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Programm
November - Dezember 2011
(Alle Programme 1997 - 2011)
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Donnerstag, 3. Nov., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
Margit Schreiner
Die Tiere von Paris ist das ironische Selbstgespräch einer Alleinerziehenden, die sich und dem Leser das Dreiecksverhältnis zwischen sich selbst, ihrem Kind und ihrem Exmann schonungslos vor Augen führt. Die Erzählerin, die sich als Wissenschaftlerin und Sachbuchautorin mit Stadtgeographie, Landschaftsräumen und dem Verirren beschäftigt, bemüht sich nach der Trennung, ihren Alltag mit dem heranwachsenden Kind zu gestalten und ohne Selbstmitleid zu bewältigen. Doch die mit einem hoffnungsvollen Rückblick beginnende Geschichte gerät in einem unwiderstehlichen Sog zur Katastrophe einer Scheidungsfamilie. Zwischen den Eltern hin- und hergerissen, muss die Tochter ihren eigenen Weg finden. Der Roman spielt in Paris, Tokio, Wien und Italien und entfaltet ein weites Panorama unterschiedlicher Lebensentwürfe. Ein raffiniert schlichtes Buch über aktuelle Fragen zur Vereinbarkeit von Kind und Beruf und die Rollen von Männern und Frauen.
Margit Schreiner, geboren 1953 in Linz, studierte Germanistik und Psychologie in Salzburg und ging 1977 für drei Jahre nach Japan. Seit 1983 lebt sie als freie Schriftstellerin zunächst in Salzburg und Paris, später in Berlin und Italien heute wieder in Linz. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, zuletzt den Oberösterreichischen Landeskulturpreis, den Kunstwürdigungspreis der Stadt Linz und den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur. Publikationen zuletzt: Buch der Enttäuschungen. (2005), Haus, Friedens, Bruch. Roman (2007), Schreibt Thomas Bernhard Frauenliteratur? (2008, alle: Schöffling & Co).
www.margitschreiner.com
Margit Schreiner: Die Tiere von Paris. Roman. Schöffling & Co 2011
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Gespräch und Lesung
Schreiben studieren? |
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Donnerstag, 10. Nov., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
Jakob Kraner und Robert Schindel
Gespräch über das Studium der Sprachkunst und
dessen Position im Literaturbetrieb
Seit 2009 bietet die Universität für angewandte Kunst Wien mit dem Studiengang Sprachkunst erstmals ein künstlerisches Bakkalaureat-Studium in der Sparte Literatur an. Das Studium umfasst Textvermittlung und Textproduktion, von der Entstehung neuer literarischer Texte über den Entwurf bis zur Niederschrift sowie die Überarbeitung und Übersetzung in allen Textgattungen und in gattungsübergreifenden Arten (http://dieangewandte.at).
Robert Schindel, Institutsvorstand des Instituts für Sprachkunst, spricht mit Jakob Kraner, Absolvent im dritten Jahr des Instituts, über das Studium und darüber, welche Möglichkeiten einem jungen Autor/einer jungen Autorin geboten werden können. Anschließend lesen die Autoren aus ihren Texten.
Jakob Kraner, geboren 1986 im Waldviertel, Niederösterreich, Studium der Philosophie und der Sprachkunst in Wien. Hält Lesungen, Performances, macht Musik und Mischformen, schrieb für den Uni-Standard und das Skug-Magazin. Publizierte zuletzt in Lautschrift 2011. Angewandte Literatur (2011, Springer).
