Institutsprofil

Stand 2007 
 
Inhalt:

 

 

 

1. Grundsätzliches

Ausgangspunkt des Lehr- und Forschungsbetriebes am Institut für Systematische Theologie mit seinen Fächern "Fundamentaltheologie", "Dogmatische Theologie", "Moraltheologie", "Christliche Gesellschaftslehre", "Spirituelle Theologie" bildet eine Vision der Kirche, die sich aus der programmatischen Zuordnung der beiden Konzilskonstitutionen Lumen gentium und Gaudium et spes ergibt. Die entscheidende methodische Folgerung daraus zielt hin auf die Formulierung systematisch-theologischer Erkenntnis und sich daraus ergebender normativer Lebensorientierung im Kontext der gesellschaftlichen und pastoralen Tatsachen sowie Interpretation derselben im Zusammenhang mit der Glaubenswahrheit. Im Anschluss an die heilsgeschichtliche Sicht, die bei diesem Konzil neu entdeckt wurde, wird von den meisten MitarbeiterInnen des Instituts der Begriff "Heilsdrama" als umfassender Rahmen zur Deutung der Gegenwart und der Geschichte gewählt. Er entspringt dem biblischen Glauben, dass Gott durch Christus und den Hl. Geist in der jeweiligen Gegenwart sich selber mitteilt und in einem dramatischen Ringen mit der geschöpflichen Freiheit das Ziel verfolgt, Menschen in der Geschichte zu einer "Menschheitsfamilie" (Gaudium et spes = GS 1) zu führen und durch den Tod hindurch in der Ewigkeit zu vollenden. Dieser kommunikative, auf die Vollendung der Schöpfung hin ausgerichtete Grundtenor des "Heilsdramas" verharmlost die konfliktuellen Zuspitzungen, Katastrophen und Brüche des menschlichen Lebens und der Geschichte keineswegs. Im Gegenteil: In der Menschwerdung seines Wortes ist Gott in Christus in die Eigengesetzlichkeit einer durch Endlichkeit, Versagen und Schuld gekennzeichneten Welt eingetreten und ihr sogar zum Opfer gefallen. Die prophetische Auseinandersetzung um die wahre Gestalt Gottes in der Geschichte, der dramatische Konflikt im Geschick Jesu und deren Lösung setzen sich fort in der Geschichte des Christentums und in der Auseinandersetzung um die Gestaltung und theologische Beurteilung der Gegenwart. Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorgeschlagene Theologie der "Zeichen der Zeit" (GS 4) stellt eine methodische Hilfe zur begrifflichen Präzisierung dieses Prozesses dar. "Zeichen der Zeit" können sowohl im Kontext der kulturellen Strömungen der jeweiligen Gegenwart, als auch jener langfristigen Gesetzmäßigkeiten im religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben wahrgenommen werden, die das menschliche Leben und Zusammenleben nachhaltig prägen.
An den folgenden Phänomenen der heutigen Welt und Kirche können unserer Meinung nach paradigmatisch jene Verdichtungen von Heil und Unheil, damit auch jene "Zeichen der Zeit" abgelesen werden, die für die Gestalt der gegenwärtigen systematischen Theologie von entscheidender Bedeutung sind:
  •  Ausgehend von Modellen der Biologie zeichnet sich in allen Bereichen des Wissens, bis hin zur Erkenntnislehre und Wissenschaftstheorie, eine evolutionäre Deutung der Welt ab, es entsteht ein neues Paradigma der Weltdeutung.
  •  Die bisher getrennten Geschichten vieler Völker wachsen zu einer einzigen Geschichte der Menschheit zusammen (Globalisierung).
  • Durch die naturwissenschaftlich-industrielle Entwicklung greifen die Menschen immer mehr in das Geschick der ganzen Menschheit ein (Genmanipulation, Nanotechnologie, Möglichkeit der Selbst- und Weltvernichtung, indirekte Veränderung der Menschen durch Transformation der Umwelt, etc.) und beginnen ein Experiment mit sich selber.
  • Die Kommunikation zwischen den Völkern vollzieht sich vor allem durch die weltweite Marktwirtschaft und die elektronischen Medien, die auch den politischen, kulturellen und religiösen Bereich in ihren Bann ziehen. Den traditionellen Religionen und Kirchen bietet sich dadurch einerseits eine noch nicht da gewesene Chance der Mission an; die Eigengesetzlichkeit der medialen Welt nivelliert aber anderseits die Eigenart und die spezifische Motivationskraft dieser Religionen.
  • Im politischen Bereich ist der gesellschaftliche Diskurs weltweit durch die Orientierung an den Menschenrechten und der Demokratie geprägt. Dieser führt zu nachhaltigen Veränderungen traditioneller Muster, vor allem im Geschlechterverhältnis und des gesellschaftlichen Ortes verschiedener Minderheiten. Wenn dieser Diskurs in Rhetorik abzugleiten droht und die kulturell-religiösen Voraussetzungen des liberalen Verfassungsstaates - wie sie das Böckenförde-Paradox formulierte -, überspielt werden, steht jeder normative Begriff vom Menschen, der den Menschenrechten und der Demokratie zu Grunde liegt, in Frage.
  • Vor dem Hintergrund von zwei schrecklichen Weltkriegen im letzten Jahrhundert schien mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes der globale Transformationsprozess weitgehend in friedlichen Bahnen zu verlaufen. Die gewaltfreien Revolutionen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, auf den Philippinen und in Südafrika sind eindrucksvolle und historisch einmalige Zeichen einer Absage an den Einsatz von Gewalt als Mittel der Konfliktlösung.
  • Andererseits weisen gerade die Kriege in Ex-Jugoslawien und die Bürgerkriege in Afrika, vor allem aber der Terroranschlag vom 11. September 2001 und der darauf folgende "Krieg gegen den Terror" – etwa in Afghanistan und dem Irak – darauf hin, dass der "befriedende" Einfluss der Marktwirtschaft seine Grenzen hat. Die inneren Zerfallsprozesse in den Ländern des Westens, die sich etwa in der latenten Gewaltbereitschaft bei vielen Jugendlichen manifestieren, die regelmäßigen Gewalteruptionen, die den politischen Willensbildungsprozess im Kontext der Globalisierung begleiten, schlussendlich die Radikalisierung des Konfliktes: Israel – Palästina zeugen von der massiven Rückkehr der Gewalt ins gesellschaftliche Leben zu Beginn des dritten Jahrtausends.

