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ODOK'05
Bozen, Universität, 13.-16. September 2005
Generalthema:
"Zugang zum Fachwissen"
Sektion vom European Chapter der ASIS&T (American Society for Information Science and Technology)
Podiumsdiskussion
Organisation: Christian Schlögl (Institut für Informationswissenschaft, Universität Graz
Moderation: Prof. Dr. Tatjana Aparac-Jeluić, ASIS&T EC Chair
Eine Informationsgesellschaft ohne (mit) Informationsspezialisten /
Informationsspezialisten ohne (mit) Informationsgesellschaft?
Donnerstag, 15. September 2005, 17:00, Hörsaal D101
Während die Informationsgesellschaft zunehmend alle menschlichen Tätigkeiten und Gebiete erfasst, werden alle davon Betroffenen zumindest teilweise ebenfalls zu "Informationsspezialisten". Es ist daher an der Zeit die aktuelle und zukünftige Rolle der Personengruppe zu hinterfragen, die zu Informationsspezialisten ausgebildet wurde. Dies umso mehr, weil Grundsätze und Werte wie Informationsfreiheit, Privatsphäre und Datenschutz, öffentliches Angebot von Wissen, kulturelle Vielfalt, etc. immer mehr bedroht werden, während die Informationstechnologien und der Informationszugriff immer "ubiquitärer" werden. Diese Themen wurden in der "Global information village Plaza" behandelt, die von der Arbeitsgruppe "International Information Issues" organisiert wurde. Auch die Globalisierung selbst stellt eine weitere Anforderung an Ausbildung und Forschung im Bereich des Informationswesens. Unsere Disziplin muss seinen "mono-centrism" möglicherweise neu überdenken und neue Formen der Interaktion auf internationaler Ebene suchen, dies insbesondere zum Vorteil von Studierenden im Bereich des Bibliotheks- und Informationswesens. ASIS&T ist sehr daran interessiert, sich gemeinsam mit anderen akademischen Gesellschaften und Berufsverbänden in der ganzen Welt, und speziell auch in Europa, dafür einzusetzen, um Management, Zugriff, Verwendung und Wachstum von Wissen zu verbessern.
Im Rahmen der Podiumsdiskussion sollen insbesondere folgende Fragen erörtert werden:
- Wenn in der Informationsgesellschaft jede/r InformationsspezialistIn ist - wozu sind dann überhaupt noch (haupt)berufliche Informationsfachleute erforderlich?
- Was werden in der Zukunft die wichtigsten Anforderungen an den Informationsberuf sein?
- Welche Änderungen sind in der Ausbildung der Informationsberufe notwendig?"
- Die Informationsgesellschaft ist global. - Sind die diversen Ausbildungsprogramme ebenso "global"?
- Was kann man gegen die algo-amerikanische Dominanz in der Ausbildung im Informationswesen tun?"
(Einleitung: Michel Menou)
Nachdem jeder Teilnehmer an der Podiumsdiskussion in einem Kurzreferat (maximal 5 Minuten) seinen Standpunkt zu obigen Punkten dargelegt hat, werden diese im Anschluss daran zwischen den Teilnehmern unter besonderer Einbeziehung des Publikums diskutiert.
Panel discussion
organized by
The European Chapter of the American Society for Information Science and Technology (ASIS&T EC)
Organisation: Christian Schlögl (Institut für Informationswissenschaft, Universität Graz
Moderation: Prof. Dr. Tatjana Aparac-Jeluić, ASIS&T EC Chair
An information society with(out) information professionals /
Information professionals with(out) an information society?
As "information society" is spreading throughout human activities and territories, all those "connected" are turning into information professionals, at least part-time. It may thus be appropriate to reflect upon the actual and future role of the people who have been educated as such. The more so since, while information technologies and use become ubiquitous, threats to freedom of information, privacy, public knowledge, cultural diversity etc. are growing. These topics were addressed in the "Global information village Plaza" organized by ASIS&T special interest group on international information issues. Furthermore globalization itself raises another challenge for education and research in information science. Our field may need to reassess its mono-centrism and seek new patterns of interaction at the international level especially in favor of graduate students. ASIS&T is keen to join efforts with other scholarly and professional societies throughout the world and especially in Europe, in order to achieve more effective management, access, use and growth of knowledge in information science.