Robert Schindel, geboren 1944 in Bad Hall bei Linz, seit 1986 als freier Schriftsteller tätig. 1992 veröffentlichte Robert Schindel den Roman Gebürtig (Suhrkamp), der 2001 verfilmt wurde. Robert Schindel hält seit 2003 verschiedene Schreibwerkstätten für junge Autoren ab, seit 2009 ist er Professor an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Publikationen zuletzt: Der Krieg der Wörter gegen die Kehlkopfschreie. Capriccios (2008, Haymon), Mein mausklickendes Saeculum. Gedichte (2008, Suhrkamp), Dunkelstein. Eine Realfarce (2010, Haymon), Man ist viel zu früh jung. Essays und Reden (2011, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag).
www.schindel.at
In Zusammenhang mit der Tagung „Ach, wie wir das Unbekannte schätzen. Rainer Maria Rilke und Erika Mitterer“, veranstaltet vom Brenner-Forum, dem Institut für Germanistik und der Erika Mitterer Gesellschaft (siehe Tipp auf der Rückseite dieses Heftes).
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Buchpräsentation und Lesung
Johannes E. Trojer. Vierbändige Werkausgabe
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Dienstag, 15. Nov., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
Johannes E. Trojer
Vorgestellt von den Herausgeberinnen Ingrid Fürhapter, Sandra Unterweger, Erika Wimmer.
Lesung und Performance: Johanna und Oswald Kollreider
In Zusammenarbeit mit dem Brenner-Forum
Die beeindruckende vierbändige Werkedition stellt den Osttiroler Autor als Feldforscher, Publizisten und Literaten in den Fokus:
Band 1 umfasst Trojers literarisches und journalistisches Schaffen, darunter auch seine Lyrik, die in Hinblick auf den Zeitkontext große Aussagekraft birgt. Band 2 enthält seine zeithistorischen Arbeiten wie zum Beispiel die berühmte Studie Hitlerzeit im Villgratental über den dort geleisteten Widerstand gegen das NS-Regime. Band 3 bietet u. a. eine repräsentative Auswahl von Beiträgen aus der von ihm herausgegebenen Kulturzeitschrift Turntaler, während Band 4 als Begleitband Trojers innovative methodische Denk- und Arbeitsweise dokumentiert.
Am Abend sprechen die Herausgeberinnen über vier Jahre Nachlass-Forschung im Spannungsfeld zwischen Volkskunde und literarischem Experiment sowie über die Arbeit des Osttiroler Autors. Johanna und Oswald Kollreider interpretieren Texte Trojers aus den einzelnen Bänden.
Ingrid Fürhapter, Martin Kofler, Sandra Unterweger, Erika Wimmer (Hrsg.): Johannes E. Trojer (19351991). 4 Bände im Schuber. Haymon 2011
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Lesung
Geschwister Symbiosen |
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Donnerstag, 17. Nov., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
Linda Stift und Lydia Mischkulnig
Spannend wie einen Thriller und mit psychologischer Tiefe entfaltet Lydia Mischkulnig in ihrem Roman Schwestern der Angst die dramatische Geschichte einer fatalen, grenzenlosen Liebe, die in Hass umkippt.
Als Kinder sind Marie und Renate unzertrennlich. In einer Familie, die geprägt ist von Verlust und Misstrauen, schafft Renate für ihre Schwester eine eigene Welt aus der Sehnsucht nach Unversehrtheit und Glück. Doch dann, Jahre später, spaltet Paul ihre vermeintliche Einheit und entscheidet sich für Marie. Der Graben zwischen den beiden Frauen wird tiefer, Renates Blick auf die Welt verzerrt sich gefährlich. Sie heftet sich dem Paar an die Fersen, verfolgt ihre Schwester, überwacht sie zuerst aus der Distanz, rückt dann aber unaufhaltsam näher bis zur letzten Konsequenz.
Lydia Mischkulnig, geboren 1963 in Klagenfurt, studierte die Fächer Bühnenbild und Film in Graz und Wien sowie an der Filmakademie Wien. Seit 1991 ist sie literarisch tätig und verfasst Romane, Erzählungen und Hörspiele. Zahlreiche Preise und Stipendien. Publikationen (Auswahl): Hollywood im Winter. Roman (1996, Haymon), Sieben Versuchungen. Erzählungen (1998, DVA), Umarmung. Roman (2002, DVA), Macht euch keine Sorgen. 9 Heimsuchungen (2009, Haymon). Gemeinsam mit Sabine Scholl: Böhmische Bibel. Unheilige Schrift für Puppen in 5 Bänden (2008/2009, Wieser).