Der öffentliche Diskurs über Religion wird allzu oft im Kontext der Problematik dieser Rückkehr der Gewalt geführt. Das Vorurteil "Religion erzeugt Gewalt" verführt dann zur Reduktion komplexer Konfliktsituationen auf einfache Formeln. Die organisierten Religionsgemeinschaften werden einseitig in die Rolle kultureller Sündenböcke gedrängt, das Bewusstsein vom friedensstiftenden Potenzial der Religion schwindet. Da die Gegenwart auch durch ein weltweites Erstarken religiöser Gemeinschaften geprägt ist, dieses Faktum aber einseitig als Erstarken des Fundamentalismus interpretiert wird, verschärft sich vor diesem Hintergrund die Frage nach dem jeweiligen Verhältnis religiöser Überzeugungen zu Gewalt, und auf diesem Hintergrund nach dem Umgang der von den Überzeugungen getragenen religiösen Gemeinschaften mit Andersgläubigen. In diesem Zusammenhang sollten all jene Bemühungen nicht übersehen werden, in denen Religionen sich um Frieden und eine gemeinsame Weltverantwortung bemühen. Eine solche Initiative stellt das Parlament der Religionen der Welt von 1893 dar, ebenso wie dessen Wiederbelebung im Rahmen des Projektes Weltethos hundert Jahre später. In dieser Welt ist die Kirche, die zu einer Weltkirche geworden ist, trotz aller Sündhaftigkeit und allen Versagens (vgl. UR 3, LG 8) ein Zeichen für das Handeln Gottes. Zu den neueren Ereignissen in der Kirche selber, von denen her wir die gegenwärtige Geschichte der Menschheit deuten wollen, gehören vor allem:

  • Das Zweite Vatikanische Konzil: Es bekennt sich zur Religionsfreiheit (DH), bietet eine inkarnatorische Sicht der menschlichen Geschichte an (DV), versteht die Kirche als Sakrament für die Vereinigung (aller) Menschen mit Gott und untereinander (LG 1) und stellt ein Wechselverhältnis her zwischen der dogmatischen Innensicht der Kirche (LG) und der pastoralen Sicht auf die ganze Welt (GS).
  • Die seit dem Konzil stattfindende kontinuierliche Deutung der christlichen Mission durch das kirchliche Lehramt in den Kategorien des Dialogs und des Einsatzes für Gerechtigkeit und Menschenrechte.
  • Die beiden Treffen in Assisi (1986/2002), bei denen – auf Initiative von Papst Johannes Paul II. – sich zum ersten Mal in der Geschichte führende Vertreter verschiedenster Religionen zum Gebet um den Frieden getroffen haben. Auch wenn die Form und der Inhalt der Gebete in den Religionen der Menschheit verschieden sind, und diese der liberalen Versuchung einer Nivellierung zur Einheitsreligion widerstehen müssen, verdichtet sich im interreligiösen Dialog und im interreligiösen Handeln – gerade hinsichtlich der Friedensproblematik – der Glaube an das Handeln Gottes in unserer Gegenwart.
  • Das Schuldbekenntnis und die Vergebungsbitten der Katholischen Kirche von Papst Johannes Paul II. zu Beginn des dritten Jahrtausends am ersten Fastensonntag (12. März) 2000. Mit diesem Gottesdienst nahm die Kirche Abstand von der Versuchung der Tabuisierung kirchlicher Schuld, sie präzisierte die Auffassung des 2. Vatikanischen Konzils von der Heiligkeit der Kirche gerade im "dramatischen Kontext" der Auseinandersetzung um die Wirklichkeit des Heils in unserer Welt und rückte das genuin theologische Verständnis der Sünde in den Vordergrund, das die Sünde nicht im Kontext einer Anschuldigung sondern der vergebenden Gnade zu bekennen vermag.
Auf dem Hintergrund solcher Entwicklungen und Ereignisse fokussiert der Lehr- und Forschungsbetrieb am Institut für Systematische Theologie die Frage nach der Identität des christlichen Glaubens im Kontext katholischer Kirchlichkeit. Entgegen den Versuchungen, diese in Form der Extreme zu behandeln, den Katholizismus mit einer verengten fundamentalistischen Reaktion auf die gegenwärtige Welt, oder aber der nivellierenden Weite einer liberalen Anpassung an die herrschenden Trends zu identifizieren, wird im Institut durch die heilsgeschichtliche Sicht und auch durch den Begriff des Dramas der Aspekt des Ringens um eine solche Identität in den Vordergrund gerückt. Religion gehört zum unverzichtbaren Integrationsfaktor des gesellschaftlichen Lebens, ihre inhaltliche Gestalt muss in einem dauernden Auseinandersetzungsprozess – zu dem die theoretische Reflexion unverzichtbar gehört – gewonnen werden. Auch wenn der Ausgang des Ringens offen ist, so steht doch die heilsgeschichtliche Sicht für das Zeugnis eines grundsätzlichen Sieges über das Böse in Christus und für eine stückweit geglückte, weil gelebte und erlittene kirchliche Identität. Diese schlägt sich nieder u.a. in der rationalen Rechenschaft des Glaubens, der dogmatischen und spirituellen Tradition und der Moral- und Soziallehre der Kirche, auf der die Gebiete der am Institut vertretenen Fächer aufbauen. Sie gehören gemäß den kirchlichen Bestimmungen (vgl. c 252 § 3 CIC; Sapiens Christiana und Durchführungsverordnung zu Sapiens Christiana: SC InstCath, Ordinationes vom 29. April 1979, in: AAS 71 [1979], S. 500-521, Art. 51) zu den Disziplinen einer jeden Theologischen Fakultät.

 

2. Die am Institut vertretenen Fächer 

 

2.1 Fundamentaltheologie 
Die Fundamentaltheologie ist Auslegung der Vernunft des Glaubens ("intellectus fidei") durch grundlegendes Vernehmen des Wortes Gottes ("auditus fidei") und durch Explikation seines Wahrheitsanspruches in der Situation radikaler Bestreitung heute. Deswegen kann sie auch Pioniertheologie in der Form des Dialogs im Herausforderungskontext der Zeit sein. Sie hat eine Argumentationsform auszubilden, die als Brücke zwischen Glaubenden und Nicht-Glaubenden dienlich ist. In ihren generellen inhaltlichen Themenbereichen – Gott, Offenbarung und Christus, Kirche – kommen in wechselseitiger Vertiefung von Innen (Hermeneutik als Glaubensverständnis: Identitätsfrage) und Außen (Apologetik als Glaubenserweis für andere: Relevanz) die Sach- und Sprachperspektiven aller theologischen Aussagen und Wahrheitsansprüche in grundlegender Form zur Geltung. Daher haben alle theologischen Fächer als Basis ihres rationalen Vorgehens die Fundamentaltheologie zur Voraussetzung. Dieses ist fundamentaltheologisch in der theologischen Prinzipien- und Erkenntnislehre ausdrücklich zu reflektieren und wissenschaftstheoretisch zu vertiefen. Der Kontext des Dialogs ist bestimmt durch das Thema der Religionen und die verschiedenen Formen weltanschaulich geprägter Stellungnahmen zum Glauben (Agnostizismus, Indifferenz, Atheismus – insbesondere mit den epistemischen Ansprüchen der Sozial- und Naturwissenschaften). Ausdrückliche Themenbereiche werden daher in neuer Weise: Glaube und Geschichte, die religiöse Sprache, Formen der Mystik, Theologie im Verhältnis zur Philosophie und zur Wissenschaft, Theologie der Religionen, der Mensch als Hörer des Wortes.

