Universität Innsbruck

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Elisabeth Oberrauch-Genser
Eine Jägerin, die nicht schießt


„Es ist kompliziert“, sagt Elisabeth Oberrauch-Genser für gewöhnlich, wenn sie jemand nach ihrer Herkunft fragt. Und tatsächlich braucht es für die dazugehörige Erklärung einige Worte mehr als bei so manch anderem: Ihr Vater stammt aus Südtirol, ihre Mutter hingegen aus Salzburg, Oberrauch-Genser selbst ist in Deutschland geboren, allerdings in Mexiko und Spanien aufgewachsen. Dementsprechend hat sie schon als Kind viel von der weiten Welt gesehen. „Und zwar so viel, dass ich heute gar nicht mehr groß das Bedürfnis habe, noch weit zu reisen“, wie die mittlerweile 61-Jährige sagt. Dass sie schließlich in Innsbruck gelandet ist, habe zwei ganz konkrete Gründe: „Gekommen bin ich zum Studieren. Geblieben bin ich der Liebe wegen.“ Und so sei Tirol ihre Heimat geworden.

Fünfsprachig

Neben vielfältigen und spannenden Begegnungen und Erfahrungen mit verschiedensten Kulturkreisen hat Elisabeth Oberrauch-Genser insbesondere in einer Hinsicht von ihrer buchstäblich bewegten Kindheit profitiert: Mit Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Englisch spricht sie fünf Sprachen fließend. Dabei hat sie sich nicht wenig davon selbst beigebracht, wie sie sagt: „Italienisch habe ich beispielsweise bei den Familienbesuchen in Südtirol aufgeschnappt, das ging eigentlich ganz schnell. Für Sprachen zeigte ich immer schon Talent.“ Ihre Faszination dafür schlug sich auch in ihrem Studienwunsch nieder, ursprünglich hat sie sich In Innsbruck nämlich für Übersetzen und Dolmetschen inskribert – zusätzlich zum Medizinstudium. „Das wurde mir dann aber natürlich schnell zu viel, ich hatte mich schlicht übernommen“, blickt Oberrauch-Genser zurück. „Also habe ich mich dann für Medizin entschieden. Ärztin zu werden war schon ein Kindheitswunsch von mir.“

Lernwillig

Ihre umfassenden Sprachkenntnisse kommen Elisabeth Oberrauch-Genser aber auch in ihrer heutigen Profession zugute. „Auf der Uni gibt es viele verschiedensprachige Mitarbeiter, und mit denen kann ich dann oft in ihrer Muttersprache reden. Das ist natürlich ein großer Vorteil.“ Ihr Fokus als Arbeitsmedizinerin liege vor allem auf der Prävention, sagt die 61-Jährige. Es gehe in erster Linie darum, zu verhindern, dass Menschen durch die Arbeit krank würden, etwa aufgrund einer falschen Sitzhaltung oder zu viel Stress in der Arbeit. Dafür sorgt sie im Übrigen nicht nur an der Universität, sondern auch in anderen Unternehmen, wobei sich die Anforderungen an der Uni mitunter deutlich von jenen in Betrieben unterscheiden würden: „Grundsätzlich habe ich hier mehr mit Problemen psychischer Natur zu tun“, erzählt die Ärztin. „Aber nicht nur, meine Tätigkeit hier ist wirklich sehr abwechslungsreich. Und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht selbst etwas Neues lerne.“

Sportlich aktiv

Diese Freude an ihrem Beruf ist ein Grund dafür, warum Elisabeth Oberrauch-Genser trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch keinen Gedanken an die Pension verschwendet. Sie arbeite nun mal extrem gerne und könne sich nicht vorstellen, den ganzen Tag nichts zu tun, meint die Medizinerin. „Natürlich muss man aufpassen, dass man es nicht übetreibt, den Moment nicht verpasst, an dem es wirklich Zeit ist aufzuhören. Aber noch fühle ich mich fit genug, sowohl in geistiger als auch in körperlicher Hinsicht.“ Und die 61-Jährige ist schwer darauf bedacht, dass dies auch so bleibt: Dafür unternimmt sie unter anderem Ski- und Bergtouren, geht Ski- und Radfahren und treibt generell viel Sport.

Tierlieb

Auch ihre beiden Hunde sorgen dafür, dass sich Elisabeth Oberrauch-Genser regelmäßig bewegt. „Ich bilde die Hunde zu Jagdhunden aus, dementsprechend oft bin ich mit ihnen unterwegs“, erklärt sie. „Sie müssen nämlich nicht nur lernen, aufs Wort zu gehorchen, sondern auch zu apportieren. Und dafür muss man in die Natur.“ Geübt wird mit Dummys, sodass die Hunde bei Ausflügen mit Jägern wirklich bereit für ihre Aufgabe sind. Sie selbst würde allerdings nie ein Tier erlegen, sagt die Medizinerin, dafür sie sie einfach zu tierlieb. „Ich sehe es so: Kranke und verletzte Tiere zu schießen, ist eine wichtige Aufgabe, und dabei unterstütze ich die Jäger. Aber selbst würde ich nie ein Tier töten.“ Insofern, sagt Oberrauch-Genser, sei sie zwar schon eine Jägerin, „aber halt eine, die nicht schießt“.

(Autor: Simon Leitner)

Steckbrief

Elisabeth Oberrauch-Genser
Fotos: Franz Oss

Name

Dr. Elisabeth Oberrauch-Genser

Funktion

Arbeitsmedizinerin

An der Uni seit

2005

Wohnort

Gnadenwald

Herkunft

„kompliziert“

 


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