www.lydiamischkulnig.net
Linda Stifts Roman Kein einziger Tag handelt von dem obsessiven Wunsch nach Nähe und liest sich packend wie ein Thriller. Paul ist alles andere als erfreut, als sein anhänglicher Zwillingsbruder Paco, ein mittelmäßiger Serien-Schauspieler, zu Dreharbeiten in der Stadt auftaucht. Paco hatte ihre Trennung sie waren als siamesische Zwillinge auf die Welt gekommen nie akzeptiert; Paul musste mehrfach den Wohnort wechseln, um die notwendige Distanz herzustellen. Nun bricht Paco gewaltsam wieder in Pauls Leben ein. Jenny, Pauls Freundin, ist begeistert von Paco und seinen Kochkünsten. Während Paul zunehmend panisch wird, schafft es Paco in eine Fernsehshow, bei der der Gewinner eine Gratis-Schönheitsoperation bekommt. Doch auch Paul hat seine dunkle Seite …
Linda Stift, geboren 1969 in der Südsteiermark, Studium der Germanistik und Philosophie in Wien, lebt in Wien als Autorin und Lektorin bei der Wiener Zeitung. Zahlreiche Preise und Stipendien; ihr Debütroman Kingpeng (2005) wurde viel beachtet, 2007 folgte der Roman Stierhunger (beide: Deuticke).
Lydia Mischkulnig: Schwestern der Angst. Roman. Haymon 2010
Linda Stift: Kein einziger Tag. Roman. Deuticke 2011
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[Montagsfrühstück. Forum für strategische Langsamkeit]
Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck |
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Montag, 21. Nov., 9 - 11 Uhr
Literaturhaus am Inn
Geld: Tauschmittel, Ware, Machrsymbol?
Silke Meyer und Peter Rosei im Gespräch
Moderation: Martin Sexl
Wie reden wir über Geld? Was verbinden die Menschen emotional mit Geld? Und was ist Geld überhaupt? Eine soziale Praxis? Ein alltägliches Medium? Ein Fetisch? Eine Ware? Ein vernünftiges Instrument des Tausches? Gerade in Zeiten eines wie es scheint enthemmten Finanzkapitalismus sind solche und ähnliche Fragen hochinteressant. Das Montagsfrühstück wird zwar nicht das Entstehen von Finanzkrisen erklären können, allerdings kann es Raum geben, um über die Semantik des Geldes zu diskutieren und die Trennung von Ökonomie und Kultur in unserer Gesellschaft zu hinterfragen.
An diesem Montagsfrühstück treffen sich der historisch-ethnographische Blick der Innsbrucker Ethnologin Silke Meyer mit dem literarisch analytischen des Schriftstellers Peter Rosei, der mit seinem Roman Geld! ein lakonisch packendes Buch, ein scharfsinnigböses Puzzle mit komödiantischen Zügen geschrieben hat und seinen Blick auf die Gegenwart unserer Gesellschaft wirft, die bis in die Lebenswürfe des einzelnen hinein in den Fängen des Kapitalismus verstrickt ist. So heißt es denn auch in Anspielung auf Schnitzlers Meisterwerk: „Der Kapitalismus ist ein weites Land.“
Silke Meyer ist Universitäts-Assistentin am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ökonomische Anthropologie, Stereotype, Nation und nationale Identität sowie Ethnologische Bildungswissenschaft.
Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck
20 Uhr
Lesung mit Peter Rosei
Das Leben ist nur eine Chance, und Georg Asamer hat sie genützt: Er hat es zum Eigner einer höchst erfolgreichen Werbeagentur gebracht. Als er mit seinem Protegé Andy Sykora einen Nachfolger installiert, muss er erkennen, dass er alt geworden ist die Geschäftsstrategien haben sich geändert … Peter Rosei führt uns in die Brennkammer jener Welt, wo auf Umwegen und doch fast gesetzesmäßig jenes Klima entsteht, in dem sich zerstörerische Wünsche mit himmelstürmenden Hoffnungen paaren.