 

2.2 Dogmatische Theologie 
Während das kirchliche Lehramt in seiner langen Geschichte v.a. zu einzelnen Fragen Stellung bezogen hat, geht es in der Dogmatischen Theologie darum, vom biblischen Fundament her eine Gesamtschau der kirchlichen Lehre darzulegen (dies entspricht dem Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils – Optatam totius 16 – die Dogmatische Theologie primär als "Heilsgeschichtliche Dogmatik" zu betreiben). Dabei stellen sich Fragen, wie die einzelnen kirchlichen Aussagen sich wechselseitig ergänzen oder kritisch eingrenzen, und ob es im Laufe der Geschichte zu Brüchen und Reinterpretationen gekommen ist. Durch die kirchliche Lehre hindurch soll für die Studierenden das christliche Glaubensgeheimnis des trinitarischen Gottes in seiner faszinierenden Kraft aufleuchten und es soll die innere Einheit des Handelns Gottes in Christus, in der Kirche, in anderen Religionen und in der Welt einsichtig werden. Dabei ist es zugleich Aufgabe der Dogmatischen Theologie, die christliche und kirchliche Lehre mit den kulturellen und gesellschaftlichen Grundvorstellungen unserer Zeit in einem dramatischen Dialog zu konfrontieren, um einerseits Ideologien und Mächte, die einen götzenhaften Charakter haben, zu kritisieren, anderseits aber auch zu fragen, wie die überlieferte Lehre im veränderten Kontext glaubwürdig ausgesagt werden kann. Da zu diesen Veränderungen einerseits auch die zu Beginn des dritten Jahrtausends deutlich feststellbare "Rückkehr der Gewalt" ins gesellschaftliche Leben zählt, anderseits die verstärkte Präsenz Gläubiger anderer Religionen, v.a. der Muslime im Einzugsgebiet der Landesuniversität ist der dramatische – auf eine qualitative Toleranz hin ausgerichtete Dialog mit anderen großen Religionen der Welt (gerade unter der Perspektive: Religion-Gewalt) unumgänglich. Zu dieser umfassenden Aufgabe leistet auch die Dogmatische Theologie ihren Beitrag, indem sie die dogmatischen Wahrheiten im Kontext der Frage nach Gewaltüberwindung und jener Religionsfreiheit, die im Geschick Jesu sichtbar wurde, interpretiert.

 

