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Noch bevor die Menschen des Landes auf der felsigen Ebene hoch über dem Fluss Azat riesige Stätten geschaffen haben, um ihren Göttern zu huldigen, schuf sich Gott selbst mit Hilfe des Kraft des kleinen Flusses und der Witterung einen Tempel aus hoch aufragenden basaltenen Stelen in den Schluchten des Azat. Nirgendwo in Armenien sind die Basaltblöcke, die die Natur geschaffen hat, höher und eindrucksvoller als hier in Garni. Als ob hier Tausende von Steinmetzen jahrhundertelang den vulkanische Stein behauen hätten, ragen diese seltsamen steinernen Gebilden bis zu 300 Meter empor. Nirgendwo in Armenien sind auch jene Basaltblöcke, die die Menschen geschaffen haben, älter und eindrucksvoller als hier in Garni, wo auf einem kleinen dreieckigen Vorsprung der Hochebene der armenische König Trdat I. im ersten Jahrhundert n. Chr. einen Tempel im griechisch-römischen Stil errichten ließ. Ein legendärer Ort, von dem die armenische Überlieferung berichtet, dass der Name dieses Ortes direkt auf den Urenkel von Hajk, Garnik, zurückgeht. Viel glaubwürdiger, da historisch belegt ist die Annahme, dass es auf dieser Hochebene insgesamt fünf Bauperioden gegeben hat und die älteste davon auf eine heidnische Kultstätte aus dem 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht. Die größten Bautätigkeiten entfalteten die armenischen Könige im 3. Jahrhundert, als sie eine Sommerresidenz nach römischem Vorbild gestalteten.
Sogar in den Annalen des Tacitus wird diese Festung schon genannt, die die Römer auf ihrem Eroberungszug durch Armenien entdeckt hatten. Der "Sonnentempel" ist 66 n. Chr. erbaut worden und musste sich erst einem schweren Erdbeben im Jahre 1679 geschlagen geben. Als er 300 Jahre später von den Orientalisten Nikolaj Marr und Jakov Smirnov bei Ausgrabungen entdeckt worden ist, ist eines der ältesten Baudenkmäler Armeniens wieder entdeckt worden. Nach eingehenden Studien konnte der Tempel Mitte der 60er Jahre wieder originalgetreu rekonstruiert werden und begeistert seither wieder in alter Schönheit. Die Geschichte des Tempels geht auf die Auseinandersetzungen zwischen Rom und Persien um Armenien zurück. Armenien war im ersten Jahrhundert nach Christus zum Zankapfel zwischen Rom und Persien geworden, bis Mitte des 1. Jahrhundert das Herrschergeschlecht der Arsakiden an die Macht gelangte und das zwischen Rom und den Parthern geteilte Armenien zurückzubekommen versuchte. Der Romtreue armenische Herrscher Radomist wurde mit Hilfe der parthischen Könige gestürzt, an seine Stelle wurde der Arsakide Trdat I. gesetzt. Durch ein Reise nach Rom mit einer Abordnung von 3000 Begleitern versuchte der neue armenische König Frieden dem Kaiser Nero zu schließen. In Rom wurde Trdat I. nach einigen Auseinandersetzungen schließlich von Nero offiziell zum König von Armenien gekrönt und Armenien damit seine Unabhängigkeit - zumindest für einige Jahrzehnte - zurückgegeben. Nach der anstrengenden neunmonatigen Reise ließ König Trdat am Rande der Schlucht einen Tempel im ionischen Stil errichten. Der Tempel ist ein sogenannter Peripteraltempel, ein Tempel mit umlaufender Säulenhalle auf einem mehrstufigen Podium. Der quadratische Hauptsaal ist von 24 Säulen umgeben, deren Kapitelle ganz im ionischen Stil mit Voluten dekoriert sind. Das Dach ist ein einfaches Satteldach mit kunstvollen Verzierungen am Kranzgesims in Form von Zahnschnitten. Auch die Decken sind überaus reich geschmückt.
Die Festung von Garni, die später zu Zeiten der Artaxiden und Arsakiden eine bekannte Residenz der König gewesen war, steht eigentlich ganz im Schatten des viel berühmteren Tempels. Erst die Ausgrabungen Mitte des 20. Jahrhunderts konnten etwas Licht in die Geschichte der Festungsanlage bringen. Von der großen Umfassungsmauer, die vermutlich das ganze dreieckige Plateau umgeben hat, sind heute noch etwa 300 Meter an der Nordseite sowie Reste an der Ostseite erhalten. Auch der Eingang stammt aus dieser Zeit. Zu den bedeutendsten Entdeckungen der Ausgrabungen zählen sicherlich die Reste des Palastkomplexes aber besonders die des Bades. Das Badehaus ist vermutlich im dritten Jahrhundert n. Chr. nach römischem Vorbild entstanden. Der Grundriss zeigt vier gleich große Räume, die sowohl innen als auch außen halbkreisförmig nach Süden hin gerundet sind. Am westlichen Ende schließt noch ein quadratischer fünfter Raum an. Die drei kleinen gerundeten Räume mit den Verbindungstüren waren einst als Baderäume benutzt worden. In diesen Räumen belegen auch Reste irdener Rohre, dass sie geschickt beheizt worden sind. Der letzte Raum mit einer Fläche von knapp 8,5 Quadratmetern war vermutlich eine Art Umkleideraum. Hier ist im halbkreisförmigen Vestibül ist auch ein einzigartiges Mosaik bewahrt, das in 15 Farben Gestalten aus der griechischen Mythologie darstellt.
Die Grundmauern der Palastanlage umschließen eine Gesamtfläche von etwa 600 Quadratmetern ein und liegen im Südwesten des Sonnentempels, mit Blick auf den Westeingang der Azatschlucht. Dass dieser Palast und die Badeanlage zur nahezu selben Zeit entstanden sein müssen, dafür spricht auch die gleichartige Bauweise und das verwendete Baumaterial. Der Palast präsentiert sich heute als ein langgestrecktes, rechteckiges Gebäude, dessen Hauptteil der große Saal im Zentrum ist. Bei weitem auffälliger sind die Reste eines rund ummantelten Gebäudes, das zwischen der Palastruine und dem Sonnentempel eingezwängt ist. Die Sionkirche, die auf den Katholikos Nerses und damit auf das 7. Jahrhundert zurückgeht, ist das jüngste Bauwerk auf dem Plateau von Garni, vermutlich um den heidnischen Geist verstummen zu lassen und die großartigen vorchristlichen Bauwerke in den Schatten zu stellen. Besonders gut erkennt man diesen Grundriss von den Stufen des heidnischen Tempels. Einige Zeit vor der Sionkirche , im vierten bis fünften Jahrhundert war außerhalb des Plateaus, auf dem Gebiet des alten Dorfes Garni eine riesengroße Saalkirche als Mahnung an alle jene erbaut worden, die vielleicht noch in dem berühmten Tempel Trdats den Sonnengott anbeten wollten.
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