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Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Tirolensien & Tiroler Bibliographie

In ihrer Funktion als Landesbibliothek (und Pflichtexemplarstelle für tirolische Publikationen, Mediengesetz §43, Abschnitt 6 ff.) sammelt und erschließt die ULB Literatur aus und über Tirol, die sogenannten "Tirolensien".

Der geographische Rahmen, innerhalb dem die Tirolensien gesammelt werden, umfasst Tirol in seinen Grenzen vor 1918, d.h. sowohl der ganze Raum Südtirol als auch das Trentino werden mit einbezogen. Diese Besonderheit liegt in der Geschichte Tirols, welches nach dem Ersten Weltkrieg getrennt wurde. Trotzdem ist es unserer Bibliothek nach wie vor ein Anliegen, die gesamttiroler Literatur zu sammeln. Obwohl keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann, mag dies für den Nord-, Ost- und Südtiroler Bereich  zum Großteil gelingen, jedoch nicht für das Trentino.

Einen wesentlichen Teil am Bestandsaufbau der Tirolensien machen die o.g. Pflichtexemplare aus. Da dieses Recht auf ausländische Publikationen keine Auswirkungen hat, werden Südtirolensien und Trentinensien sowie alle im Ausland bzw. in anderen Bundesländern erschienenen Werke mit Tirolbezug angekauft.

  • Anzahl Tirolensien gesamt: 160.000 Stück
  • eingehende Pflichtexemplare im Schnitt pro Jahr: 1.100 Stück
  • Ausgaben für den Ankauf von Tirolensien pro Jahr: ca. 8.000 € / ca. 400 Bände

Die Bibliographie

Ihren Niederschlag findet die Tirolensiensammlung – zumindest was die inhaltlichen Tirolensien sowie die Belletristik von Tiroler Autor/innen betrifft – in der Tiroler Bibliographie:

Der Tirolensienkatalog dokumentiert alle als inhaltlich oder belletristisch zuordenbaren Tirolensien, welche im Laufe eines Berichtsjahres an der ULB erworben werden. Die Grundlage für den Katalog bilden die Datensätze, welche im Zuge der formalen und inhaltlichen Erschließung erstellt werden. Die Bibliographie erscheint einmal jährlich und wird als „Beiheft zur Tiroler Heimat“ (Universitätsverlag Wagner) herausgegeben. An der Finanzierung der Bibliographie beteiligen sich seit 1999 die Länder Tirol und Südtirol. Die Erstellung der Bibliographie obliegt seit den Anfängen der ULB und wird von MitarbeiterInnen des Hauses durchgeführt.

Geschichtliches

Für Tirol ergibt sich bezüglich der Regionalbibliographie eine besondere Situation, zum einen durch die Teilung des Landes nach dem I. Weltkrieg und zum anderen dadurch, dass es für längere Zeiträume keine fortlaufende Berichterstattung gegeben hat.

Den Anfang für ein fortlaufendes Verzeichnis macht Karl Unterkircher mit seiner „Tirolisch-vorarlbergischen Bibliographie“ erschienen in den „Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs“, deren Berichtszeitraum sich von 1903 bis 1915 erstreckt. Diese Bibliographie hat zum Ziel, sämtliche während eines Jahres erschienenen Publikationen – sowohl selbständige Werke als auch Zeitschriftenaufsätze – mit Bezug auf Tirol oder Vorarlberg, in einer systematischen Reihenfolge aufzunehmen. Das Hauptaugenmerk liegt auf Geschichte und Landeskunde, aber auch belletristische Werke  werden mit einbezogen. Die fortlaufende Berichterstattung wird durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen.

Erst 1931 gibt es wieder eine „Deutschtirolische Bibliographie“  bearbeitet von Josef Hofinger. Der Berichtszeitraum umfasst die Jahre 1927 bis 1932 und erscheint von 1931 bis 1936 als Anhang in den Heften der „Tiroler Heimat“.  Hofinger möchte damit die Bibliographie Unterkirchers weiterführen; allerdings mit Einschränkungen der enthaltenen Werke: bestimmte Gruppen wie Recht, Politik usw. werden nur peripher berücksichtigt und auf schöngeistige Literatur wird ganz verzichtet. Werke aus Vorarlberg und dem Trentino sind in dieser Bibliographie nicht enthalten. Abgebrochen wird die Arbeit Hofingers aufgrund des II. Weltkrieges.