2.3 Moraltheologie 
Die Moraltheologie reflektiert das christliche Handeln. Dies geschieht, indem die Transzendenzverwiesenheit des Menschen, seine Gotteserfahrung und die Beziehung zu Jesus Christus dem Normanspruch moralischen Handelns zugrunde gelegt und im Zusammenhang der ganzen Geschichte eines christlichen Lebens verstanden werden. Ihre Ausrichtung auf die christliche Heilsgeschichte verdankt die Moraltheologie der Gnadentheologie; sie schließt an eine Tradition an, in der Dogma und Moral zusammen bedacht wurden. Das II. Vatikanische Konzil war auch für die Moraltheologie ein Meilenstein in der Wiederentdeckung der Heiligen Schrift als Grundlage des christlichen Lebens: "Besondere Sorge verwende man auf die Vervollkommnung der Moraltheologie, die, reicher genährt aus der Lehre der Schrift, in wissenschaftlicher Darlegung die Erhabenheit der Berufung der Gläubigen in Christus und ihre Verpflichtung, in der Liebe Frucht zu tragen für das Leben der Welt, erhellen soll." (Optatam totius Art. 16). Die Moraltheologie folgt dem II. Vatikanische Konzil nicht nur in der Verbindung von Dogma und Moral sowie von Moral und Bibel, sondern auch in der Verbindung von spiritueller Theologie bzw. Spiritualität und Moraltheologie (vgl. DV 8).
Die Fundamentalmoral hat aufzuweisen, wie eine verantwortete Begründung normativer ethischer Geltungsansprüche in der gegenwärtigen Situation eines ethischen Pluralismus argumentativ eingelöst werden kann. Eine christliche Anthropologie hat den Auftrag des II. Vatikanischen Konzils (vgl. GS 5) zu erfüllen, ein ganzheitliches Menschenbild zu erstellen. D.h., den biologischen, psychologischen und spirituellen Dimensionen des Menschen gerecht zu werden. Dies ist heute nicht möglich ohne die Reflexion der Geschlechtlichkeit und der Beziehung der Geschlechter zueinander in Liebe und Gerechtigkeit.
Die spezielle Moraltheologie behandelt ausgewählte moralisch relevante Probleme, die die sittlich-rechtliche Ordnung der Gesellschaft als Voraussetzung des individuellen christlichen Handelns betreffen, wie z.B. Leben und Tod (Euthanasie, Abtreibung, Krankheit, Behinderung, Schutz des Lebens, Lebensrechte), das persönliche Leben (Familie, Freunde, Sexualität, Tugenden) und Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit (sexuelle und rassische Diskriminierung, Bestrafung Krimineller, Todesstrafe, ökonomische Gerechtigkeit, Eigentum, internationale Verpflichtungen, der Hunger in der Welt).

 

2.4 Christliche Gesellschaftslehre 
Die Christliche Gesellschaftslehre versteht sich als theologische Disziplin. Dabei kommt ihr ausdrücklich die Bedeutung eines "Instrumentes der Glaubensverkündigung" zu, denn sie "verkündet jedem Menschen Gott und das Heilsmysterium in Christus und enthüllt dem Menschen so den Menschen selbst" (Centesimus annus = CA 54). Es geht diesem Fach nicht so sehr um die Ausformulierung konkreter sozialtechnischer Ordnungsmodelle, sondern um die Deutung der Wirklichkeit und eine grundsätzliche Orientierung zum Handeln. Der Lehre des Evangeliums kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle und Bedeutung zu (Sollicitudo rei socialis = SRS 41, CA 5), da sich die Gesellschaftslehre erst in ihrem Licht mit den konkreten gesellschaftspolitischen Fragen wie Menschenrechten, Familie, Staat, nationaler und internationaler Ordnung, Migration, Wirtschaftsleben, Kultur, Krieg und Frieden befasst. Methodisch geht es um die "genaue Formulierung der Ergebnisse einer sorgfältigen Reflexion über die komplexen Wirklichkeiten menschlicher Existenz in der Gesellschaft und auf internationaler Ebene, und dies im Licht des Glaubens und der kirchlichen Überlieferung" (SRS 41). Ausdrücklich sind in diese Reflexion auch Philosophie, Human- und Sozialwissenschaften mit einzubeziehen (CA 54). Inhaltlich im Zentrum stehen die systematische Entfaltung der amtlichen Katholischen Soziallehre, sowie die Felder politische Ethik, Friedensethik, Ethik der Technik, Wirtschaftsethik und Ethik der internationalen Beziehungen.

 

2.5 Spirituelle Theologie 
Die Spirituelle Theologie reflektiert die Gottesbeziehung der Christen. Sie hilft, theologische Kriterien für die eigene Gottesbeziehung zu entwickeln, sowie Fähigkeiten zur Beurteilung geistlicher Erfahrungen in der geistlichen Begleitung zu erwerben. Dabei werden die gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Bezüge der Gottesbeziehung besonders beachtet. Jesus Christus wird als Mitte des christlichen Glaubens erkannt und als das Kriterium gesehen zur Beurteilung gegenwärtiger spiritueller Phänomene und Bewegungen innerhalb und außerhalb der Katholischen Kirche sowie in deren reicher spiritueller Geschichte mit ihren vielfältigen spirituellen Traditionen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Ignatianische Spiritualität und die Tradition der großen Mystikerinnen und Mystiker des Christentums gelegt.
Spirituelle Theologie ist ein Fach, das alle theologischen Disziplinen durchdringen soll, vergleichbar auch einem "Unterrichtsprinzip". Deshalb ist sie in der Tradition verschiedenen theologischen Fächern zugeordnet worden (z.B. Dogmatik, Pastoral- oder Moraltheologie). Wenn derzeit die Spirituelle Theologie von der Systematischen Theologie her betreut wird, dann sollte dabei besonders auch die Zusammenarbeit mit anderen Fächern angestrebt werden.

