| Textmusik
in der Romania - Archiv für Textmusikforschung |
Leitung: Univ.-Prof. Dr. Ursula Moser
Link zur Datenbank der Abteilung
Zur
Einrichtung
Seit 1985 existiert am Institut für Romanistik
der Universität Innsbruck eine für den deutschsprachigen Raum einzigartige
Dokumentations- und Forschungsstelle auf dem Gebiet der romanischen Textmusik,
die Abteilung Textmusik in der Romania.
Nähere
Auskünfte und Tipps für den Benutzer
Univ.-Prof. Dr. Ursula Moser (Leiterin); Dr. Gerhild Fuchs; Mag. Birgit
Steurer; alle Universität Innsbruck, Institut für Romanistik, Innrain
52, A-6020 Innsbruck; Tel. 0043-512/507-4208, 4229; Fax: 0043-512/507- 2883;
e-mail: u.moser@uibk.ac.at
Entlehnzeiten:
Di 1200-1400, Do 1400-1600 und nach Absprache. Kontakt: Birgit.Steurer@uibk.ac.at
Die
Tonträger können in der Abteilung Textmusik in der Romania
angehört und entlehnt werden. Für den privaten Gebrauch können
Arbeitskopien angefertigt werden. Der gesamte
Tonträgerbestand ist über das Internet
abrufbar.
Zur
inhaltlichen Ausrichtung
Gegenstand von Forschung und Dokumentation sind alle Formen des sprachlichen
Ausdrucks in den romanischen Ländern, die mit dem Medium Musik in Verbindung
stehen:
- die traditionellen Mischformen Oper, Operette, Musical etc. im Bereich der Romania
- sämtliche Spielarten des romanischen Kunst- und des romanischen Volkslieds

- sämtliche modernen populären Liedformen in der Romania (Chanson, Schlager, Popsong, Rock, Rap, Lieder der politischen Agitation etc.)

- Rezitationstexte aus der Romania mit Instrumentalbegleitung.
Den derzeitigen Schwerpunkt bildet das zeitgenössische Lied in Frankreich und in den frankophonen Ländern (Québec), in Italien, Portugal und Brasilien, in Spanien und Hispanoamerika.

von links nach rechts: Gilles Vigneault, Québec - Amália Rodrigues, "Königin des Fado", Portugal - Felix Dima, Cuba
Zur
Dokumentation
Die Abteilung verfügt derzeit über circa 5.500 Tonträger
(Schallplatten, CDs, Kassetten; neuerdings auch Aufnahmen zur französischen
Literatur) mit mehr als 50.000 Einzeltiteln. Sie sind nach neuesten Gesichtspunkten
in einer Datenbank gespeichert und jederzeit, auch kombiniert, abrufbar. Bearbeitet
und betreut wird diese Tonträger-Datenbank von Birgit Steurer.
Den Zugang zu den Beständen erleichtert ein 1993 publiziertes Tonträgerverzeichnis, das durch diverse Zusatzhefte sowie Informationen in BAT. Bulletin des Archivs für Textmusikforschung ergänzt wurde und wird. Daneben gibt es aktualisierte Tonträgerverzeichnisse einzelner Teilbereiche, wie zum Beispiel das frankophone Nordamerika (2. Auflage 2002) oder Italien (1998)
Die Tonträger werden ergänzt durch eine Fachbibliothek von mehr als 3.000 Titeln: Textbände, Anthologien, Monographien, schwer zugängliche Publikationen in Zeitschriften und Zeitungen, einschlägige Zeitschriften, (sehr) vereinzelt Partituren. Sämtliche Tonträger können im angrenzenden Tonstudio der Geisteswissenschaftlichen Fakultät abgehört und überspielt werden. Das Tonstudio bietet auch die Möglichkeit, eigene Aufnahmen zu produzieren.
Zur
Forschung
Im Laufe der letzten Jahre sind im Rahmen der Abteilung zahlreiche einschlägige
Arbeiten (Publikationen, Dissertationen, Diplomarbeiten) zu den verschiedensten
Bereichen der Textmusik entstanden (z. B. Arbeiten zu methodologischen Fragen,
Gattungsbestimmungen spezifischer Textmusikformen, interkulturell orientierte
Studien, Detailstudien zu einzelnen ACIs, epochenbezogene Aufarbeitungen des
Lieds, Studien zu Oper, Opernverfilmung und zum Musical).
