ANTONIA MINOR ALS VENUS GENETRIX

Inv.Nr. I/568

Baiae, Castello Aragonese

FO: im Meer bei Baiae, 1980/83

Höhe: 1,59 m

Marmor

um 45 n. Chr.

Die Porträtstatue der Antonia Minor, Mutter von Kaiser Claudius, gehört mit zur Ausstattung des prachtvollen, mit Barken befahrbaren Nymphäumssaales (18 m lang, 9,50 m breit, tonnengewölbt) im Praetorium dieses Kaisers in Baiae im Golf von Neapel. In den Nischen der Seitenwände dieses Saales standen Figuren der kaiserlichen Familie, in der Apsis an der Stirnseite befand sich die in großen Marmorfiguren inszenierte Szene, Odysseus reicht dem Riesen Polyphem den Wein.

Die Kaiserin ist hier als Venus Genetrix mit dem Erosknaben im Arm dargestellt, bei dem man sich eine Perücke und angesteckte Flügel (Gold?) vorstellen müßte. Wenn man bedenkt, daß das julisch-claudische Kaiserhaus Venus als die Stammmutter der Familie verehrte, erkennt man die tiefere Bedeutung der Transformation der Kaiserin in die Gestalt dieser Göttin. Der außerordentliche Erhaltungszustand der Statue (Gesicht, Diadem!) ist bedingt durch das langsame Versinken der gesamten Anlage in das Meer (um etwa 300 n. Chr.).

Antonia Minor wurde 36 v. Chr. als Tochter des Triumvir Mark Anton und der Augustusschwester Octavia geboren und 16 v. Chr. mit Drusus, dem Stiefsohn des Augustus, verheiratet, dem sie Claudius, den späteren Kaiser, gebar. Posthum - sie starb 37 n. Chr. - wurde ihr der Titel "Augusta" verliehen, wodurch sie mit Livia gleichgestellt war.

Literaturhinweise:

B. Andreae, Odysseus, Mythos und Erinnerung, Katalog Ausstellung München (1999) 225ff.- B. Andreae, Die Einheitlichkeit der Statuenausstattung im Nymphäum des Kaisers Claudius bei Baiae, in: V.M. Strocka (Hg.), Die Regierungszeit des Kaisers Claudius. Umbruch oder Episode? Freiburg 1991 (1994) 119ff.

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Texte: Elisabeth Walde, Dietrich Feil; Photos: Jörg Moser; Gestaltung: Dietrich Feil;
© Institut für Archäologien / Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Universität Innsbruck, 2003
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