 

3. Strategische Ziele 

 

3.1 Stärkung der Forschung 

 

Fächerübergreifende Forschung am Institut 

Ausgehend von der am Heilsdrama orientierten Verbindung von dogmatischer Wahrheit und pastoraler bzw. gesellschaftlicher Realität werden in gemeinsamen Forschungsprojekten jene Problemstellungen formuliert und aufgearbeitet, die eine Brückenfunktion zwischen einer ausformulierten theologischen Dogmatik und den stärker die human- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen einbeziehenden Fächern der Moraltheologie und Gesellschaftslehre innehaben. Die Bündelung der Forschungsarbeit und die internationale Vernetzung des Instituts erfolgt wesentlich im Rahmen des institutsübergreifenden Forschungsschwerpunktes "Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung", in dem mehrere Institutsmitglieder Ansätze einer "Dramatischen Theologie" erarbeiten, und im Rahmen der universitären Forschungsplattform "Weltordnung-Religion-Gewalt". Das Institut leistet für diese beiden Einrichtungen wichtige Leitungs- und Verwaltungsaufgaben. Dies gilt auch für die mit der Forschungsplattform verbundene Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Forschungsgemeinschaft "Politik-Religion-Gewalt" und für das internationale und interdisziplinäre "Colloquium on Violence & Religion". Einzelne Institutsmitglieder sind darüber hinaus auch in andere Forschungskontexte eingebunden (Forschungsschwerpunkt "Geschlechterforschung – Identitäten – Diskurse – Transformationen"; Forschungsschwerpunkt "Innsbruck Media Studies – Interdisziplinäre Medienforschung"; internationale Forschungsgruppe "Film & Theologie"; Internationale Newman-Forschung). Das Institut betreut das Raymund-Schwager-Archiv. Zu den gemeinsamen Forschungsprojekten zählt auch die Herausgabe und Betreuung der Publikationsreihe "Beiträge zur mimetischen Theorie".

 

Forschung im Kontext einzelner Fächer 

 

Fundamentaltheologie

Die methodische und wissenschaftstheoretische Begleitung des theologischen Forschungsschwerpunktes "Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung" ist eine kontinuierliche Aufgabe. Die Aufarbeitung der katholischen schultheologischen Offenbarungstheologie unter besonderer Berücksichtigung der neueren Thomas-Forschung soll in ihrer theologiegeschichtlichen und aktuellen Bedeutung untersucht werden (Karl Rahner; Zweites Vatikanisches Konzil). Diese theologiegeschichtliche Forschung wird auf zwei aktuelle Fragestellungen hin fokussiert: in der Analytik des Glaubensaktes in der Tradition von John Henry Newman und Karl Rahners Hörer des Wortes, sowie auf die Frage der Entfaltung der Gotteslehre unter den Herausforderungen des religiösen und weltanschaulichen Pluralismus und der vielen Kontexte der heutigen Theologie der Weltkirche (Schwerpunkt: Eigenschaftslehre). Deshalb wird das Verhältnis von Theologie und Philosophie ein Subthema der gesamten Forschung bilden.

 

Dogmatische Theologie

Die Forschung in der Dogmatischen Theologie konzentriert sich derzeit auf den Ausbau und die Systematisierung des Modells der "Dramatischen Theologie". Neben der Fokussierung der Bemühungen um ein neues Handbuch der Dogmatik und der Reflexion der methodischen Fragen sind es auch Schwerpunkte in den traditionellen Traktaten der Anthropologie, der Eschatologie (in diesem Zusammenhang v.a. Apokalyptik), die in konkreten Projekten bearbeitet werden. Die stärkere Vernetzung der Dogmatik mit der Fundamentaltheologie (und die forschungsmäßige Verankerung beider Fächer im Schwerpunkt "Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung") wird sich wohl auf die Neupositionierung der Perspektiven auswirken.

 

Moraltheologie

Die Forschung in der Moraltheologie hat die drei Schwerpunkte Menschenrechte, medizinische Ethik und Gender. Die Menschenrechte und das Naturrecht gelangten nach dem Zweiten Weltkrieg zu neuer Bedeutung und wurden seither beständig weiter entwickelt. Das Menschenrecht auf Gesundheit wird in seiner ganzheitlichen Bedeutung für Menschen in den Megastädten der Dritten Welt untersucht. In der medizinischen Ethik geht es um die Erforschung der Gefährdungen und um die Sicherstellung der Menschenwürde in der modernen Medizin. Der Schwerpunkt der Genderforschung liegt auf den Herausforderungen der traditionellen Ehe durch die dramatischen Veränderungen unserer Lebensbedingungen und -formen.

