Universität Innsbruck

Überblick

Elisabeth Rieder
Kämpfen und tanzen


Elisabeth Rieder überholte als junge Crossläuferin ihre Konkurrentinnen, verbrachte die Winter auf Skipisten, die Sommer am Wolfgangsee. Eigentlich wollte sie in Salzburg Sport und Französisch studieren. Der 15. Juli 1994 veränderte aber das Leben der damals 18-Jährigen vollends: Ein schwerer Verkehrsunfall vereitelte ihre Träume und machte sie zur Rollstuhlfahrerin. „Es war eine schwierige perspektiven- und orientierungslose Zeit“, sagt Rieder heute. Sie musste im Leben neue Wege finden und einschlagen. Prof. Benedetto sorgte dafür, dass einer davon zur Uni Innsbruck führt. Der Mediziner hat sie nicht nur gesundheitlich betreut, er ist bis heute ein wichtiger Wegbegleiter und eine Bezugsperson. Nie hatte er Zweifel, dass Rieder alle Hürden nehmen würde: Schließlich sei sie ja Sportlerin, und wisse, was kämpfen heißt.

Die Uni war damals ein ganz anderer Ort

Getreu einem Zitat von Aristoteles und dem heutigen Motto des Büros der Behindertenbeauftragten: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“, krempelte Rieder ihr Leben um, zog aus dem Elternhaus aus, holte die Matura und Studienberechtigungsprüfung nach und begann ihr Studium der Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck. Auf ihrem Weg hat sie seither viele für ihr Leben wertvolle Menschen getroffen, Freunde kennen und schätzen gelernt und kostbare Erfahrungen gesammelt. „Die Uni war damals aber ein ganz anderer Ort“, erinnert sich die Behindertenbeauftragte heute: „An behinderte Studierende wurde kaum gedacht.“ So musste sie als Studentin kämpfen, damit eine Vorlesung aus dem dritten in den ersten Stock des Hauptgebäudes verlegt wurde, der für sie mit weniger Barrieren erreichbar war. Auch gegen Professoren, die der Ansicht waren, dass man nur studieren solle, wenn es einem gesundheitlich „wieder“ gut gehe, musste sich die junge Studentin behaupten. „Heute ist die Sensibilität wesentlich größer, das Verständnis aller Beteiligten höher und das ist auch gut so“, erklärt Rieder durchaus auch mit Stolz auf ihre eigenen Leistungen als Behindertenbeauftragte: 2017 schloss Bernhard Tschulnigg sein Studium ab – als erster blinder Absolvent eines Chemiestudiums in Mitteleuropa. Rieder begleitete ihn durch sein ganzes Studium. Außerdem gewann das an der Universität Innsbruck initiierte Karriereförderprogramm für behinderte und/oder chronisch kranke NachwuchswissenschaftlerInnen nicht nur den Diversitas-Preis des Bildungsministeriums, es wird fortan auf ganz Österreich ausgeweitet.

Immer mit Herzblut dabei

Ob bei ihrer Tätigkeit im Büro der Behindertenbeauftragten oder als Lehrbeauftragte beim Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung: Elisabeth Rieder ist immer mit Herzblut dabei. „Dieser Beruf ist Berufung und Leidenschaft zugleich, und wenn man das über sein Berufsleben sagen kann, ist man schon sehr weit“, meint sie mit einem ruhigen Lächeln.

Der Rollstuhl gehört ihr und nicht sie dem Rollstuhl

Als sie 2007 eine sehr seltene chronische Krankheit zusätzlich schwächte, ließ sie sich davon nicht unterkriegen, sondern suchte nach Wegen, um daraus gestärkt hervorzugehen. Zwar fehle ihr oft die Zeit, doch liest Elisabeth Rieder mit Lust und Liebe, vor allem Biografien und Reiseberichte – am liebsten in der eigens für sie angefertigten Hängematte in ihrem Garten, wo sie übrigens exotische Pflanzen, wie zum Beispiel Ginkobäume, züchtet. Um ihre Katze müssen sich manchmal die Nachbarn kümmern, denn die Forscherin ist oft auf Reisen. Viele Städte in Europa und den USA hat sie bereits gesehen, irgendwann möchte sie auch nach Australien. Außerdem tanzt Elisabeth Rieder gerne. Wie, fragen einige. Ganz einfach: Sie verabredet sich mit Freunden zum Tanzen und sucht eine barrierefreie Lokalität aus, was nicht immer leicht ist. Ob der Rollstuhl dabei nicht störend sei, fragen andere. Nein, überhaupt nicht, denn schließlich gehöre der Rollstuhl ihr und nicht sie dem Rollstuhl, antwortet sie.

(Autor: Haris Kovacevic)

Steckbrief

Elisabeth Rieder
Fotos: Axel Springer

Name

Dr. Elisabeth Rieder

Funktion

Leiterin des Büros der Behindertenbeauftragten

An der Uni seit

2006

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Salzkammergut

 


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