In particular, the following questions will be discussed:
- If anyone is his/her information specialist in the networked society, who is an information professional and what for?
- Which will be the major requirements to the information professional in the future?
- Which changes are needed in the education of information professionals?"
- Information society is global. - How much "globalization" have LIS educational programs reached?
- How to overcome the US/UK centrism in LIS education?
(Introducing text by Michel Menou)
After each of the panelists has finished his/her initial statements on this topic (5 minutes at most), these issues will be discussed among the panelists involving the auditors as much as possible.
Positionspapiere / Position papers
Tatjana Aparac-Jeluić (Moderation)
I would like to extend my thanks to the organizers of ODOK 2005 for including ASIST/EC panel in the official program and for choosing me to moderate this event.
The organizers of the ODOK 05 panel session prepared introductory notes and initial statements of each participant. I would take the liberty of following approach proposed by Michel Menou and lead our discussion upon five questions he raised.
If time permits I would like to address the issue of education for information professionals in Europe in the light of Bologna declaration and intentions of IS and LIS schools to work closer on new programs.
Also, I would like to shed the light upon the need to further development of ASIST/EC activities among European IS and LIS schools and professional organizations.
It would be useful if we could express our opinions about further activities needed towards broadening of the framework for study of information problems. The role of university education, competencies and LLL programs for information professionals should be discussed in the relation to better positioning information professionals in today's and tomorrow's information society.
Prof. Dr. Tatjana Aparac-Jelui (Moderation)
Head of the Department of Information Sciences
University J.J.Strossmayer, Osijek, Croatia
ASIS&T EC Chair
E-Mail: taparac@ffos.hr
Dr. Michel J. Menou
Ich möchte mich zuerst bei den ODOK-Veranstaltern herzlichst für die Gelegenheit bedanken, hier mit Ihnen meine Gedanken austauschen zu können. Ich möchte betonen, dass ich nur meine persönliche Meinung vertrete. Auf die ersten drei Fragen werde ich kurz, auf die beiden letzten etwas länger eingehen.
- Wenn in der Informationsgesellschaft jede/r Informationsspezialist/In ist - wozu sind dann überhaupt noch (haupt)berufliche Informationsfachleute erforderlich?
Das ist keineswegs eine neue Situation. Alle (lebenden) Organismen verarbeiten ständig Information und sind vom Ergebnis einer erfolgreichen Informationsverarbeitung abhängig. Der vielleicht einzige Unterschied besteht in den heutigen Gesellschaften, zumindest in den reichen Ländern, in der Tatsache, dass fast alle Menschen Informationstechnologie benutzen.
Ich würde daher die Bezeichnung "Informationsspezialist" nur dann verwenden, wenn sich diese Personen primär mit informationellen Prozessen beschäftigen. Für diese Berufsgruppe sehe ich fünf Hauptaufgaben:
- die Informationskultur und -kompetenz der anderen Berufsgruppen zu verbessern;
- beim Entwurf von Informationssystemen mitzuwirken;
- andere Berufsgruppen bei ihrer alltäglichen Informationsarbeit zu unterstützen;
- das (gemeinsame) Gedächtnis ihrer Organisation/"Gemeinschaft" zu bewahren; und
- zur Bewahrung und Nutzung eines öffentlichen Informationsangebots beizutragen.
- Was werden in der Zukunft die wichtigsten Anforderungen an den Informationsberuf sein?
Mehr noch als je zuvor müssen Informationsspezialisten die Fähigkeit haben, einerseits mit ihrer Umwelt und ihrer Arbeitsumgebung zu kommunizieren/interagieren, und andererseits die entsprechenden technischen und fachlichen Kenntnisse besitzen. Das impliziert, dass "allgemeine" Fähigkeiten wie Kommunikationsfähigkeit, Fremdsprachenkenntisse oder Management-Kenntnisse genau so wichtig sind wie zum Beispiel Kenntnisse aus Informationsorganisation.
Man könnte nun erwarten, dass die Generation, die mit der Informationstechnologie aufgewachsen ist, weniger Berührungsängst hat. Wichtig wäre nun aber die Fähigkeit, eine gewisse neutrale Position gegenüber der IT-Industrie, und den von ihr in Umlauf gesetzten "Versprechungen", einzunehmen.
