Profil des Instituts für Christliche Philosophie
(mit Ausblick auf die durch den Bologna-Prozess bedingten Änderungen im Lehrbereich)
I.Grundsätzliches (Mission Statement) --- II. Fächer --- III. Forschung --- IV. Einbindung in die nationale und internationale Forschung --- V. Personal
I. Grundsätzliches (Mission Statement)
Die Lehre der Kirche über das Verhältnis von Glaube und Vernunft und von Theologie und Philosophie bringt klar zum Ausdruck, dass das philosophische Denken ein grundlegender Beitrag zur Reflexion des Glaubens in der theologischen Wissenschaft ist. Im Hinblick auf die Erfordernisse der Theologie vertritt und lehrt das Institut eine Philosophie, die in lebendiger und reflektierter Verbundenheit mit der christlichen Glaubenstradition steht. Die im Prozess der Verwissenschaftlichung der Theologie entstandene Aufgabe der intellektuellen Glaubensdurchdringung legt die Indienstnahme des gesamten Bestands der philosophischen Disziplinen nahe, wobei allerdings ein besonderer Interessenschwerpunkt in Metaphysik, Philosophischer Gotteslehre, Ethik, Anthropologie und der Erforschung philosophisch-theologischer Quellentexte des Mittelalters liegt.
Die Notwendigkeit der Philosophie für die Theologie erweist sich aber nicht nur für die Konstituierung von deren Wissenschaftscharakter, sondern auch für ein vernünftiges und kritikfähiges Verhältnis zur wissenschaftlichen Kultur überhaupt. Damit leistet das Institut einen Beitrag zum Generalthema „Offenbarung und Dialog“, unter das die Fakultät ihre gesamte Arbeit gestellt hat.
Charakteristisch für die Theologische Fakultät Innsbruck ist, dass die am Institut für Christliche Philosophie gelehrte Philosophie nicht nur der Propädeutik für die Theologie dient. Durch die Einrichtung einer eigenen Philosophischen Studienrichtung hat sich die Fakultät eine Institution gegeben, die für ein vollständiges, auf dem Boden der christlichen Weltanschauung situiertes Studium einer „Philosophie an Katholisch-Theologischen Fakultäten“ einschließlich eines Doktoratsstudiums Sorge trägt.
II. Fächer
Das neue Bologna-konforme Studium der Philosophie (in Kraft voraussichtlich 2009, zu den dzt. geltenden Studienplänen geht es hier) an der Katholisch-Theologischen Fakultät besteht aus einem 6-semestrigen Bachelorstudium und einem darauf aufbauenden 4-semestrigen Masterstudium der Philosophie. Dieses wird vorbereiten auf ein neues PhD-Programm aus Philosophie.
Das vollmodularisierte Bachelorstudium ist aufgebaut aus Eingangsmodulen zur Vermittlung der Grundlagen aus Logik, Metaphysik, Philosophischer Gotteslehre, Philosophischer und Psychologischer Anthropologie, Ethik und Philosophiegeschichte. Es folgen Basismodule zu Erkenntnistheorie, Hermeneutik, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Sozialphilosophie, zu Grundfragen der Systematik Christlichen Denkens und Psychologie. Vertiefungsmodule aus Metaphysik (klassisch und zeitgenössisch), Gotteslehre und Religionsphilosophie, Philosophischer Anthropologie (klassisch und zeitgenössisch), Ethik (incl. angewandter Ethik), Logik und Sprachphilosophie, sowie zur Philosophiegeschichte vermitteln erweiterte Erkenntnisse aus den historisch-systematischen Kernfächern der Philosophie. Es folgen Ergänzungsmodule aus dem Bereich „Christliches Menschenbild und Naturalismus“, Religionswissenschaften, und zur vertiefenden Lektüre von Primärtexten. Wahlmodule ermöglichen individuelle Schwerpunktsetzungen.