Von Oktober 1996 bis 2001 beherbergte das Archiv für Textmusikforschung ein vom FWF gefördertes Projekt, die Datenbank Frauenchanson: Geschichte und Aktualität des frankophonen Frauenchansons im 19. und 20. Jahrhundert, das von Dr. Andrea Oberhuber bearbeitet wurde. Ziel des Forschungsprojekts war die Aufarbeitung der Geschichte des Frauenchansons seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mittels einer multimedialen Datenbank (nähere Beschreibung siehe weiter unten).
Wissenschaftliches
Umfeld und Transferleistungen
Textmusik in der Romania versteht sich als Teil jener interdisziplinären
Forschungsrichtung, die die Berührungspunkte von Wort und Ton - von Text
und Musik - zu analysieren und zu systematisieren versucht. Wesentliche Impulse
bezog sie in den späten 70er Jahren aus den Diskussionen um die Semiotik.
Die interdisziplinären Bemühungen gehen Hand in Hand mit neuen interkulturellen Sichtweisen: Die verschiedenen Phänomene der Berührung von Text und Musik lassen sich als Teilaspekte des kulturellen Selbstbewusstseins bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, Epochen oder Länder verstehen. Darüber hinaus sind gerade in der Textmusik - in ihren historisch gewachsenen Formen (Troubadourlyrik, Oper etc.) wie in ihren modernen und populären Ausprägungen (Schlager, populäres Lied) - über das Entstehungsland hinausgehende Bezüge stets mitzudenken.
Ausgehend von den genannten Prämissen und der Überzeugung, dass gerade populäre Textmusik auf sehr subtile Weise mit der alltäglichen Erfahrungswelt verknüpft ist und neue Erkenntnisse im Sinne des Informationsflusses an die Öffentlichkeit weiter gegeben werden sollten, wurden und werden im Rahmen der Abteilung und zeitweilig auch im Rahmen des Projekts "Frauenchanson" öffentliche Veranstaltungen organisiert wie
- Vorträge und Fortbildungsseminare
- Lehrveranstaltungen
- Konzerte (Léo Ferré, Gilbert Laffaille, Maren Berg, Sapho, Véronique Pestel).
Besonders nachhaltigen Erfolg hatte die Université d'été de la chanson française, die 1993 in Innsbruck stattfand. Die Akten liegen bereits in der 2. Auflage vor (siehe Publikationen).

von links nach rechts: Jacques Brel, Léo Ferré, George Brassens
Das
Bulletin des Archivs für Textmusikforschung (BAT)
Im Sinne von Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit ist auch die
Initiative zu verstehen, die Abteilung mit einem Publikationsorgan auszustatten.
Aus dieser Idee ist im März 1998 das Bulletin des Archivs für Textmusikforschung
(BAT) als halbjährlich erscheinendes Mitteilungsblatt entstanden. Herausgegeben
von Ursula Mathis-Moser (anfänglich gemeinsam mit Oberhuber), informiert
BAT einen sich aus Wissenschaftlern, Fremdsprachenlehrern, Musik-Institutionen,
Medien- und Textmusik-Interessierten zusammensetzenden Adressatenkreis über
die Aktivitäten der Abteilung (Tagungen, Publikationen, Forschungsprojekte),
über verwandte Forschungseinrichtungen, Neuerwerbungen (Bücher und
Tonträger), aber auch über aktuelle Themen der romanischen Textmusik.
Internationale
Ausstrahlung
Die Bedeutung des Innsbrucker Archivs zeigt sich nicht nur in der ständig
wachsenden Zahl von Anfragen und Besuchern aus dem In- und Ausland, sondern
auch in der Tatsache, dass das Archiv immer mehr mit der Verwaltung von Nachlässen
betraut wird bzw. Sammlungen übertragen bekommt. Zu den wichtigsten Zugängen
seit 1997 zählen
- die Tonträgerbestände des Institut français de Vienne
- die Tonträgerbestände des Institut français de Bonn
- die Tonträgerbestände des Bureau de la Chanson de Mayence
- die Tonträgerbestände der Université du Québec à Montréal (UQAM)
- die Sammlung Pierre Seguy aus Mainz (nähere Beschreibung siehe weiter unten).
Bemerkenswert erscheint auch die Tatsache, dass die Regierung von Québec im Jahre 1994 im Rahmen des Archivs eine eigene Einheit, ein Centre d'étude de la chanson québécoise, eingerichtet hat, das neben Brüssel das einzige dieser Art in Europa ist.