- Welche Änderungen sind in der Ausbildung der Informationsberufe notwendig?
In die Beantwortung dieser Frage fließt viel von dem ein, was ich schon zuvor gesagt habe. Am wichtigsten erscheint mir aber eine Änderung der Unterrichts- und Ausbildungsmethoden. Zum einen schwebt mir in der Ausbildung eine Ausgewogenheit zwischen Theorie und Praxis, ähnlich wie in der Medizin, vor. Zum anderen sollte IT auch im Rahmen von Lernnetzwerken umfassend genutzt werden.
- Die Informationsgesellschaft ist global. - Sind die diversen Ausbildungsprogramme ebenso "global"?
Tatsächlich haben wir hier im Vergleich zu den sechziger und siebziger Jahren, in denen viele "internationale" Programme entstanden, Rückschritte gemacht.
Die Basisarbeit wird hauptsächlich innerhalb jener Grenzen durchgeführt, die durch die anglo-amerikanische Tradition zuvor gezogen wurden. Zu dieser wird dann noch der geeignet erscheinende lokale Kontext hinzugefügt.
Auch wenn sich die wichtigsten Ausbildungs- und Forschungsstätten in den USA und in Großbritannien auf die Anwerbung von internationalen Studierenden stützen, berücksichtigen sie kulturelle Unterschiede kaum. Informationsspezialisten werden zunehmend in einem multi-kulturellen Umfeld arbeiten, seien dies nun Unternehmen oder andere Gemeinschaften. Jede Information, die ins öffentliche Web gestellt wird, soll von Personen mit verschiedenen kulturellen Background verwendet werden können. Weder paradigmatische "Geistesstrukturen", noch die Art der Informationssuche selbst, sind allgemeingültig (zumindest in ihren offensichtlichen Mustern).
- Was kann man gegen die anglo-amerikanische Dominanz in der Ausbildung im Informationswesen tun?
Es ist offensichtlich, dass wir mehr vergleichende und kulturbasierte Forschung brauchen. Frei zugängliche Informationen und elektronische Zeitschriften sind vielleicht eine Möglichkeit, den Teufelkreis, wichtige Forschungsergebnisse in Englisch, und weniger wichtige in der jeweiligen Muttersprache zu publizieren, zu durchbrechen.
Es wird noch etwas Zeit vergehen, bis britische Ausbildungsprogramme stärker (kontinental)europäisch ausgerichtet sind. Trotzdem sind sie Teil unserer "assets". Zweifellos hat jede Ausbildungsstätte zunächst eine Hauptverantwortung gegenüber ihrer unmittelbaren Umgebung. Wird aber nicht letztere zunehmend europäischer und internationaler? Ich sehe einen gewissen "Raum" dafür, Kernfächer und eine Reihe von Wahlfächern so zu einem Studium zu kombinieren, dass dieses entweder traditioneller oder stärker international ausgerichtet ist. Die Stärke unserer Konkurrenten in der Ausbildung, die wichtigsten US LIS Schools, liegt in deren Ressourcen-Ausstattung. Auch wenn jede unserer Ausbildungseinrichtungen vergleichsweise schlecht ausgestattet ist, können wir Wege finden, um unsere Kräfte zu bündeln. Nicht nur einfach dadurch, dass wir die EU-Programme auf kurzfristige und opportunistische Weise nutzen, sondern dadurch, dass wir gemeinsame Ausbildungsprogramme entwickeln, welche die jeweiligen Ressourcen innerhalb eines dezentralen Netzwerkes bereitstellen.
In einigen unserer Länder gibt es aktive BID-Verbände, in anderen nicht. Es ist aber offensichtlich, dass es keinen gemeinsamen Platz gibt, an dem wir uns treffen, unsere Meinungen austauschen und unsere gemeinsame Zukunft gestalten können. Außer IFLA für diejenigen, die ihren Fokus stärker im Bibliothekswesen haben, könnte "The European Chapter of ASIS&T" eine Plattform dafür bilden. Bitte haben Sie keine Angst vor der derzeitigen Bedeutung des Buchstabens "A" im Wort ASIS&T. Ich wette mit Ihnen, dass dieser ev. durch einen anderen Buchstaben ersetzt wird, noch bevor wir unsere (lang andauernde) "Engstirnigkeit" überwunden haben.
