profession – er lehrt Geometrie und Kinematik an der Universität Innsbruck – als auch nach Tirol habe er beispielsweise nur über Umwege gefunden, wie er sagt: „Um ganz ehrlich zu sein, wollte ich früher eigentlich Schauspieler werden. Ich habe sogar eine entsprechende Aufnahmeprüfung an der Kunstuniversität Graz gemacht.“ Doch da er dort zwar über die erste, allerdings nicht über die zweite Runde hinausgekommen sei, habe er sich in der Folge kurzerhand für zwei „konventionellere“ Studien, Mathematik und Darstellende Geometrie, eingeschrieben. „Ich hatte die Fächer bereits in der Schule gerne besucht, trotzdem war das Ganze zu jener Zeit eher eine Art Notlösung“, gibt der gebürtige Steirer zu. „Aber es hat mir immer mehr Spaß gemacht, also bin ich dann doch dabei geblieben. Und ich habe es nie bereut.“

Unverhoffte Gelegenheit

Das gelte auch für seinen Umzug nach Innsbruck, der ebenfalls weniger von langer Hand geplant als vielmehr einer unverhofften Gelegenheit in Form einer Postdoc-Stelle geschuldet war. Bis zu diesem Zeitpunkt habe er eigentlich nie mit dem Gedanken gespielt, in die Tiroler Landeshauptstadt zu übersiedeln, geschweige denn, diese langfristig zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen. „Ich bin damals ausschließlich wegen der Anstellung nach Innsbruck gekommen, und die war ursprünglich nur auf vier Jahre begrenzt“, erzählt der 45-Jährige, der zu jener Zeit noch in Wien tätig war. „Dass ich tatsächlich hierbleiben und eine Karriere im Haus machen würde, hätte ich mir nicht gedacht.“ Doch am Ende hat Schröcker, der seit 2017 auch Studiendekan an der Fakultät für Technische Wissenschaften ist, nicht nur seine berufliche Erfüllung, sondern ebenso eine (zweite) Heimat in Innsbruck gefunden. „Meine Familie und ich sind glücklich hier, und wir möchten nicht mehr weg.“

Im Land der aufgehenden Sonne

Eine Ausnahme sind natürlich Urlaubsreisen, die Hans-Peter Schröcker und seine Familie nicht selten nach Japan, das Geburtsland seiner Frau, führen. Er selbst könne seine dortigen Aufenthalte aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen zwar nicht mehr ganz so lange gestalten wie früher, seine Familie verbringe jedoch nach wie vor jeden Sommer im Land der aufgehenden Sonne. Insbesondere für seine beiden Kinder, die zweisprachig aufwachsen, sei das immer ein schönes Erlebnis, berichtet Schröcker, der auch selbst Japanisch beherrscht – allerdings nicht ganz so gut, wie es ihm lieb wäre: „Ich spreche passabel und kann mich im Alltag ohne Probleme verständigen, doch das Schreiben ist schwierig. Dafür müsste ich jeden Tag die Schriftzeichen üben, was faszinierend, aber aus zeitlichen Gründen für mich derzeit leider nicht machbar ist. Mit dem, was ich kann, komme ich jedoch ganz gut zurecht.“

Origami und Aikidō

Mit Origami und Aikidō haben auch zwei große Leidenschaften Hans-Peter Schröckers ihren Ursprung in Japan. Ersteres, die Papierfaltkunst, fasziniert ihn dabei nicht zuletzt aufgrund der Nähe zu seinem Fachgebiet. „In der Geometrie ist eine gute Raumvorstellung essentiell. Und diese wird durch das Umsetzen grafischer Faltvorgaben in ein bestimmtes Objekt natürlich massiv trainiert“, erläutert der Wahl-Innsbrucker. Zwar sei er selbst zu ungeschickt für komplexere Kreationen, allerdings unterhalte er viele, „auch wissenschaftliche Beziehungen zu Faltern, die unglaubliche Dinge aus Papier erschaffen“. Aikidō wiederum, eine japanische Kampfkunst, sei hingegen keine Ergänzung, aber ein guter Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit, so Schröcker. Er betreibt die Sportart bereits seit 1995 und geht regelmäßig zum Training, wobei er auch heute noch bei jeder Einheit Fortschritte mache. „Das Schöne an Aikidō ist ja, wie bei vielen japanischen Disziplinen, dass man im Grunde nie aufhört zu lernen“, meint der 45-Jährige. „Es geht dabei nicht um das Ziel, sondern um den Weg.“ Und dieser muss ja, wie Hans-Peter Schröcker selbst mehrmals in seinem Leben erfahren hat, nicht immer der direkte sein. Außer vielleicht in der Geometrie.

(Autor: Simon Leitner)

Steckbrief

Hans-Peter SchröckerFotos: Franz Oss

Name

Univ.-Prof. Mag. Dr. Hans-Peter Schröcker

Funktion

Professor für Geometrie und Kinematik sowie Studiendekan der Fakultät für Technische Wissenschaften

An der Uni seit

2004

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Steiermark

 


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