"Öko" wird zum Statussymbol
Gesundheit und Öko-Gedanke beeinflussen immer mehr das Kaufverhalten, so Experten beim Handelsforum in Igls. Und über das Internet arbeitet der künftige Kunde selbst am Produkt mit.
Igls – Zum zweiten Mal wurde das Tiroler Handelsforum vom Institut für strategisches Management, Marketing und Tourismus gemeinsam mit der Tiroler Wirtschaftskammer Sparte Handel veranstaltet. Günther Botschen führte durch einen Abend, der neben sechs spannenden Vorträgen rund um den Bindungsstoff Marke auch kulinarische Highlights und unterhaltsame kabarettistische Einlagen von Markus Linder bot.
Nicht erst die Jüngste Atomkatastrophe in Japan hat die Menschen beim Einkaufen sensibilisiert. „Gesundheit ist das stärkste Statussymbol der Gegenwart“, schildert Markenexperte Markus Webhofer (Brand Logic) gestern beim Handelsforum in Igls vor dem versammelten Tiroler Handel. Davon könne auch eine Marke profitieren. Besonders die Ernährungsindustrie etwa ist seit geraumer Zeit auf den Gesundheitszug aufgesprungen und versucht mit den Produkten auch eine gesunde Ernährung zu propagieren.
Generell habe sich das Elitedenken beim Einkaufsverhalten der Menschen seit geraumer Zeit verändert: die Lust auf protzige Statussymbole weiche zusehends der Nachhaltigkeit und der sozialen Verantwortung, glaubt Webhofer. „Es findet eine Ökologisierung statt“, ist sich Webhofer sicher und folgert nicht zuletzt im Schatten von Ölpest und Japan-Katastrophe Folgendes: „Ökostrom könnte künftig zu einem sehr starken Statussymbol werden.“
Eine Entwicklung, die zunehmend auch Tirols Handelsobmann Peter Wartusch beobachtet. „ Die Leute sind beim Einkaufen sensibler geworden, wollen wissen, wo das Produkt herkommt und wie es hergestellt wird.“ Laut Wartusch würden somit regionale Produkte an Bedeutung gewinnen. „Regionalität ist ein entscheidender Faktor.“
Wie auch das Internet. Dank der Vernetzung oder sozialer Netzwerke wie Facebook habe sich bei Betrieben mitunter auch die Produktentwicklung verändert, schildert Marketing-Experte Johann Füller. Unternehmen können über das Internet den kollektiven Ideenreichtum ihrer Kunden schon in der Entwicklung nutzen, sie als Tester und Werber einbinden und somit Produkt und Marke stärken. Auf Kooperationsmodelle setzt auch Daniela Mündler, Marketingchefin im Douglas-Konzern. „Durch die Geiz-ist-geil-Mentalität ist es möglich, dass es das Konzept jetziger Parfümerien in 10 Jahren nicht mehr gibt.“ Daher sei Markenpflege „eine der wichtigsten Aufgaben“. Medienunternehmer Hermann Petz, Vorstandschef der Moser Holding, ortet auch im Medienbereich eine „hohe Innovationsdynamik“. Regionalisierung, Internet –Communities, Verlässlichkeit und Service können laut Petz dabei Produkt und Marke enorm stärken. „Nicht alle Kunden wollen sich emotional an Marken binden. Kundenbindungsprogramme sollten stärker auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen“ sagt Eva Thelen. (TT)