Centre d'étude de la chanson québécoise

Integraler Bestandteil der Abteilung Textmusik in der Romania ist das im Dezember 1995 eröffnete Centre d'étude de la chanson québécoise, eines der fünf Québec-Zentren im deutschsprachigen Raum. Die Einrichtung wurde seit ihrem Bestehen von der Regierung von Québec, daneben aber auch von der kanadischen Regierung unterstützt. Die Bestände sind bibliographisch in Mathis, Ursula - Löffler, Mark (Hg.): Canadiana oenipontana II. Französische Tonträger aus Nordamerika (= VUI, 223). 2. stark erweiterte Auflage. Innsbruck 2002 (1997) erfasst.
Internationale
Kontakte mit Institutionen im In- und Ausland
Centre de la chanson d'expression française: Christian Marcadet /
Didier Desmas, 24, rue Geoffroy l'Asnier, F-75004 Paris.
Centro di Studi Musicali in Umbria: Prof.ssa Biancamaria Brumana, Istituto di Storia della Musica, Facoltà di Lettere e Filosofia, Piazza Morlacchi, I-06100 Perugia.
Da Ponte-Institut für Librettologie, Don Juan Forschung und Sammlungsgeschichte: Internationale Forschungsvereinigung, Goethegasse 1, A-1010 Wien.
Département Musique et Sciences de la Musique (Université de Provence): Bernard Veccione / Jean-Marie Jacono, 29, av. Robert Schuman, F-13621 Aix-en-Provence.
DFG-Opernprojekt: Die Oper in Italien und Deutschland zwischen 1770 und 1830. Musikalisches Institut der Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, D-50923 Köln.
Dokumentationszentrum für Librettoforschung (Bamberg): Prof. Dr. Albert Gier, Universität Bamberg, Romanistik, D-96045 Bamberg.
Forschungsprojekt des CNRS Paris zum Thema La vie musicale en France pendant la deuxième guerre mondiale. Leitung: Prof. Myriam Chimènes.
La Chanson en Lumière (Valenciennnes): Stéphane Hirschi, 2 rue des tilleuls, F-59530 Le Quesnoy.
Musée National des Arts et Traditions populaires: Florence Gétreau, 6, av. Mahatma Gandhi., F-75116 Paris.
Observatoire Musical Français (Université de Paris-Sorbonne): Danièle Pistone, 1, rue Victor Cousin, F-75005 Paris.
Université du Québec à Montréal: Département de musique, UQAM, C.P. 8888, succursale "A", Montréal (Québec) H3C3P8.
Word
and Music Association (Dartmouth College, USA / Universität Graz): Steven
Paul Scher / Walter Bernhart / Werner Wolf; Kontakt in Österreich: Institut
für Anglistik, Heinrichstraße 36, A-8010 Graz.
Publikationen
der Abteilung Textmusik in der Romania
Auszeichnungen
und Preise
Ursula
Mathis:
Theodor-Körner-Preis (April 1982) - für die Habilitationsschrift "Existentialismus und französisches Chanson"
Liechtensteinpreis (Dezember 1985) - für die Habilitationsschrift "Existentialismus und französisches Chanson)
Birgit Mertz-Baumgartner:
Prix d'Excellence du Québec (1993) - für die Dissertation "Monologues québécois" oder Geschichten eines "Monsieur qui parle tout seul"
Kanadapreis, gestiftet von der ÖNB (1998) - für die Dissertation "Monologues québécois" oder Geschichten eines "Monsieur qui parle tout seul"
Andrea Oberhuber:
Preis der Landeshauptstadt Innsbruck für Wissenschaft und Forschung an der Leopold-Franzens-Universität (19..) - für die Dissertation "Chanson(s) de femme(s)"
Datenbank Frauenchanson: Geschichte und Aktualität des frankophonen Frauenchansons im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Projekt des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Das Forschungsprojekt: Kontext und Konzeption
Von Oktober 1996 bis 2001 lief im Rahmen der Abteilung Textmusik in der
Romania (Institut für Romanistik der Universität Innsbruck) das
Forschungsprojekt "Datenbank Frauenchanson: Geschichte und Aktualität des
frankophonen Frauenchansons im 19. und 20. Jahrhundert". Es handelt sich dabei
um ein Projekt des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
(FWF), das in den Kontext der Dokumentations- und Forschungsarbeiten der Abteilung
eingebettet ist. Geleitet wurde das Projekt von Prof. Dr. Ursula Moser und bearbeitet
von Dr. Andrea Oberhuber.
Die plurimediale Gattung Chanson wurde aufgrund ihrer "Mischform" bis in die 60er Jahre von der romanistischen Forschung stiefmütterlich behandelt und aus dem Kanon der traditionellen Gattungen Epik, Lyrik und Drama ausgegrenzt. Hat sich durch die Diskussion über Interdisziplinarität und Intermedialität der Stellenwert des Chansons im Laufe der 80er und beginnenden 90er Jahre verändert, so ist die Thematik des von Frauen geschriebenen und/oder komponierten und/oder interpretierten Chansons trotz einiger Ansätze (Monographien, Anthologien, Text-Bildbände) auch heute noch weitgehend unaufgearbeitet.