In Geld! treffen „eine zum Knochengerüst reduzierte Handlung und eine pointillistische Schilderung der Figuren aufeinander. Der eigentliche Coup aber, den das Buch landet, besteht darin, dass es das gewählte Thema an den Horizont verschiebt. Keine Wirtschafts-Apokalypse treffen wir hier an, sondern einen Erklärungsversuch ihrer Vorbedingungen.“ (Klaus Kastberger)
Peter Rosei, geboren 1946 in Wien, Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften, lebt seit 1972 als freier Schriftsteller in Wien. Preise und Auszeichnungen, u. a. Franz-Kafka-Preis 1993, Anton-Wildgans-Preis 1999, Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 2007. Zuletzt erschienen: Album von der traurigen und glücksstrahlenden Reise. Essay (2002, Droschl), Wien Metropolis. Roman (2005, Klett-Cotta), Das große Töten. Roman (2009, Residenz).
Peter Rosei: Geld! Roman. Residenz 2011
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Lesung
Mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung
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Freitag, 25. Nov., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
Monique Schwitter und Simona Ryser
Moderation: Robert Renk
Simona Rysers Roman Helenenplatz ist ein modernes Märchen im Zeitalter der Onlineportale, auf denen einsame Singles auf der virtuellen Suche nach dem einzig wahren Date sind. Hanna, Treuhänderin im Burnout, sitzt wie gelähmt vor ihrem Computer, flüchtet in die Stadt, klaut in Warenhäusern, versucht Männer kennenzulernen. Ihre Sekretärin Sabine übernimmt mehr und mehr die Dossiers, jubelt ihr Dates unter und träumt selbst von der Liebe. Georg, Gamedesigner im Timeout, rennt durch die Stadt und geistert durch die Kontaktinserate auf den Bildschirmen von Hanna und Sabine am Helenenplatz.
Drei moderne Stadtmenschen treffen und verpassen sich, gelenkt von der Stadt, ihren Straßen, Warenhäusern, Bürotürmen und Bildschirmen. Gelenkt von ihren Träumen einer Liebe, die länger hält als ein paar Nächte. Wunderbar musikalisch erzählt Simona Ryser von der Stadt, von der Arbeit und der Liebe.
Simona Ryser, geboren 1969 in Zürich, nach einer Lehre als Verlagsbuchhändlerin Arbeit im Lektorat beim Diogenes Verlag. Studierte Gesang, seit 1995 verschiedene Engagements als Opernsängerin, diverse freie Produktionen sowie Tätigkeit als Autorin und Journalistin. Seit 2004 freie Hörspielregisseurin, Autorin, Sängerin und Journalistin. Für ihren letzten Roman Maries Gespenster (2007, Limmat) erhielt die Autorin 2008 den Rauriser Literaturpreis.
Monique Schwitters Erzählungen sind unverwechselbar. In Goldfischgedächtnis führt sie scharfsichtig und mit großem Gespür für dramatisches Timing ihre Figuren in Konfrontationen und Konflikte, die sehr schnell eine existenzielle Zuspitzung erhalten. Alles ist Handlung in diesen Geschichten (nicht zu verwechseln mit action!), ihre Personen sind nach wenigen Zeilen plastisch und lebendig, ihre Sätze sind elementar und schnörkellos. Es geht ja auch um etwas: In fast allen Geschichten blicken wir in die Schrecken von Beziehungen und Begegnungen, und fast immer ist auch von Abwesenheit und Verlust, von Sterben und Tod die Rede. Monique Schwittters Erzählungen gehen auf unerhört spannende Weise den Geheimnissen unserer Erinnerung nach, der Spannung zwischen Vergessen und Erinnern wozu haben wir schließlich ein längeres Gedächtnis als Goldfische?
