Universität Innsbruck

Überblick

Amala Hold
Zuhause auf drei Kontinenten


Frauen sind im Informatikstudium, zumindest in Österreich, noch immer stark unterrepräsentiert. Als Amala Hold ihren Bachelor in Indien absolvierte, sah das anders aus: „In meiner Klasse gab es 37 Frauen und 35 Männer.“ Sie erklärt diesen hohen Frauenanteil damit, dass Bildung in Indien von vielen als Weg aus der Armut genutzt wird: „Wenn man ein besseres Leben will, muss man lernen.“ Für das Masterstudium ist die Informatikerin mit 22 Jahren in die USA ausgewandert. Dort war sie im Studiengang „Computer Engineering“ die einzige Frau. Das hat ihr aber nichts ausgemacht: „Ich mochte das, ich habe mich immer als etwas Besonderes gefühlt“, verrät Amala Hold in amerikanischem Akzent.

Drei Heimaten

Hold ist froh, sich für die USA entschieden zu haben: „Ich bin dankbar für die Möglichkeit, dass ich damals alleine nach Amerika ziehen konnte, weil ich dort zu mir selbst gefunden habe.“ Ein Wermutstropfen ist aber doch dabei: „Ich vermisse meine Familie in Indien.” Am Leben in Connecticut, unweit der Ostküste und der Millionenmetropole New York, schätzte sie besonders, dass sie viele Freiheiten und Möglichkeiten hatte, die ihr in Indien verwehrt geblieben wären: „Ich konnte mein Leben ganz nach meinen Vorstellungen gestalten.“ Insbesondere Frauen hätten in den Vereinigten Staaten und auch in Europa mehr Möglichkeiten als in Indien. Für die Informatikerin ist Österreich eine gute Mischung aus Indien und den USA. Einerseits gebe es viele Traditionen, andererseits sei es doch ein westliches Land mit individueller Freiheit und Gleichberechtigung für Frauen und Männer. „Ich denke, deswegen fühle ich mich in Innsbruck so wohl.“ Letztendlich möchte sich Amala Hold aber für keinen der drei Orte endgültig entscheiden: „Ich bin auf drei Kontinenten zuhause. Meine Wurzeln sind in Indien. Meine Persönlichkeit konnte in den USA wachsen und gedeihen. Und mein zuhause ist dort, wo meine Familie ist. Meine Seele und mein Geist gehören nach Innsbruck, in die Natur.“ Diese schätzt Amala Hold in ihrer Freizeit, um zu wandern, Ski zu fahren oder einfach am Fluss spazieren zu gehen.

Arbeit mit Herausforderungen

2015 ist Amala Hold mit ihren drei Kindern nach Österreich gekommen. Seit September 2018 arbeitet sie im ZID, dem Zentralen Informatikdienst der Universität. Sie war von Anfang an von ihrer Arbeitsstelle begeistert: „Ich fühle mich hier ganz dazugehörig. Like I belong here.“ Die Universität stellt jeden Tag neue Herausforderungen an die Softwareentwicklerin: „Wir unterstützen Professorinnen und Professoren aller Institute in IT-Fragen. Weil diese aus vielen verschiedenen Fachbereichen stammen, müssen wir manchmal mehr recherchieren, um den jeweiligen Anforderungen gerecht werden zu können.“ So hätten beispielsweise Geologieprofessoren andere Anforderungen als Physikprofessorinnen. Im Gegensatz zu ihrem vorherigen Job seien die Aufgaben an der Universität sehr vielfältig und abwechslungsreich. Vor zwei Monaten hat Amala zusätzlich eine neue Verantwortung übernommen: Sie entwickelt einen Prozess für Projektmanagement – eine „gute Challenge“, wie sie sagt. Die Aufgabe liege ihr insbesondere, weil sie einerseits eine herausragende Softwareentwicklerin ist und andererseits gut kommunizieren kann.

Kulinarische Heimat

Einen Ausgleich zu ihrem Job findet die dreifache Mutter zum einen in der Musik: Sie ist leidenschaftliche Sängerin – „vielleicht, wenn es sich ergeben sollte, auch einmal in einer Band“, kann sich Amala Hold vorstellen. Ebenso fasziniert und interessiert ist sie, was die Küche ihrer indischen Heimat und nicht zuletzt deren gesundheitsbewusste Aspekte angeht. „Als ich in die USA gezogen bin, habe ich gemerkt, dass die Menschen sehr neugierig auf indische Cuisine sind“, berichtet sie. „Dabei geht es zum einen um die exotischen Gewürze und das Kochen, zum anderen aber auch um die sehr gesunden Zutaten und Arten der Zubereitung.“ Dadurch angestachelt, entwickelte sie selbst zunehmend Interesse daran. „In Indien haben wir zum Beispiel nach großen Festen, bei denen fettige Speisen gegessen wurden, immer Ingwertee getrunken“, erzählt sie. „In den USA habe ich dann angefangen, über die Wirkungsweise von Zutaten wie Ingwer zu recherchieren.“

Mehr als ein Hobby

Mit der Geburt ihrer Kinder wuchs Holds Interesse an der indischen Küche noch einmal – und es wurde mehr daraus als „nur“ ein Hobby. „Ich hätte von zuhause als Webdesignerin arbeiten können. Aber ich wollte Leute treffen und gemeinsam etwas tun.“ Deshalb entschied sie sich die „Connecticut School of Indian Cooking“ zu gründen und Kochkurse, Seminare und TV-Kochsegmente zu geben – mit nicht wenig Erfolg. Dieses Projekt musste sie mit ihrem Umzug nach Österreich zurücklassen – auch, weil es hier erst eine Sprachbarriere zu überwinden galt. Ihr angesammeltes Wissen rund um die indische Kochkunst sollte aber nicht brachliegen. Deswegen entwickelte sie eine neue Idee, um es mit anderen zu teilen: Unter dem Namen „Frisches von Amala“ betreibt sie einen eigenen Webshop, in dem sie Feinkost-Currys nach original indischen Rezepturen anbietet, die in Österreich produziert werden. Frische Zutaten bezieht Hold aus der Region, während sie die Gewürze, die den Saucen ihren authentischen Geschmack verleihen, direkt aus Indien importiert. So vereint sie auf kulinarische Weise ihr Herkunftsland mit ihrer neuen Heimat. Aber auch für echt österreichische Küche kann sich die Softwareentwicklerin begeistern: „Ich mag vor allem Sauerkraut und Kartoffelsalat. Meine Kinder lieben Käse. Am liebsten essen sie Käsespätzle und Kaspressknödel.“

(Autorin: Theresa Kleinheinz)

Steckbrief

Amala HoldFotos: Axel Springer

Name

Amala Hold, BEng MSc

Funktion

Softwareentwicklerin im Zentralen Informatikdienst, Abteilung Web- und Informationssysteme

An der Uni seit

2018

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Indien, USA

 


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