Dem Datenbank-Projekt liegen folgende drei Vorgaben zugrunde:
1. zeitlicher Rahmen: Eine eigenständige Funktion kommt Frauen in der Chansongeschichte erstmals in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu. Deshalb werden alle Künstlerinnen erfasst, die seit ca. 1850 im Chanson arbeiten.
2. frankophone Ausrichtung: Neben dem französischen Chanson im traditionellen Sinn werden auch Ausprägungen des frankophonen Chansons (Belgien, Kanada, Afrika usw.) aufgenommen.
3. multimediale Konzeption: Im Chanson vereinigen sich textuelle, musikalische, interpretative und visuelle Komponenten. Um dieser spezifischen Kunstform gerecht zu werden, soll die quantitative Erfassung und qualitative Vernetzung der Daten durch Bild- und Tonelemente ergänzt werden.
Die Datenbank "Frauenchanson" besteht aus drei Thesauri, die sich in einen biographisch orientierten Sängerinnenkatalog, einen mit dem ersten vernetzten Tonträgerkatalog (CDs, LPs, Singles, Kassetten der jeweiligen Sängerin mit Bildquellen und Hörbeispielen) sowie einen mit den anderen beiden kombinierten Videokassettenkatalog gliedern.
Zielsetzungen
Ziel und Ausrichtung des Forschungsprojektes ist das zum Teil lückenhafte
Material zum frankophonen Frauenchanson des 19. und 20. Jahrhunderts systematisch
zu sammeln und zu ordnen (durch namentliche Erfassung aller im Chanson
tätigen und über Archive zugänglichen Künstlerinnen soll
einer nicht zu übersehenden Selektionstendenz der Forschung und Medien
in Bezug auf einige große Stars gegengesteuert werden), es
mittels des Instrumentariums einer flexibel organisierten multimedialen Datenbank
aufzubereiten, statisches Zahlenmaterial, Tabellen und Diagramme zu erstellen
und durch
die Anbindung ans Internet einem breiteren Interessentenkreis zugänglich
zu machen.
In
einer Gesellschaft, in der den audiovisuellen Medien eine ständig wachsende
Bedeutung zukommt, ist die Beschäftigung mit den einzelnen medialen Ausprägungen
unabdingbar. Das Chanson bietet aufgrund seiner gattungsspezifischen Eigenschaften
verschiedene Möglichkeiten des Zugangs (Text, Musik, Videoclip) und kann
für unterschiedliche Zwecke genutzt werden. Wissen und Kenntnisse des Datenbank-Projektes
sollen deshalb nicht nur im Rahmen der universitären Strukturen bleiben
und dort die Forschung vorantreiben, sondern auch im Sinne des Informationsflusses
an die Öffentlichkeit weitergegeben werden (Vorträge, Lehrveranstaltungen,
Lehrerfortbildungsseminare).
Die Datenbank ist in der Abteilung Textmusik in der Romania
einsehbar.
PIERRE SEGUY SAMMLUNG in Innsbruck
Das Innsbrucker Archiv für Textmusikforschung hat Grund zur Freude: Seit 2002 beherbergt es eine der größten Plattensammlungen Europas, die SAMMLUNG PIERRE SEGUY.

Pierre Séguy, erster von links
Pierre Seguy, in Wien geboren und in den Wirren des Hitlerregimes zum Wahlfranzosen geworden, Widerstandskämpfer zur Zeit der Okkupation und nach dem Krieg Leiter der österreichischen Sendestation Dornbirn; ist einer von jenen, die nicht nur Rundfunkgeschichte, sondern auch Chansongeschichte geschrieben haben: Rundfunkgeschichte zunächst in Österreich, dann am Saarländischen Rundfunk, Chansongeschichte zunächst im Saarland und in Frankreich, dann ausstrahlend auf den gesamten deutschsprachigen Raum. Das Chanson ist schließlich zu Pierre Seguys Lebensinhalt geworden.
