Entwicklung der Pharmakognosie
an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck

1853 wurde das Pharmaziestudium an der Philosophischen und an der Medizinischen Fakultät in Innsbruck eingerichtet. 1886 erfolgte die Grundsteinlegung für die Pharmakognosie durch die Errichtung einer Lehrkanzel für Pharmakologie und Pharmakognosie. Sie wurde mit Josef MOELLER besetzt. Er interessierte sich v. a. für morphologische Aspekte der Pharmakognosie und galt als einer der hervorragendsten Pharmakognosten seiner Zeit. 1892 folgte er einem Ruf nach Graz.
1893 wurde Josef NEVINNY zum Professor der Pharmakologie und Pharmakognosie an der Uni Innsbruck ernannt. Nevinny, der vorwiegend pharmakognostisch tätig war, erwarb um das Jahr 1907 die berühmte „Pharmakognostische Sammlung des Apothekers Josef Dittrich“ aus Prag mit ungefähr 30.000 Exponaten, fortan als „DITTRICHIANA“ bezeichnet.

Drogenmuseum Eingangsbereich

Nileidechse aus der Sammlung Dittrichiana Teil der Hölzersammlung
Typische Glasgefäße mit Blüten ... und Standgefäße für Blätter aus der Dittrichiana
Ab 1923 stand Adolf JARISCH dem Doppelinstitut vor. Erst 1925 wurde eine Trennung der beiden Fächer Pharmakologie und Pharmakognosie in Innsbruck genehmigt, wobei ab 1926 Ludwig KOFLER das pharmakognostische Institut übernahm.
Ludwig KOFLER widmete sich als Professor in Innsbruck vorwiegend der mikroskopisch-mikrochemischen Untersuchung von natürlichen und synthetischen Arzneistoffen. Weltweit berühmt wurden seine bahnbrechenden Erfindungen zur thermoanalytischen Untersuchung von Substanzen im Mikromaßstab: das Koflersche Thermomikroskop und die Koflersche Heizbank, die bis heute unersetzliche Werkzeuge in der Thermoanalyse geblieben sind. Mit deren Hilfe identifizierte Kofler organische Substanzen vorwiegend durch Bestimmung des Schmelzpunktes und des Mischschmelzpunktes. Auf dem Gebiet der Thermomikromethoden von Arzneistoffen erschienen zahlreiche bedeutende Publikationen während seiner Zeit als Institutsvorstand.

1941: Institutsphoto, vorne links das Ehepaar Adelheid und Ludwig Kofler,
hintere Reihe, zweite von links: Maria Brandstätter
Obwohl die Pharmakognosie längst schon von der Pharmakologie getrennt war, befand sie sich immer noch in der medizinischen Fakultät. Bezüglich Forschung und Lehre entfernte sie sich jedoch immer mehr von der Medizin. 1939/40 wurde Österreichweit die Lehrkanzel für Pharmakognosie und das Pharmakognostische Institut aus der medizinischen Fakultät herausgelöst und in die philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät einverleibt. Nach dem 2. Weltkrieg 1945 musste Kofler aus politischen Gründen das Lehramt aufgeben.
1945 bis 1947 wurde Maria BRANDSTÄTTER mit der Supplierung der Lehrkanzel betraut. Von 1947 bis 1962 wurde Otto SCHAUMANN, ein Mediziner mit pharmakologischer Forschungsrichtung, Vorstand des Instituts.

1951: Maria Brandstätter als Assistentin mit dem Koflerschen
Thermomikroskop und der Koflerschen Heizbank
Nach seiner Emeritierung im Jahre 1963 führte wiederum Maria KUHNERT-BRANDSTÄTTER die Geschicke des Instituts bis zu ihrer Emeritierung 1989. Die räumliche Neustrukturierung, Bau, Planung, Einzug der Pharmakognosie und Technologie in den Gebäudekomplex Josef-Moeller-Haus ist federführend auf Kuhnert-Brandstätter zurückzuführen. Die von Ludwig Kofler eingeführten mikrothermoanalytischen Methoden wurden unter Kuhnert-Brandstätter mit zusätzlichen analytischen Methoden, wie UV-, IR-Spektroskopie und Differentialthermoanalyse, zur Untersuchung pharmazeutisch relevanter Substanzklassen bereichert. Zahlreiche Publikationen, Monographien und Buchbeiträge aus dem Bereich der Mikroskopie und Thermoanalyse in der Pharmazie haben zu internationalem Ruf des Instituts beigetragen.

1990: Artur Burger
Von 1989 bis zu seinem frühen Tod 2000 stand Artur BURGER dem Institut für Pharmakognosie vor. Seine Forschungsrichtung führte er in der Tradition des Instituts fort, wobei Burger v. a. im Bereich der Präformulierung von Arzneistoffen durch praktische und theoretische Arbeiten der physikalischen Pharmazie und Thermoanalyse neue Impulse gesetzt hat. Aus dem historisch gewachsenen Forschungsgebiet der Thermoanalyse innerhalb der Pharmakognosie erwuchs dem Bereich Polymorphie den ihr gebührenden Stellenwert im Bereich Qualität und Sicherheit eines Arzneimittels in der wissenschaftlichen Fachwelt und der pharmazeutischen Industrie.
Neben dem traditionellen Forschungsbereich etablierte sich eine phytochemische Arbeitsgruppe unter Hermann STUPPNER, die sich v. a. auf die Analytik von Arzneipflanzen und die Isolierung von neuen (bioaktiven) Inhaltsstoffen konzentrierte. Im Vordergrund stand dabei die phytochemische Erforschung volksmedizinisch relevanter Arzneipflanzen aus alpinen Regionen.
Im Juli 1999 wurde das UOG 1993 an der Universität Innsbruck eingeführt, was die Zusammenlegung der vier Pharmazeutischen Institute (Pharmazeutische Chemie, Pharmakognosie, Pharmazeutische Technologie, Pharmakologie und Toxikologie) zu einem Großinstitut für Pharmazie unter der Leitung von Artur Burger zur Folge hatte.

2002: Hermann Stuppner
Seit 2000 ist Hermann STUPPNER Vorstand des Instituts für Pharmazie und Leiter der Abteilung Pharmakognosie (siehe rezente Forschungsschwerpunkte).
Judith Rollinger