 

Gesellschaftslehre

Die Forschung in der Gesellschaftslehre konzentriert sich auf Fragen der politischen Ethik, der Friedensethik und der Wirtschaftsethik, die im engen Zusammenhang mit der gemeinsam am Institut erarbeiteten Sozialtheologie in ihren konkreten Ausfächerungen (Politische Theologie, Friedenstheologie, Wirtschaftstheologie) gesehen werden sollen. Konkret geht es um Probleme der gegenwärtigen Demokratie, um die Konzeption einer neuen Weltordnungspolitik, die Beziehung von Konkurrenz und Globalisierung sowie um eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit gegenwärtigen wirtschaftsethischen Konzeptionen.

 

3.2 Profilbildung in der Lehre 

 

Aktuelle Lehre im Rahmen des ganzen Instituts 
Im Rahmen der neuen Studienpläne (UniStG UOG 93) lehrt das Institut sowohl für das Basisstudium als auch für die Vertiefungsstudien in allen von der Fakultät angebotenen Studienrichtungen. Dabei wird großes Augenmerk auf die Kooperation der einzelnen Fächer gelegt. Es beteiligt sich auch an der Durchführung der kooperativen Studieneingansphase (mit einem Block über das kirchliche Glaubensbekenntnis), der interdisziplinären Fakultätsmodule, der Fachdidaktik und am Pflichtcurriculum des Doktoratsstudiums Theologie (Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsdidaktik). Das Diplomarbeitsmodul für Systematische Theologie umfasst neben spezifischen fachbezogenen Angeboten auch einen Teil, der vom ganzen Institut getragen wird (Systematische Theologie und ihr Profil); ebenso wird das Vertiefungsmodul: Systematische Theologie im zweiten Studienabschnitt der Studienrichtung: Katholische Religionspädagogik vom ganzen Institut getragen.

Über das Pflichtangebot hinaus bietet das Institut auch Lehrveranstaltungen zu den am Institut betriebenen Forschungsschwerpunkten und beteiligt sich an der Durchführung der kooperativen Lehrveranstaltungen mit den VertreterInnen anderer theologischer Fachbereiche und nichttheologischer Disziplinen. Weiters sind Angehörige des Instituts mit der Lehre an Studienrichtungen anderer Fakultäten und Universitäten (Medizin, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Mathematik, Geisteswissenschaften) betraut oder bieten dort regelmäßige Lehrveranstaltungen an.

 

Lehre in den einzelnen Fächern

 

Fundamentaltheologie

Die Lehraufgaben des Faches Fundamentaltheologie sind zusammen mit der Verantwortung für die Ausbildung in Religionswissenschaft im Lehrplan unter verschiedenen Bezeichnungen verstreut. Die zwei Grundkurse führen in die Themenfelder Religion, Jesus Christus als Glaubensgrund und Kirche ein. Die ”Theologische Erkenntnislehre” wird in Zusammenarbeit mit der Philosophie dargelegt. Die Vertiefung wird in Beziehung zur Religionswissenschaft als Theologie der Religionen gelesen. Mit Lehrbeauftragten werden in der Religionswissenschaft das Fach, die wichtigsten Weltreligionen (Islam, Buddhismus, Hinduismus) und aktuelle Entwicklungen in Österreich bzw. Tirol vorgestellt. Die traditionelle Aufgabe der Enzyklopädie ist unter dem Namen "Die theologischen Fächer in ihrem Zusammenhang" in der Studieneingangsphase integriert. Ein konstitutives Anliegen des Faches ist im Fakultätsmodul "Kirche im ökumenischen und interreligiösen Dialog" realisiert. Im Doktoratsstudium ist das Anliegen der ‘Theologischen Wissenschaftstheorie’ verankert. In Kooperation mit einer Vertreterin der Religionspädagogik verantwortet ein Vertreter des Faches auch die “Wissenschaftsdidaktik” im Doktoratsstudium.