Wie ist es dazu gekommen? Nach verschiedenen Stationen und Tätigkeiten kehrt Pierre Seguy im Jahre 1965 nach Saarbrücken zurück, um für den Saarländischen Rundfunk zu arbeiten. Über 32 Jahre hindurch wird er dort seine wöchentlichen Chansonsendungen "C'est ça qu'on chante en France" bzw. "Chansons de Paris" betreuen; er wird öffentliche Abende mit französischen Interpreten veranstalten, Sänger wie Serge Lama, Yves Duteil, Patricia Kaas und vor allem Barbara von ihren ersten Chansons an in Deutschland bekannt machen und so fort. Er organisiert fünf Jahre lang gemeinsam mit anderen das "Festival Chanson" in Saarbrücken, holt Juliette Gréco, Georges Moustaki, Maxime Le Forestier und viele mehr auf deutsche Bühnen, gründet die Initiative "Chanson in der Schule", veranstaltet Workshops, Wettbewerbe und vieles mehr. In den 32 Jahren wird Pierre Seguy zum "Chansonexperten der Nation", ohne den man - symbolisch gesprochen - nicht mehr singen kann. Als solcher wird er im Jahre 1993 zur "Sommeruniversität des französischen Chansons" an die Universität Innsbruck eingeladen, mit der er seither in Kontakt geblieben ist.
Dabei ist Pierre Seguy eigentlich ein Mann der ersten Stunde, was das französische Chanson betrifft. Unmittelbar nach dem Krieg, in den frühen 50er-Jahren, macht er die Bekanntschaft von Jacques Canetti, dem Bruder von Elias Canetti und großen Talententdecker. Canetti betreut zu diesem Zeitpunkt den jungen Georges Brassens, den Belgier Jacques Brel, aber auch so große Showtalente wie Maurice Chevalier und so überwältigende Stimmen wie dith Piaf. Über Canetti erhält Pierre Seguy Zugang zum engsten Kreis der Chansonadepten, dort wird er über Jahre, ja Jahrzehnte zu Hause sein. Und ganz im Stillen entsteht so fast unmerklich jene riesige Schallplattensammlung, die heute im Archiv für Textmusikforschung in Innsbruck ihre Heimat gefunden hat
Die Pierre Seguy Sammlung umfasst weit über 40.000 Titel, alle fein säuberlich in Handschrift nach Plattenfirmen und Autoren bzw. Interpreten katalogisiert. Sie enthält frühe Chansonzeitschriften, Pressedossiers zu den einzelnen Sängern, Sendetexte, Abhandlungen und vieles mehr, bis hin zu einer noch nicht bearbeiteten Sammlung von Zeitungsausschnitten. Alles, was von den 50er Jahren bis heute sammelnswert erschien, ist mit dabei. In anderen Worten: Wer immer in den deutschsprachigen Ländern in Zukunft über das französische Chanson dieses Zeitraums arbeiten will, wird auf diese Sammlung zurückgreifen müssen.
Damit dies auch tatsächlich bald möglich ist, sollen in den nächsten Monaten die Bestände wieder geordnet und entsprechend aufgestellt werden, zunächst noch im Institut für Romanistik, und zwar in der Abteilung "Textmusik in der Romania", in der Folge dann in der neuen Geisteswissenschaftlichen Fachbibliothek des "Bibliothekszentrums West" der Universitäts- und Landesbibliothek. Unser Ziel ist es, die ungeheuren Schätze dieser Sammlung, die ein lebendiges Stück französische Kulturgeschichte darstellt, nicht nur zu bewahren, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Vorerst aber sei dafür Pierre Seguy im Namen des Archivs, im Namen der Universität und im Namen der Chansongemeinde von Herzen gedankt.
Publikationen
der Abteilung Textmusik in der Romania
Monographien
und Sammelwerke
Fuchs, Gerhild - Löffler, Mark (Hg.): Textmusik in der Romania:
Tonträger aus Italien 1985-1998 (= VUI, 224). Innsbruck 1998.
Mathis, Ursula: Existentialismus und französisches Chanson. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1984.
Mathis, Ursula: Léo Ferré. Meister des französischen Chansons (gemeinsam mit Christine Hetzenauer). Innsbruck 1985.
Mathis, Ursula: Léo Ferré. Chansons (gemeinsam mit Christine Hetzenauer). Berlin: Centre culturel français, 1986.
Mathis, Ursula (Hg.): La chanson française contemporaine. Politique, société, médias. 2. Auflage. Innsbruck: Institut für Sprachwissenschaften 1996 (1995).
Mathis, Ursula - Fuchs, Gerhild (Hg.): Textmusik in der Romania. Tonträgerverzeichnis 1985 -1993 (= VUI, 195). Innsbruck 1993.
Mathis, Ursula - Löffler, Mark (Hg.): Canadiana oenipontana II. Französische Tonträger aus Nordamerika (= VUI, 223). 2. stark erweiterte Auflage. Innsbruck 2002 (1997).