Monique Schwitter, geboren 1972 in Zürich, lebt seit 2005 in Hamburg. Sie hat in Salzburg Schauspiel und Regie studiert, war unter anderem an den Schauspielhäusern in Zürich, Frankfurt, Graz und Hamburg engagiert und lebt heute als freie Autorin in Hamburg. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Robert-Walser-Preis (2006). Publikationen zuletzt: Wenn’s schneit beim Krokodil. Erzählungen (2005, Droschl), Ohren haben keine Lider. Roman (2008, Residenz).
Simona Ryser: Helenenplatz. Roman. Limmat 2011
Monique Schwitter: Goldfischgedächtnis. Erzählungen. Droschl 2011
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| Buchpräsentation und Lesung |
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Donnerstag, 1. Dez., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
von jetzt bis jetzt. Haikus von Christian Loidl
Aus dem Deutschen ins Italienische und Französische übersetzt von Studierenden der Institute für Romanistik und für
Translationswissenschaft der Universität Innsbruck
Begrüßung: VR Tilmann Märk
Einführung: Prof. Eva Lavric
Musik: Leo Scola (Gitarre)
„Haikus machen ein Fenster auf in unserer Wahrnehmung, unsere Klischees und Erwartungen werden durchbrochen. (…) Aus dem Unerwarteten, Charakteristischen, Absurden kann Humor entstehen ein feiner Humor, voll Leichtigkeit. Manche Haikus haben eine Pointe, andere nicht aber alle machen sie etwas auf, unterbrechen den stereotypen Fluss der Gedanken, die vorgefertigten Interpretationsmuster dessen, was wir sehen, hören und denken. (...) Haikus sind ein Geisteszustand und feiern diesen, tanzen mit diesem und mit der Wirklichkeit: das frische Wahrnehmen, der Anfänger-Geist, das Zerreißen der Konditionierungen.“ (aus dem Vorwort von Eva Lavric)
Der Gedichtband nachtanhaltspunkte. haiku notate von Christian Loidl diente als Vorlage für ein Übersetzungsprojekt, das 20092011 an der Universität Innsbruck durchgeführt wurde. Im anschließenden Schreibprojekt versuchten die Studierenden selbst, Haikus in der Fremdsprache zu verfassen. Nun sind die übersetzten und die neu verfassten Haikus in einem Band zusammengefasst und von Eva Lavric, Muryel Derlon und Carla Leidlmair-Festi bei innsbruck university press herausgegeben worden.
Christian Loidl, geboren 1957 in Linz, lebte ab 1975 in Wien, wo er 2001 starb. Studium der Germanistik, Dr. phil. 1984. Ab 1985 freier Schriftsteller, Mitglied der GAV und des Podium. Arbeitsschwerpunkte Lyrik und Performance, daneben Essay, Kurzprosa, Hörspiel, Feature, Übersetzungen. Mitbegründer der Schule für Dichtung in Wien.
Muryel Derlon, Eva Lavric, Carla Leidlmaier-Festi (Hg.): von jetzt bis jetzt. Haikus von Christian Loidl. innsbruck university press 2011
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| Lesung |
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Mittwoch, 7. Dez., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
Klemens Renoldner
Einführung: Johann Holzner
Die scheinbar fröhliche und kraftvolle Lily stürzt sich, erst 24-jährig, von einer Brücke in den Tod. Ihr Vater, Sebastian Zinnwald, bricht daraufhin die Kontakte zur Außenwelt ab, ertränkt seine Trauer in Ohnmacht und Sprachlosigkeit. Die ältere Tochter Veronika, alleinerziehende Mutter zweier Söhne und erfolgreiche Kinderärztin in Berlin, leidet unter dem Schweigen des Vaters. Zwölf Jahre nach Lilys Tod bittet der mittlerweile 71-jährige seine Tochter Veronika um ihren Besuch. Aber die Gespräche über Lily verwandeln sich in gegenseitige Anklage. Die Trauer hat beide einsam und hart gemacht. Mit einer Hommage an Adalbert Stifters berühmte Erzählung Der Hagestolz findet die Geschichte ihr Finale in den Dinosaurier-Hallen des Museum of Natural History in New York.