1960 begründen die Herausgeber der „Tiroler Heimat“ (Hermann Wopfner und Franz Huter) die „Tiroler Bibliographien“ als Beihefte zur „Tiroler Heimat“ und veröffentlichen als ersten Band Hans Hocheneggs „Bibliographie zur Geschichte des Tiroler Freiheitskampfes von 1809“. In dieser Reihe erscheint dann ab 1961 die „Deutschtirolische Bibliographie“ von Walter Neuhauser. Diese Bibliographie setzt landeskundlich-geschichtliche Schwerpunkte, bezieht aber auch belletristische Werke mit ein. Außerdem findet die Dokumentation von Aufsätzen aus einschlägigen Zeitschriften verstärkt Platz. Berücksichtigt wird nur „Deutschtirol“ inklusive Ladinien. Daraus ergibt sich eine gewisse Schwierigkeit in der Vollständigkeit der Sammlung, da „Deutschtirol“ auf zwei Staatsgebiete (Österreich – Italien) aufgeteilt ist. Mit 1970 wird die Berichterstattung erneut abgebrochen.

Nach einer mehr als zwanzigjährigen Pause wird die Arbeit 1991 wieder aufgenommen. Als „Beihefte zur Tiroler Heimat“ erscheint der „Tirolensienkatalog  - Zuwachsverzeichnis der Universitätsbibliothek Innsbruck“  bearbeitet von Karin Heller und Klaus Niedermair. Die Bibliographie enthält die von der UBI erworbenen Werke mit Tirolbezug sowie Belletristik Tiroler AutorInnen, ergänzt durch Zeitschriftenaufsätze und Artikel aus Periodika. Das Sammelgebiet wird ausgedehnt auf die Grenzen Alttirols, d.h. es umfasst sowohl Nord-, Ost- und Südtirol als auch das Trentino. Eine Vollständigkeit kann aufgrund der speziellen politischen Situation vor allem für den südlichen Landesteil nicht gewährleistet werden.

Seit 2004 wird die Bibliographie von einem neuen Team bearbeitet  - OR Mag. Peter Zerlauth, HR Dr. Klaus Niedermair und Mag. Christina Kinzner, welches sich zur Aufgabe macht, verstärkt einschlägige Aufsätze zu dokumentieren sowie die Bibliographie durch Rezensionen aufzuwerten.


Auswahl weiterer tirolischer Bibliographien:

  • Webhofer-Schrott, Sonja: Verzeichnis der Nordtiroler Periodika bis 1945 : In: Beihefte zur  Tiroler Heimat, 19.- Innsbruck, 1999
  • Enzinger, Moritz: Die deutsche Tiroler Literatur bis 1910 .- Ein Abriß. Wien, 1929
  • Schissel v. Fleschenberg, Otmar: Zur Bibliographie der tirolischen Literatur des 18. Jahrhunderts.- Wien, 1906
  • Hochenegg, Hans: Bibliographie zur Geschichte des Tiroler Freiheitskampfes von 1809.- Innsbruck : Beihefte zur Tiroler Heimat, 1960

Tirolensien-Kategorien:

  • formale Tirolensien: Literatur, die in Tirol hergestellt bzw. verlegt wird, ansonsten jedoch keinerlei Tirol - Bezug aufweist  (z.B. ein Bildband über Nepal herausgegeben von einem Tiroler Verlag, Diplomarbeiten, Dissertationen). Diese müssen laut Mediengesetz bzw. als Hochschulschriften an die Bibliothek abgegeben werden und spiegeln damit die literarische und wissenschaftliche Tätigkeit des Landes wider.
  • inhaltliche Tirolensien: Literatur, die einen inhaltlichen Tirol - Bezug aufweist (z.B.: ein Bildband über die Stubaier Alpen) unabhängig vom Erscheinungsort/-land bzw. Sprache.
  • Belletristik von Tiroler Autor/innen: dabei handelt es sich um belletristische Werke, die von TirolerInnen oder WahltirolerInnen verfasst wurden (z.B. ein Stück von Felix Mitterer)

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Aktualisiert am: 02.12.2011
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