Mertz-Baumgartner, Brigit: "Monologues québécois" oder Geschichten eines "Monsieur qui parle tout seul". Standortbestimmung einer Gattung am Rande. (= Beiträge zur Kanadistik, 6). Augsburg: Bernd Wißner 1997.
Oberhuber,
Andrea: Chanson(s) de femme(s): Entwicklung und Typologie des weiblichen
Chansons in Frankreich 1968-1993. Berlin: Erich Schmidt 1995.
Aufsätze
Fuchs, Gerhild: "Leitgedanken zur italienischen Textmusik". In: Mathis, Ursula - Fuchs, Gerhild (Hg.): Textmusik in der Romania. Tonträgerverzeichnis 1985 - 1993 (= Veröffentlichungen der Universität Innsbruck, 195). Innsbruck 1993, 25 - 38.
Fuchs, Gerhild: "Leitgedanken zur italienischen Textmusik" (Aktualisierte und ergänzte Version). In: Fuchs, Gerhild - Löffler, Mark (Hg.): Textmusik in der Romania. Verzeichnis der Tonträger aus Italien 1985 - 1998 (= Veröffentlichungen der Universität Innsbruck, 224). Innsbruck 1998, 13 - 36.
Fuchs, Gerhild: "Überlegungen zu einer 'mediterranen Hybridität' der süditalienischen Rap-, Raggamuffin- und Dub-Musik am Beispiel der Gruppe Almamegretta". In: Bulletin des Archivs für Textmusikforschung 11 (März 2003), 30 - 37.
Mathis, Ursula: "Le déserteur von Boris Vian - eine Fallstudie zum französischen Chanson". In: Sprachkunst 15 (1984), 118 - 133.
Mathis, Ursula: "Les artistes und La vie moderne: Zum Selbstverständnis Léo Ferrés in einer Welt der Technik und der Wissenschaften". In: Winklehner, Brigitte (Hg.): Literatur und Wissenschaft. Begegnung und Integration. Festschrift für Rudolf Baehr. Tübingen: Stauffenburg Verlag 1987, 199 - 220.
Mathis, Ursula: "Text + Musik = Textmusik? Theoretisches und Praktisches zu einem neuen Forschungsbereich". In: Sprachkunst 18 (1987), 265-275.
Zweitveröffentlichung in Mathis, Ursula - Fuchs, Gerhild (Hg.): Textmusik in der Romania. Tonträgerverzeichnis 1985-1993. Innsbruck: Publikationsstelle der Universität 1993, 7-15.
Mathis, Ursula: "La chanson de la BBC dans le contexte de la production chansonnière de l'Occupation et de la Résistance". In: Rieger, Dietmar (Hg.): La chanson française et son histoire. Tübingen: Narr 1988, 307-346.
Mathis, Ursula: "Stendhals Begegnung mit der Musik in Österreich." In: Weiand, Christof (Hg.): Stendhal und Österreich. Tübingen: Narr 1989, 49-69.
Mathis, Ursula: "Les années 80 finissent...": Michel Jonasz - ein Künstlerportrait". In: Lendemains 15, 57 (1990), 69-76.
Mathis, Ursula: "'La Mariouche est pour un blanc' (Jack Monoloy): Zur Frage der Minderheiten im frankokanadischen Chanson". In: Zeitschrift der Gesellschaft für Kanada-Studien 10/1 (1990), 49-69.
Mathis, Ursula: "'La Mariouche est pour un blanc' (Jack Monoloy): A propos de la question des minorités autochtones dans la chanson canadienne française". In: International Journal of Canadian Studies 6 (1992), 127-150.
Mathis, Ursula: "Politique 'via éther': La chanson française de la BBC pendant la 2ème guerre mondiale". In: Dorion, Gilles - Meissner, Franz-Joseph - Riesz, János - Wielandt, Ulf (Hg.): Le français aujourd'hui - une langue à comprendre. Französisch heute. Mélanges offerts à Jürgen Olbert. Frankfurt: Diesterweg 1992, 287-302.
Zweitveröffentlichung in: Hennion, Antoine (Hg.): 1789-1989. Musique, Histoire, Démocratie. Colloque international organisé par Vibrations et l'IASPM. Paris 17-20 juillet 1989. Vol.II. Paris: Fondation de la maison des sciences de l'homme 1992, 481-498.
Mathis, Ursula: "Une culture en conflit: Problèmes de la coexistence linguistique dans la chanson québécoise". In: Cahiers francophones d'Europe Centre-Orientale 2 (1992), 101-134.