Das ebenfalls vollmodularisierte Masterstudium besteht zum einen aus Aufbaumodulen zu den systematischen Grundfragen theoretischer und praktischer Philosophie (fächerübergreifend); zu Spezialthemen der Philosophiegeschichte, sowie zur Klärung der Rationalität von Weltanschauung und weltanschaulichem Dialog. Zum anderen besteht es aus Mastermodulen, in denen speziell konzipierte Masterkurse die Studierenden zur vertieften eigenständigen Auseinandersetzung mit den systematischen Schwerpunkten des Philosophiestudiums an der Katholisch-Theologischen Fakultät anleiten. Masterarbeitsmodule bereiten die Studierenden individuell auf die Abfassung ihrer Masterarbeit vor, und ergänzende Wahlmodule dienen zur individuellen Schwerpunktsetzung.
Die philosophischen Module in den theologischen Studien sind so konzipiert, dass sie gleichzeitig einen echten Teil des Philosophiestudiums darstellen und so keine Lehrveranstaltungs-Doppelungen bedingen. Der Schwerpunkt liegt hier auf den systematischen Kernfächern der Philosophie, besonderes Augenmerk gilt ihrer methodischen und inhaltlichen Relevanz für theologische Grundfragen sowie für verschiedene Anwendungsfelder.
III. Forschung
Hauptbereiche:
- Auseinandersetzung mit dem naturalistischen Denken
(siehe Forschungsschwerpunkt; 2 FWF-Projekte) - Religionsphilosophie
- Mittelalterliche Philosophie und Theologie (2 FWF-Projekte)
Zu 1: Forschungsschwerpunkt „Christliches Menschenbild und Naturalismus“
Das Institut betreut den von der Katholisch-Theologischen Fakultät eingerichteten und von der Universitätsleitung 2005 anerkannten Forschungsschwerpunkt „Christliches Menschenbild und Naturalismus“. In diesem Schwerpunkt beschäftigen wir uns mit den Herausforderungen, die sich durch das zeitgenössische naturalistische Denken für das herkömmliche, christlich-abendländische Menschenbild ergeben. Wir behandeln u. a. folgende Fragestellungen: Erschöpft sich unser Menschsein in reiner Körperlichkeit? Wie ist der Zusammenhang von Organismus/Gehirn und Geist/Seele zu verstehen? Unter Berücksichtigung der Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften, der Psychologie, der Neurophilosophie und Neurotheologie wollen wir die Grenzen naturalistischer Deutungen von Bewusstsein, religiösem Erleben, Willensfreiheit und der menschlichen Person aufzeigen.
Unter anderem lief dazu in jüngerer Zeit am Institut für Christliche Philosophie ein FWF-Projekt: The concept of person and the challenge of naturalism; Dieses FWF-Projekt wurde im Januar 2008 abgeschlossen. Bereits bewilligt wurde ein daran anschließendes zweites FWF-Projekt mit dem Thema: Die Dauer in der Zeit von Lebewesen und Artefakten (Zeitraum 1.1.2008 – 1.1.2011)
Neben den FWF-Projekten arbeiten Mitglieder des Instituts für Christliche Philosophie gemeinsam mit Fachleuten aus den Bereichen Psychologie, Medizin und Neurobiologie am interdisziplinären Projekt "The concept of soul and the new naturalistic challenge". In Vorträgen und Austauschgesprächen, zu denen in- und ausländische Fachleute eingeladen werden, sollen die neuesten Forschungsergebnisse dargestellt und auf dem Hintergrund der oben angerissenen Fragestellungen diskutiert werden. Dieses Projekt wird seit 2005 finanziell vom Metanexus Institute in Philadelphia gefördert. Das Metanexus Institute wird von der John Templeton Foundation, einer der größten US- amerikanischen Privatstiftungen, getragen. Ziel des Institutes ist die Förderung des Dialogs zwischen Theologie, Philosophie und den Naturwissenschaften.