 

Dogmatische Theologie

Den Erfordernissen der neuen Studienpläne entsprechend wird die "Dogmatische Theologie" sowohl im Basisstudium (erster Studienabschnitt der Studienrichtungen: Fachtheologie, Katholische Religionspädagogik und zweiter Studienabschnitt der Studienrichtung: Lehramt Katholische Religion) als auch im Vertiefungsstudium der Studienrichtungen: Fachtheologie und Katholische Religionspädagogik gelehrt. Das Basiscurriculum im Ausmaß von sechs Semesterstunden umfasst den gesamten Stoff der ‘Dogmatischen Tradition katholischer Dogmatik (die traditionellen Traktate)’ gegliedert nach den aus dem Programm des Zweiten  Vatikanischen Konzils und der Programmatik des Instituts sich ergebenden Gesichtspunkten: Jesus Christus im dramatischen Ringen und Heil und Wahrheit; der Glaube der Kirche im Kontext der Dramatik der Kirche; Der Glaube der Kirche im Kontext der Dramatik der Welt. Das Vertiefungscurriculum im Ausmaß von 6 SSt der Fachtheologischen Studienrichtung greift auf die traditionelle Logik der Traktate zurück und bietet den Studierenden die Möglichkeit einer gezielten Auswahl der zu vertiefenden Traktate. Das Vertiefungsstudium der Studienrichtung: Katholische Religionspädagogik wird im Rahmen eines für diese Studienrichtung zusammengestellten Vertiefungsmoduls des gesamten Instituts absolviert.

 

Moraltheologie

Die “Moraltheologie” führt im Basisstudium mit zwei Vorlesungen (Fundamentalmoral und Beziehungsethik) in die “Allgemeine Moraltheologie” ein. Das Vertiefungsstudium behandelt in der “Bibelmoral” die sittliche Botschaft Jesu Christi als Lebensmodell für die ChristInnen und in der speziellen Moral ausgewählte moralisch relevante Problembereiche für das christliche Handeln in einer wertepluralistischen Gesellschaft.

 

Gesellschaftlehre

Neben einer grundlegenden Einführung in die Tradition der Katholischen Soziallehre stehen im Fachgebiet “Christliche Gesellschaftslehre” die Themen: Politische Ethik, Friedens- und Wirtschaftsethik sowie Fragen der Sozialanthropologie und -theologie im Vordergrund.

 

Spirituelle Theologie

Derzeit wird die Spirituelle Theologie im ersten Studienabschnitt gelehrt. Ziel ist die Befähigung der Studierenden, verschiedene spirituelle Traditionen in ihren Akzentsetzungen und ihrem gemeinsamen christlichen Zentrum kennen und würdigen zu lernen, den eigenen geistlichen Weg in produktivem Dialog mit anderen Glaubenden zu gehen und vom Fundament der gemeinsamen christlichen Spiritualität aus auch besondere Ausprägungen derselben einander zuordnen und theologisch bewerten zu können.

 

3.3 Öffnung der Universität - Wissenstransfer 

 

Die Forschung in der Dogmatischen Theologie konzentriert sich derzeit auf den Ausbau und die Systematisierung eines "Dramatischen Konzeptes der Dogmatik". Die nächstliegenden Projekte sehen folgende Schritte vor: die Erarbeitung einer dramatischen Deutung der Dogmengeschichte (Trinitätslehre und Christologie) im Zusammenhang mit dem Verhältnis zum Judentum und Islam, die Entfaltung der Wirkungsgeschichte des Dogmas zu einer Hypothese bezüglich einer umfassenden Geschichtstheologie und die Verbindung der dramatischen Geschichtstheologie mit der Schöpfungstheologie auf dem Hintergrund einer evolutionären Sicht des ganzen Kosmos und des Lebens, die Neudeutung der Gnadentheologie, der Eschatologie und der Ekklesiologie (hier in Zusammenarbeit mit dem Institut für Praktische Theologie) im Kontext der modernen durch Markt und mediale Eigengesetzlichkeit strukturierten Gesellschaft.
  • Mitgestaltung und Planung der "Theologischen Sommertage" der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck
  • Lehre im Rahmen des "Theologischen Fernkurses"
  • Mitarbeit am Lehrgang "Kommunikative Theologie"
  • Angebote im Bereich der LehrerInnenfortbildung
  • Angebote im Bereich der SeelsorgerInnenfortbildung
  • Angebote im Bereich der Krankenhausseelsorge
 Außerdem ist das Institut auch wesentlich an der Konzeption und Weiterentwicklung des virtuellen "Innsbrucker Theologischen Leseraums" der Fakultät beteiligt.