Mathis, Ursula: "Leitgedanken zur französischen Textmusik". In: Mathis, Ursula - Fuchs, Gerhild: Textmusik in der Romania. Tonträgerverzeichnis 1985-1993. Innsbruck: Publikationsstelle der Universität 1993, 17-24.
Mathis, Ursula: "Zur Geschichte der Kolumbusopern. A. Gala im Spannungsfeld zwischen Opernlibretto und Dramentext". In: Krömer, Wolfram (Hg.): 1492-1992: Spanien, Österreich und Iberoamerika. Akten des Siebten Spanisch-Österreichischen Symposions 16.-21. März in lnnsbruck. Innsbruck: Institut für Sprachwissenschaft 1993, 9-33.
Mathis, Ursula: "Von der Jahrhundertwende zur modernen Klassik. Das französische Chanson im Wandel der Zeit". In: fh 3 (1997), 290-311.
Mathis, Ursula: "Honte à qui peut chanter. Le neuvième art sous l'Occupation". In: Chimènes, Myriam (Hg.): La vie musicale sous Vichy. Paris, ditions Complexe, 2001, 293-312.
Mertz-Baumgartner, Birgit - Albéric, Gérard: "Approches pédagogiques de la chanson française". In: Mathis, Ursula (Hg.): La chanson française contemporaine. Politique, société, médias. Innsbruck: Verlag des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck 1995, 319-328.
Mertz-Baumgartner, Birgit: "Der monologue québécois als Spiegel der politischen und sozialen Entwicklung Quebecs". In: Kattenbusch, Dieter (Hg.): Minderheiten in der Romania (= pro lingua, 22). Wilhelmsfeld, Gottfried Egert Verlag, 1995, 363-379.
Mertz-Baumgartner, Birgit: "Monologistische Vortragskunst in Québec am Beispiel Marc Favreaus: SOL-iloques - sprachliche Phantasien und kritische Reflexionen". In: Reisewitz, Perry (Hg.): Kreativität. Beiträge zum 12. Nachwuchskolloquium der Romanistik (= Forum Junge Romanistik, 3). Bonn: Romanistischer Verlag 1997, 117-129.
Mertz-Baumgartner, Birgit: "L'art monologuiste au Québec: Quelques réflexions génériques illustrées par l'exemple de Marc Favreau". In: Quebec Studies 25 (Spring 1998), 23-33.
Mertz-Baumgartner, Birgit: "Die Rolle des Monologs für 'Spectacles de femmes' und 'Théâtres de femmes' in Québec oder Von Hexen, Feen und anderen Unheimlichkeiten". In: Eibl, Doris - Strobel, Christina (Hg.): Selbst und Andere/s. Von Begegnungen und Grenzziehungen. Augsburg: Dr. Wissner Verlag 1998, 95-109.
Mertz-Baumgartner, Birgit: "Le monologue québécois - miroir d'une société en conflit ou Comment raconter 'la petite histoire d'un peuple'". In: Van Gorp, Hendrik - Musarra-Schroeder, Ulla (Hg.): Genres as Repositories of Cultural Memory (= Studies in Comparative Literature 29). Amsterdam/Atlanta: Rodopi 2000, 311-320.
Oberhuber, Andrea: "En France, tout finit par des chansons". in: Kultur (Dez./Jän. 1993/94), 60.
Oberhuber, Andrea: "Il n'y a pas que des chansons d'amour: Colette Magny - Sapho - Patricia Kaas". In: Mathis, Ursula (Hg.): La chanson française contemporaine. Politique, société, médias. Actes du symposium du 12 au 16 juillet 1993 à l'Université d'Innsbruck. Innsbruck: Verlag des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck 1995, 241-253.
Oberhuber, Andrea: "La génération clip: De l'explosion de l'image au temps des médias". In: Mathis, Ursula (Hg.): La chanson française contemporaine. Politique, société, médias. Actes du symposium du 12 au 16 juillet 1993 à l'Université d'Innsbruck. Innsbruck: Verlag des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck 1995, 263-271.
Oberhuber, Andrea: "Liebe bis in den Tod: Zur Liebesauffassung in Juliettes Chansons". In: Script 8 (1995), 13-15.
Oberhuber, Andrea: "Liebe - Frau - Chanson: eine erotisch-logische Dreiecksbeziehung. Zur weiblichen Chansonszene in Frankreich". In: Gelz, Andreas - Markus Krist - Rolf Lohse - Richard Waltereit (Hg.): Liebe und Logos (= Forum Junge Romanistik, 2). Bonn: Romanistischer Verlag 1996, 261-273.