Zu 2: Religionsphilosophie
Ein weiterer Schwerpunkt am Institut ist die Religionsphilosophie, besonders in ihren Grenzegbieten zur aktuellen Erkenntnistheorie. 2004 erschien die Monographie Glaube als Tugend bei Thomas von Aquin von Dr. Niederbacher, und 2006 publizierte Prof. Löffler die Einführung in die Religionsphilosophie bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Damit knüpft das Institut an eine wichtige Tradition an, die u.a. durch Prof. Mucks Philosophische Gotteslehre (1983, 2.Aufl. 1990) und Prof. Coreths Gott im philosophischen Denken (2001) vielbeachtete Werke hervorbrachte. Prof. Jäger, der bis Februar 2010 als Vertragsprofessor am Institut Prof. Runggaldier vertritt, hat die Arbeit an der Herausgabe des Bandes Brain, Religion, Experience nahezu abgeschlossen (erscheint voraussichtlich Ende 2008) und wird in seiner Innsbrucker Zeit weiter an der umfangreichen Monographie Rechtfertigung und religiöser Glaube arbeiten (geplantes Erscheinen 2009/10). Seit November 2006 liegt mit Prof. Löffler auch die Präsidentschaft der Österreichischen Gesellschaft für Religionsphilosophie (ÖGRPh) am Institut, mit vier weiteren Präsidiumsmitgliedern (Prof. Kanzian, Prof. Jäger, Univ.-Doz. Dr. Kraml und Dr. Niederbacher) ist derzeit die Hälfte des Vorstands der Gesellschaft am hiesigen Institut angesiedelt. Die nächste Tagung der ÖGRPh wird im Herbst 2008 in Innsbruck zum Thema „Neuer Atheismus?“ stattfinden und in einem Sammelband dokumentiert werden. Der Forschungsschwerpunkt Religionsphilosophie wird in den nächsten Jahren durch zahlreiche weitere Einladungen von Gastvorträgen auf internationaler Ebene am Institut weiter ausgebaut werden.
Zu 3:
Forschungen zur philosophischen und theologischen Literatur des Mittelalters
Folgende Projekte werden - z. T. in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften - betrieben, an die mehrere ehemalige Mitarbeiter des Instituts gewechselt sind.
- Weiterführung der Reihe Mediaevalia Oenipontana:
- Bd. 3: Johannes Duns Scotus, Über die Fruitio (Rep. Par. dist. 1) (Eichinger)
- Einführung in die semantische Terminologie des Mittelalters (Kraml)
- Forschungsarbeiten:
- In Kooperation mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften:
Richard Fishacre, Sentenzenkommentar Buch 3 (Eichinger, Kraml, Leibold). Vor der Fertigstellung. - Robert Cowton, Sentenzenkommentar Buch 3 (Leibold, Kraml).
Wilhelm de la Mare: Quaestiones disputatae (Kraml)
- In Kooperation mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften:
- FWF-Projekte:
IV. Einbindung in die nationale und internationale Forschung
- Kooperation mit der Philosophischen Fakultät S.J. der Universität Zagreb (Vertrag seit 1997)
Im Rahmen der Kooperation findet eine regelmäßige Gastlehre von Institutsmitgliedern in Zagreb statt. An der Herausgabe der von der Philosophischen Fakultät S.J. in Zagreb getragenen Zeitschrift Disputatio philosophica. International Journal on Philosophy and Religion sind ebenfalls Mitarbeiter des Instituts für Christliche Philosophie beteiligt.
- Kooperation mit dem Imam Khomeini Education and Research Institute in Qom/Iran (Vertrag seit 2005)
Im Rahmen der Kooperation findet vor allem ein intensiver Forschungsaustausch statt. Die Kooperation in Forschung und Lehre wird vertieft durch regelmäßige Workshops zu Fragen der Metaphysik, Religionsphilosophie und Anthropologie (2007 in Innsbruck, 2008 in Qom)
Sonstige Kooperationen im Rahmen des Forschungsschwerpunkts sowie der Forschungsprojekte bestehen mit folgenden Institutionen:
- Guardini-Lehrstuhl, Theologische Fakultät, Humboldt Universität Berlin
- Institute of Formal Ontology, Universität des Saarlands
- Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Lebenswissenschaften (Bonn)
- Università Cattolica di Milano
- Università degli Studi di Trento (Facoltà di Sociologia)
- Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck
- Bayerische Akademie der Wissenschaften
- University of Notre Dame/USA (Philosophy Department)
Leitung von nationalen und internationalen philosophischen Gesellschaften
Am Institut sind Vorsitz bzw. Präsidentschaft folgender philosophischer Organisationen beheimatet:
- Österreichische Ludwig-Wittgenstein-Gesellschaft (Präsident: Christian Kanzian)
- Österreichische Gesellschaft für Religionsphilosophie (Präsident: Winfried Löffler)
V. Personal
Siehe hier.