Dr. Michel J. Menou
ASIS&T International Liaison
Les Rosiers sur Loire, France
E-Mail: Michel.Menou@wanadoo.fr
a.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Christian Schlögl
Frage 1:
Wenn in der Informationsgesellschaft jede/r InformationsspezialistIn ist - wozu sind dann überhaupt noch (haupt)berufliche Informationsfachleute erforderlich?
Zunächst einmal sollte man Aussagen zur Informationsgesellschaft, laut denen zum Beispiel der Großteil der Erwerbstätigen im "Informationssektor" arbeitet, kritisch reflektieren. Der Begriff "Beschäftigte im Informationssektor" wird dabei immer sehr weit gefasst, er ist keinesfalls deckungsgleich mit dem, was wir unter "Informationsberuf" bzw. "Informationsspezialist" verstehen.
Tatsache ist aber, dass das Bewusstsein für die Bedeutung von Information und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten, insbesondere seit der rasanten Verbreitung des World Wide Web, gestiegen ist. Wenn man nun aber glauben würde, dass alle "Internet-Surfer" InformationsspezialistInnen sind, dann irrt man. Viele persönliche Erfahrungen (in meinem universitären Berufsalltag) bestätigen dies. Um nur einige Beispiele zu nennen: In vielen Seminararbeiten finden sich zu einem großen Teil kritiklos aus dem WWW übernommene Passagen. Oft wird das World Wide Web überhaupt mit Google gleichgesetzt. Ich den seltensten Fällen werden selbst die "bescheidenen" Möglichkeiten von Suchmaschinen wirklich voll ausgenutzt.
(Hauptberuflich tätige) Informationsspezialisten haben also auch in der "Informationsgesellschaft" mehr als genug zu tun!
Frage 2:
Was werden in der Zukunft die wichtigsten Anforderungen an den Informationsberuf sein?
Im Vergleich zu früher, gewinnen meiner Meinung nach folgende Aufgaben (Anforderungen) an Bedeutung:
- Vermittlung der (zur Teilhabe an der Informationsgesellschaft) erforderlichen Informationskompetenzen.
Damit meine ich u. a.:
- Überblick über die vorhandenen Informationsquellen
- Beherrschung der entsprechenden Retrieval-Kenntnisse
- Fähigkeit, die Qualität der entsprechenden Quellen beurteilen zu können.
- Gewährleistung, dass alle an der Informationsgesellschaft teilhaben können - Überbrückung des "Digital Divide".
Da der Großteil der Informationsquellen weltweit (in einem multikulturellen Kontext) in digitaler Form zugänglich ist, ist die "lokale" Informationseinrichtung in Zukunft immer auch im Kontext des weltweiten "Informationsraums" zu sehen.
- Für dessen Ausbau sollten sinnvollerweise Kooperationen eingegangen werden. Dabei und bei dessen Nutzung gewinnen multikulturelle Kompetenzen immer mehr an Bedeutung.
Aufgrund des einfachen (und jederzeit möglichen) Zugriffs auf die digitalen Informationsbestände verliert Faktenwissen immer mehr an Bedeutung. Dies unterstreicht nicht nur, wie wichtig es ist, die entsprechenden Informationskompetenzen zu vermitteln, sondern bietet für viele Informationseinrichtungen die große Chance, Zentren des lebenslangen Lernens zu werden. Um diese Chance wahrnehmen zu können,
- müssen Informationsberufe in einem viel stärkeren Maße auf ihren Stellenwert und ihre Bedeutung aufmerksam machen. Einige Sparten der Informationsberufe müssen in punkto Imagepflege noch wesentlich initiativer werden.
Frage 3:
Welche Änderungen sind in der Ausbildung der Informationsberufe notwendig?
Aus den Antworten auf Frage 2 leiten sich teilweise die wichtigsten Anforderungen für Änderungen in der Ausbildung ab:
- Persönlichkeitsbildende Fähigkeiten (Kommunikationsfähigkeit, Präsentationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, ...) und ein gewisses Maß an "Orientierungswissen" sind wichtiger denn je.