In der Geschichte, die Klemens Renoldner sprachlich virtuos und schonungslos offen erzählt, wechseln sich Erzählung und Dia-log, Träume und tragikomische Szenen ab; ein Verwirrspiel von Erinnerung, Fantasie, Traum und Wirklichkeit, das wir Leben nennen.
Klemens Renoldner, geboren 1953 in Schärding am Inn, Studium der Literatur und Musik. Dramaturg und Regisseur an Theatern in Österreich, Deutschland und der Schweiz; seit 2008 Direktor des Stefan Zweig Centre an der Universität Salzburg. Veröffentlichungen: Erzählungen und Kurzprosa, wissenschaftliche Studien, Essays zur zeitgenössischen Literatur.
www.renoldner.com
Klemens Renoldner: Lilys Ungeduld. Roman. Folio 2011
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[Montagsfrühstück. Forum für strategische Langsamkeit]
Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck |
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Montag, 12. Dez., 9 - 11 Uhr
Literaturhaus am Inn
Körper, Technik, Natur
Kordula Schnegg und Bernhard Kathan im Gespräch
Moderation: Martin Fritz
Beim letzten Montagsfrühstück in diesem Jahr wird es auf einer grundsätzlichen Ebene um das Verhältnis von Natur und Kultur und um die Frage von Biopolitik gehen, wobei im Zentrum die Frage von Bildern des Körpers und von Körperlichkeit generell stehen wird. Ist der Körper ein natürliches Ideal oder ein technischer Effekt? Wie sehen die Normen von natürlicher Körperlichkeit aus und wie haben sie sich entwickelt? Orientieren sich „technische“ Eingriffe in den Körper an einem Ideal des „Natürlichen“?
Kordula Schnegg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik hat sich in ihrer Forschungstätigkeit mit der Geschichte von Körperlichkeit und Körperbildern beschäftigt. Sie wird mit dem Kulturhistoriker, Sozialwissenschaftler und Künstler Bernhard Kathan diskutieren, dessen Kunst und wissenschaftliche Arbeit sich immer wieder mit der Frage des Körpers und des Verhältnisses von Natur und Kultur / Technik auseinandersetzen.
www.hiddenmuseum.net
Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck
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Freitag, 16. Dez., 20 Uhr
Literaturhaus am Inn
Katharina Geiser
Einführung: Doris Eibl
Katharina Geisers neuer Roman Diese Gezeiten erzählt die Geschichte von Lucy Schwob und Suzanne Malherbe. Die beiden Frauen stammen aus bekannten französischen Intellektuellenfamilien, sie sind Stiefschwestern und gleichzeitig auch ein Paar. Von den Pariser Zirkeln der Surrealisten rund um André Breton haben sich die beiden Künstlerinnen verabschiedet, um auf Jersey zu schreiben, zu zeichnen und zu fotografieren. Mit der Ankunft der Deutschen im Jahr 1940, die ohne auf Widerstand britischer Truppen zu stoßen die Kanalinsel okkupieren, beginnen sie eine listenreiche und lebensgefährliche Antikriegspropaganda. Lucy Schwob und Suzanne Malherbe werden ins Gefängnis geworfen und zum Tode verurteilt. Diese Gezeiten ist ein großer Roman, der zeigt, wie ein Nebenschauplatz des Zweiten Weltkriegs zu einem Zentrum der Angst wird. Er erzählt aber auch von übermütiger Lebenslust, von Mut und Hoffnung.
Katharina Geiser, geboren 1956, Studium der Germanistik, Englischen Sprache und Pädagogik. Lebt in Wädenswil am Zürichsee. Zuletzt erschienen: Vorübergehend Wien. Roman (2006, Zsolnay), Rosa ist Rosa. Erzählungen (2008, Ammann).
www.katharinageiser.ch
Katharina Geiser: Diese Gezeiten. Roman. Jung und Jung 2011
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