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Projekt Historischer Roman
Kurzbeschreibung


Das von österreichischen Forschungsfonds FWF geförderte Projekt wurde am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck in den Jahren 1991 bis 1997 durchgeführt.

Projektziel

Ziel des Projekts ist es, eine sozialhistorisch und literatursoziologisch fundierte Gattungsgeschichte zu verfassen, die nicht nur den gängigen Kanon der bekannten historischen Romane sondern die ganze Breite des Genres berücksichtigt. Voraussetzung dafür war die Erstellung einer vollständigen Bibliographie des historischen Romans, die ca. 6300 Einträge beinhaltet und als Online-Datenbank der Forschung zur Verfügung gestellt wird.

Das zentrale Forschungsvorhaben besteht darin, ausgehend von der vollständigen Bibliographie, wichtige sozialhistorische Daten zur Produktion, Distribution und Rezeption der historischen Romane zu sammeln, mittels eines Statistik-Programms auszuwerten und zu interpretieren. So können erstmals auf empirischer Basis fundierte und objektiv belegbare Aussagen zum historischen Roman zwischen 1780 und 1945 getroffen werden.

Methode

Um das Vorhaben einer umfassenden sozialhistorisch fundierten Gattungsgeschichte des historischen Romans verwirklichen zu können, war es notwendig, zwei Voraussetzungen dafür zu schaffen, die in der Forschung bisher noch nicht geleistet worden sind:

Erstellung einer Bibliographie des deutschsprachigen historischen Romans von 1780 bis 1945

Die verwendete Romandefinition stimmt weitgehend mit den Richtlinien überein, wie sie von Steinecke, Eke und Vollmer für die Erstellung ihrer Roman-Bibliographie zum frühen 19. Jahrhundert verwendet wird: "Fiktionale Prosawerke, erschienen als deutschsprachiges Originalwerk in selbständiger Buchform".<1> Besondere Schwierigkeiten bereitete die Abgrenzung zu den sogenannten Dialogromanen (Albrecht, Schlenkert, u.a.), die im späten 18. Jahrhundert eine starke Konjunktur erlebten. Ausschlaggebend für die Aufnahme solcher Romane in die Bibliographie war, daß der Text kurze Prosaeinschübe aufweisen mußte.

Nicht aufgenommen wurden Ritter-, Schauer- und Räuberromane, die entgegen ihren Ankündigungen als "Mittelalterromane" keine historischen Fakten verarbeiten.

Ein sehr weiches Kriterium stellt die historische Distanz der im Roman behandelten Zeit dar. Wir verwenden die anerkannte Definition von Ina Schabert, wonach die Romanhandlung nicht "Selbsterlebtes und Erinnertes"<2> enthalten dürfe. Als Ausnahme behandelten wir Texte, die sich im Titel dennoch als "historische Romane" oder "Geschichtsromane" bezeichnen.

Als rein mechanisches Kriterium ist zusätzlich noch die Seitenlänge der Texte zu berücksichtigen. Romane sind Texte mit mindestens 10 Bogen Länge (oder ca. 160 Seiten bei Oktavformat).

Die Bibliographie wurde als Datenbank erstellt. Für den Zeitraum 1780 bis 1945 konnten ca. 6300 historische Romane ermittelt werden.

Historische Romane 1780-1945

Säulendiagramm

Statistik

Parallel zur Ermittlung der historischen Romane entwickelten wir auch eine Methode zur Erfassung von sozialhistorisch relevanten Daten zu den Autoren, ihren Romanen, deren Distribution und Rezeption. Diese Daten wurden von uns mittels Erhebungsbögen gesammelt, computerisiert und mit einem Statistikprogramm (SPSS-X) ausgewertet.

Im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Arbeiten in der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte gibt es im germanistischen Bereich praktisch keine Vorarbeiten für eine auf Vollständigkeit und Objektivität angelegte empirische Untersuchung der soziologischen, sozialhistorischen und rezeptionshistorischen Aspekte einer literarischen Gattung.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Projektarbeit lag dementsprechend auf der Erstellung verschiedener Erhebungsinstrumente ("Fragebögen"), die eine möglichst objektive, rationelle, umfassende und für die Computerauswertung geeignete Gewinnung von Daten erlauben. Konkret heißt das, daß möglichst viele Informationen zum einzelnen Buch, zum Autor des Buches, zur Rezeption gesammelt und ausgewertet wurden.

Als Modell für die Effizienz und für die Möglichkeiten unserer Vorgangsweise kann der Aufsatz "Gewinner und Verlierer. Der historische Roman und sein Beitrag zum Literatursystem der Restaurationszeit" (IASL 1996 21,1) angesehen werden. Auch der Aufsatz "Habsburgische Landschaften im historischen Roman vor 1850" dokumentiert die Leistungsfähigkeit unserer Vorgangsweise.


<1> Vollmer, Hartmut: Der deutschsprachige Roman 1815 - 1820. Bestand, Entwicklung, Gattung, Rolle und Bedeutung in der Literatur und in der Zeit. München: Fink 1993 (= Corvey-Studien, 2), S. 225.
Eke, Norbert Otto: Olasz-Eke, Dagmar: Bibliographie: Der deutsche Roman 1815-1830. Standortnachweise, Rezensionen, Forschungsüberblick. München: Fink 1994 (= Corvey Studien. Zur Literatur- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts 3), S. 21f.
<2> Schabert, Ina: Der historische Roman in England und Amerika. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft 1981 (= Erträge der Forschung, 156), S. 4.




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