- Fremdsprachen- und multikulturelle Kenntnisse werden an Bedeutung gewinnen.
- Betriebswirtschaftliche Kenntnisse ("Informationsmarketing", Controlling/Kostenrechnung, ...) werden ebenfalls immer wichtiger.
- Gleichzeitig sollten einige (zu) traditionelle Ausbildungsinhalte (z. B. Regelwerke) zurückgenommen werden.
Frage 4:
Die Informationsgesellschaft ist global. - Sind die diversen Ausbildungsprogramme ebenso "global"?
So weit ich das beurteilen kann, sind die meisten Ausbildungsprogramme nicht sehr global. Auf europäischer Ebene spielt das Erasmus-Programm eine wichtige Rolle, und hier insbesondere die Studenten- und Lehrendenmobilitätsprogramme. Positiv beurteile ich auch eine Initiative, die innerhalb des Informationswesens selbst entstanden ist und mit großem Erfolg praktiziert wird, die BOBCATSSS-Tagung(en). Insgesamt könnte man aber noch vieles verbessern.
Frage 5:
Was kann man gegen die anglo-amerikanische Dominanz in der Ausbildung im Informationswesen tun?
Aus österreichischer Perspektive müsste man zunächst die Ausbildung für Informationsberufe in Österreich stärken. Letztlich war es eigentlich dem Beitritt zur EU zu verdanken, dass es mit der Errichtung des FH-Studiengangs Informationsberufe in Eisenstadt erstmals möglich war, einen facheinschlägigen Abschluss auf Hochschulniveau zu erwerben. Mittlerweile gibt es auch noch den postgradualen Studiengang in Krems bzw. den interuniversitären Studiengang "Library and Information Studies". Insgesamt gesehen ist Österreich aber immer noch ein "Entwicklungsland", was eine solide Informationsausbildung auf Hochschulniveau betrifft. Ich verweise da zum Beispiel auf Kroatien, wo man an mehreren Universitäten ein facheinschlägiges Studium belegen kann!
Eine Verringerung der anglo-amerikanischen Dominanz wäre meiner Meinung nach auch dadurch möglich, dass
- es, zumindest im deutschsprachigen Raum, zu einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Praktikern und Wissenschaftlern kommt;
- die verschiedenen Berufsgruppen - alleine in Österreich haben wir mindestens vier davon - BVÖ, Hochschulverband Informationswissenschaft (HI), ÖGDI und VÖB - stärker zusammenarbeiten bzw. sich überhaupt zusammen schließen;
- die ERASMUS-Austauschprogramme noch viel stärker in Anspruch genommen werden; und
- darüber hinaus auch noch Austauschprogramme mit den USA und insbesondere auch mit den afro-asiatischen Ländern initiiert werden.
a.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Christian Schlögl
Institut für Informationswissenschaft
Karl-Franzens-Universität Graz
E-Mail: christian.schloegl@uni-graz.at
Prof. (FH) DDr. Sebastian Eschenbach
About six weeks ago, in early August, while preparing my opening statement for this discussion I stumbled upon the title of Hans-Joachim Wätjen's keynote address "Zugang zum Fachwissen ? Wege aus der Informationskrise aus der Sicht einer Universitätsbibliothek". "Information Crisis"! What (the hell) is he going to talk about?
Never in my career has it been easier to get hold of all the necessary information to do my job. And the same holds true for my private life. Therefore, I would prefer to talk about "Information Happiness" rather than "Information Crisis".
Two factors seem to be responsible for making me a happy member of an information society: first of all, most information systems nowadays work properly most of the time. Speaking from my own experience, this is a relatively recent phenomenon. Secondly, I am surrounded by a number of very able Information Professionals ? people who know how to use relevant IT systems and are able to apply LIS techniques. But this is not actually why they are so instrumental in making me happy. Much more important is the fact that they assist me to search, organize and distribute information which is of relevance to my job.
Couldn't I learn how to do these things myself? I am pretty sure I could. And wouldn't it therefore make sense if I did and we could reduce the number of Information Professionals our organization employs?