Oberhuber, Andrea: "Mettez-moi je vous le demande / Instamment dans la cour des grandes.... Juliette ou la tradition revisitée". In: La Chanson en Lumière. Etudes rassemblées et présentées par Stéphane Hirschi. Colloque international des 24 - 27 avril 1996 à líUniversité de Valenciennes. Valenciennes: Presses Universitaires de Valenciennes 1997, 117-129.
Oberhuber, Andrea: "Datenbank Frauenchanson: Geschichte und Aktualität des frankophonen Frauenchansons im 19. und 20. Jahrhundert". In: Frauen in der Literaturwissenschaft 50 (1997), 53-54.
Oberhuber, Andrea: "Chanson(s) de femme(s) und Videoclip. Zwei Stiefkinder des französischen Chansons". In: Französisch heute 2 (1997), 122-139.
Oberhuber, Andrea: "Zukunftsmusik: Reflexionen zur musikalischen Kulturpolitik am Beispiel des Chansons". In: LíInstitut français díInnsbruck. Actes du colloque du 25 octobre 1996. Innsbruck: Eigenverlag des Institut français d'Innsbruck 1997, 119-129.
Oberhuber, Andrea: "Datenbank frankophones Frauenchanson: Zielsetzungen, Perspektiven, Problemstellungen". In: http://www.adis.at/arlt/institut.
Oberhuber, Andrea: "Rezeption, mediale Verbreitung und Distributionsbedingungen des französischen Chansons in Österreich". In: Angerer, Thomas (Hg.): Französisch-österreichische Kulturtransfers seit 1945 (erscheint im Herbst 1998 bei Böhlau).
Oberhuber, Andrea: "Abschied von Colette Magny und Barbara: ein Nachruf". In: Bulletin des Archivs für Textmusikforschung 1(1998), 19-21.
Oberhuber, Andrea: "Voix nouvelles de la chanson française féminine". In: Lesbia Magazine 173 (juillet/août 1998), 37-42.
Oberhuber, Andrea: "Réalisme / naturalisme au café-concert: modernité ó spectaculaire ó popularité au XIXe siècle". In: La chanson réaliste. Actes du colloque édités par Joëlle Deniot et Catherine Dutheil. Nantes: Le Dé bleu 1998 (im Druck).
Oberhuber, Andrea: "J'fais un genre: Wort-Ton-Bild-Konstrukte im Musikvideo". In: Ochsner, Beate (Hg.): Intermediale: zur Begegnung von Literatur und neuen Medien. Tübingen: Stauffenburg (im Druck, erscheint im Herbst 1998).
Periodikum
Bulletin des Archivs für Textmusikforschung. Hg. von Ursula Mathis-Moser
und Andrea Oberhuber (Nr. 1 März 1998 bis Nr. 3/4 Mai 1999), von
Ursula Mathis-Moser ab Nr. 5 Jänner 2000.
Diplomarbeiten
HASELWANTER, Kathrin: L'ironie dans les chansons de Serge Gainsbourg.
Innsbruck 1985.
JAHNEL, Beate: Brel dramaturge. L'art de l'interprétation. Innsbruck 1985.
OBERHUBER, Andrea: La conception de l´engagement politique dans l´oeuvre de Colette Magny. Innsbruck 1987.
HEFEL, Gabriele: L´identité québécoise et la revendication indépendentiste à travers la chanson. Innsbruck 1988.
BAUMGARTNER, Birgit: Poetologische Aussagen im modernen französischen Chanson. Innsbruck 1990.
SCHIESTL, Susanne: Vom Roman zum Musical: Victor Hugos "Les misérables" und das gleichnamige Musical von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg. Innsbruck 1991.
BECHTER, Beate: Imagologische Aussagen im frankokanadischen Chanson. Innsbruck 1992.
GWEHENBERGER, Renate: Leo Ferré et la critique sociale dans "La mauvaise graine". Innsbruck 1994.
THURNWALDER, Ulrike: Le rap dans le sud de la France : les Fabulous Trobadors. Innsbruck 1996.
Dissertationen
SCHRAMM, Bettina: El lenguaje popular en las zarzuelas de tema madrileño
y su uso como recurso estilístico. Innsbruck 1987.
GSTREIN, Rainer: Die vokale Romanze in der zeit von 1750 bis 1850. Innsbruck 1996.
TRENKWALDER, Maria: "Mai 68" im Spiegel der französischen Textmusik. Innsbruck 1987.
OBERHUBER, Andrea: Chanson(s) de femme(s). Innsbruck 1994.
MERTZ-BAUMGARTNER, Brigit: "Monologues québécois" oder Geschichten eines "Monsieur qui parle tout seul". Innsbruck 1995.