One of the two most fundamental levers for economic development is specialization (the other one being free trade). To become more productive we all need to concentrate on the few things we are good at. So economically speaking, on the one hand, I should stick to my main task and try to become a better manager instead of becoming a manager who is also a decent Information Professional. While on the other hand, an Information Society is desperately in need of information specialists ? people who professionally care about content which is of relevance to other people's work. The only crisis I can therefore think of is a crisis of Information Professions, which occurs when these specialists forget what their actual job description is ? namely to assist knowledge workers like myself to become happier (i. e. more productive) members of an information society.
Prof. (FH) DDr. Sebastian Eschenbach
Leiter des FH-Studiengangs Informationsberufe, Eisenstadt
E-Mail: Sebastian.Eschenbach@fh-burgenland.ac.at
Dr. Werner Schlacher
Seit ich in der Universitätsbibliothek Graz arbeite, und das dauert mittlerweile schon zwanzig Jahre, ist mir aufgefallen, dass Bibliothekare/-innen (Informationsfachleute) ständig unter einem starken Mangel an Selbstbewusstsein zu leiden scheinen und ihre eigene Existenzberechtigung häufig in Frage stellen. Bemerkenswert erscheint mir dabei, dass ich in diesem Zeitraum von Benützern/-innen der Bibliothek (den Studierenden, den Wissenschaftlern/-innen) nie eine ähnliche Äußerung vernommen habe, auch wenn diese hin und wieder berechtigterweise mit den Leistungen der Bibliothek unzufrieden waren und Kritik daran übten. Die Bibliotheken haben in diesen beiden Jahrzehnten den Schritt in das digitale Zeitalter geschafft, in vielen Ländern noch dazu unter denkbar schlechten Voraussetzungen (Preissteigerungen, Budgetkürzungen, strukturelle Veränderungen etc.) und enorme Veränderungen in ihrem Aufgabenbereich bewältigt. Als ich 1986 in die Bibliothek eintrat, haben wir die Titelaufnahmen mit mechanischen Schreibmaschinen auf Matrizen geschrieben, wir hatten gerade einmal eine elektronische Entlehnverbuchung und die Informationsvermittlung erfolgte über gedruckte Bibliographien und Nachschlagewerke, sowie mit Hilfe von Datenbanken, die über Hosts von einem Computer im Haus nach Voranmeldung abrufbar waren. Mittlerweile haben wir ein integriertes Bibliothekssystem, arbeiten in einem Bibliotheksverbund, stehen nahezu alle Datenbanken allen online zur Verfügung und elektronische Volltexte sind für Universitätsangehörige weltweit abrufbar. Trotz dieses nachhaltigen Wandels hat sich an den grundlegenden Aufgaben der Bibliothekare/-innen nichts geändert. Sie sorgen nach wie vor für den Erwerb, die Bereitstellung und die Bewahrung von Informationsträgern, auch wenn es sich dabei vermehrt nicht mehr um bedrucktes Papier handelt, und ich sehe weit und breit niemanden, der sich zum Nutzen der Gesellschaft um diese Aufgaben kümmert. Natürlich versuchen Verlage und Datenbankhersteller den Bibliotheken gerade im Bereich der Archivierung und Bereitstellung von digitalen Dokumenten neue Geschäftsfelder zu finden, nur auf diese Weise angebotene Dokumente werden kommerziell verwertet. Das bedeutet, dass sie nicht mehr verfügbar sein werden, wenn - vielleicht kurzfristig - kein kommerzielles Interesse daran vorhanden ist. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Idee des weitgehend wertfreien Sammelns von Informationen, deren kostenfreie Bereitstellung für eine breite Öffentlichkeit und deren Bewahrung für die Nachwelt in demokratischen Gesellschaften nicht überleben darf und sich auch gegen alle anderen Bestrebungen durchsetzen wird.
Dr. Werner Schlacher
Leiter der Universitätsbibliothek der Uni Graz
E-Mail: werner.schlacher@uni-graz.at
Dr. Gerhard Richter
Kein Positionspapier eingelangt
Dr. Gerhard Richter
Obmann der Österreichischen Gesellschaft für Dokumentation & Information (ÖGDI)
E-Mail: gerhard.richter@dri.co.at
Stand: Donnerstag, 6. Oktomber 2005
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